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Die neue Suchmaschine durchforstet das Internet nach wissenschaftlichen Artikeln. Dabei übersieht sie viele Texte: Google Scholar auf dem Prüfstand

Als die weltweit größte Suchmaschine Google im November 2004 mit Google Scholar einen neuen Dienst für Wissenschaftler einführte, galt das an Hochschulen und Instituten als mittlere Sensation. Von zu Hause aus können Forscher nun kostenlos in acht Millionen Büchern, Fachzeitschriften und wissenschaftlichen Berichten stöbern. Sind die Texte kostenpflichtig, stellt Google Scholar zumindest die Zusammenfassung zur Verfügung, ansonsten kann man sich den Artikel per Mausklick herunterladen.Guter ServiceAls zusätzlichen Service gibt Google Scholar an, wo ein Artikel zitiert wird und sortiert auf dieser Grundlage die gefundenen Texte. Als erstes werden die Artikel genannt, die am häufigsten zitiert werden. Bislang war eine solche Suche über das World Wide Web nur eingeschränkt möglich, da sich die Suchmaschinen nicht auf wissenschaftliche Beiträge beschränken. Sie durchforsten alle Internetseiten nach einem bestimmten Begriff und liefern als Resultat oft eine unüberschaubar große Menge irrelevanter Texte.Tamara Pianos vom wissenschaftlichen Suchportal Vascoda kritisiert jedoch, dass die Suchstrategie von Google Scholar intransparent sei. "Man weiß gar nicht, was rein kommt und was rausfällt", sagt sie. Vascoda ist ein Zusammenschluss deutscher Fachdatenbanken und soll als Grundstein einer digitalen Bibliothek dienen. Das Projekt wird vom Bundesforschungsministerium und der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.Im Vergleich zum kommerziellen Wettbewerber Google Scholar stehe Vascoda auf einer solideren Basis, sagt Tamara Pianos. Ihrer Ansicht nach ist es gut möglich, dass sich das Geschäftsmodell von Google Scholar in den kommenden Jahren wandeln wird. Schließlich sei die Suchmaschine noch in der Testphase.Auch Philipp Mayr und Anne-Kathrin Walter vom Bonner Informationszentrum Sozialwissenschaften bemängeln die Intransparenz von Google Scholar. Die beiden Forscher haben die Suchmaschine kürzlich getestet und dabei festgestellt, dass sie viele wissenschaftliche Texte unterschlägt. Vor allem Artikel aus kostenlos zugänglichen Internet-Fachzeitschriften, den so genannten Open-Access-Journalen, tauchen oft nicht als Ergebnisse auf.Open-Access-Journale sind unter Wissenschaftlern beliebt, da einige Verlage die Abonnementspreise für ihre Fachzeitschriften in den vergangenen Jahren stark angehoben haben. Daher spielt es eine große Rolle, wie gut Google Scholar den Bereich öffentlich zugänglicher Fachzeitschriften erschließt.Mayr und Walter stellten fest, dass Google Scholar 16 Prozent der insgesamt 1 423 Open-Access-Journale nicht kennt. Darüber hinaus bietet die Suchmaschine nur bei 40 Prozent dieser frei zugänglichen Artikel einen Hinweis auf die Internetseite oder den Volltext zum Herunterladen an. Die übrigen Online-Artikel werden nur in Form einer herkömmlichen Literaturangabe angegeben.Viel weniger TrefferDie Bonner Forscher verglichen Google Scholar auch mit Solis, einer fachspezifischen Datenbank, die 324 sozialwissenschaftliche Zeitschriften abdeckt. Auch hier fiel das Ergebnis nicht gut aus für Google Scholar.Die Suche nach der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie ergab bei Solis beispielsweise 2 756 Treffer, bei Google Scholar jedoch nur 753. Bei vielen Artikeln gab Google nur Titel, Autor, Band- und Seitenzahl an, Solis hinlieferte zusätzlich die Schlagwörter und die Zusammenfassung. Auch bei der Suche nach sozialwissenschaftlichen Fachbegriffen wie Kaderpolitik und Kandidatenaufstellung erzielte Solis bessere Trefferquoten als Google Scholar.Auf einer Tagung in Bonn bestätigte kürzlich der Mathematiker Wolfram Sperber aus eigener Erfahrung die Testergebnisse von Mayr und Walter. Der Wissenschaftler vom Berliner Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik plädierte für spezialisierte Suchmaschinen, die das Internet nach Angeboten nur für ein Fachgebiet durchforsten. Solche Suchmaschinen seien nicht auf allgemein gültige Kriterien angewiesen, die für alle Disziplinen gelten. In der Mathematik können zum Beispiel Formeln Aufschluss über das Thema einer Internetseite geben. Google Scholar, sagte Sperber, könne das nicht leisten.Internet-Suchdienste für Wissenschaftler:scholar.google.comwww.vascoda.de