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Technik: Elektrogeräte mit Verfallsdatum inklusive

In der Regel geht kaputte Technik nicht spontan in Flammen auf. Auch weniger spektakuläre Defekte können aber ärgerlich und kostspielig sein.
In der Regel geht kaputte Technik nicht spontan in Flammen auf. Auch weniger spektakuläre Defekte können aber ärgerlich und kostspielig sein.
Foto: dpa-tmn

Ob Smartphone, Fernseher oder Kaffeemaschine: Irgendwann ist jedes Elektrogerät veraltet. Oft passiert das schneller als nötig, kritisieren Verbraucherschützer. Doch woran liegt es, dass einige technische Produkte heute besonders kurzlebig sind?

In der Feuerwache in Livermore nahe San Francisco brennt eine Glühbirne - und das angeblich seit 111 Jahren. Eine Webcam überträgt das Bild der sogenannten Centennial Bulb, die es sogar ins Guinness Buch der Rekorde geschafft hat, ins Internet. Doch im Gegensatz zu der langlebigen Glühbirne hielt die letzte Kamera laut der Webseite www.centennialbulb.org nur drei Jahre. Die Centennial Bulb ist einigen Kritikern der Wegwerfgesellschaft ein Beleg dafür, dass jüngere Glühbirnen nur noch auf eine kürzere Lebensdauer ausgelegt sind. Und diese sogenannte geplante Obsoleszenz betrifft aus ihrer Sicht auch viele andere Produkte.

Das Problem kennt jeder: Jedes Jahr kommt ein neues Handy mit mehr Funktionen auf den Markt, ein neuer PC, der die aktuellen Programme verarbeiten kann, ein Auto, dass schneller und sparsamer ist. Die alten Modelle sind dann überholt. Und schlimmstenfalls werden sie dadurch schneller aussortiert, als es nötig wäre. Die Frage ist nur: Wer ist schuld daran - die Hersteller oder die Kunden?

Wenn die alten Geräte noch gut sind

Denn es ist eine Sache, wenn Käufer die aktuellsten Produkte haben wollen, obwohl die alten noch gut sind. Etwas anderes wäre es, Produkte so zu bauen, dass der Austausch von Verschleißteilen unmöglich wird oder sie schnell kaputtgehen - zum Beispiel, weil Billigbauteile von schlechter Qualität verwendet wurden. Doch ist das mehr als eine Verschwörungstheorie?

Die Industrie weist den Vorwurf jedenfalls weit von sich: „Von geplanter Obsoleszenz kann bei Hausgeräten nicht die Rede sein“, sagt Werner Scholz vom Zentralverband der Elektroindustrie (ZVEI). „Im Gegenteil: Elektro-Hausgeräte sind sehr langlebig.“ So seien von den fast 180 Millionen in deutschen Haushalten eingesetzten großen Elektro-Hausgeräten fast 75 Millionen älter als 10 Jahre. 31 Millionen seien sogar schon 14 Jahre oder länger im Einsatz.

Oft wollen Kunden die aktuellsten Produkte haben wollen, obwohl die alten noch gut sind.
Oft wollen Kunden die aktuellsten Produkte haben wollen, obwohl die alten noch gut sind.
Foto: dpa-tmn

Auch gibt es keine Belege dafür, dass hinter der Kurzlebigkeit mancher Geräte böse Absicht steckt. „Dass ein Produkt so manipuliert ist, dass es kurz nach der Garantiezeit kaputt geht, können wir der Industrie nicht nachweisen“, sagt Hyewon Seo, Referentin für Kreislaufwirtschaft beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Trotzdem fragen sich die Verbraucherschützer, warum ein Drucker nach einer bestimmten Anzahl gedruckter Seiten eine Fehlermeldung bringt und einfach nicht weiterarbeitet. „Wir wissen, dass die Industrie darauf eine Antwort hat“, sagt Seo.

Betriebswirt Stefan Schridde setzt sich mit seiner Webseite www.murks-nein-danke.de dafür ein, dass die Industrie diese Antwort gibt. Verbraucher können hier Produkte melden, die nach kurzer Zeit kaputtgegangen sind oder sich unverhältnismäßig schwer reparieren lassen.

Bessere Haltbarkeit für nur wenige Cent

Die Antwort der Industrie, die Schridde fordert, kostet pro Produkt manchmal nur wenige Cent. Er spricht zum Beispiel von minderwertigen Elektrolytkondensatoren in Fernsehern, die mit einer Haltbarkeit von fünf Jahren eingebaut werden. „Ein Kondensator, der fünf bis zehn Jahre länger hält, würde weniger als einen Cent mehr kosten“, sagt Schridde. Bis zu 30 von ihnen sind in einem Fernseher verbaut. Eine Reparatur wegen durchgebrannter Elektrolytkondensatoren kostet über 100 Euro.

„Es gibt kein Gesetz, das verbietet, schlechte Qualität zu verkaufen“, sagt Schridde. Er fordert eine Kennzeichnungspflicht, nach der Hersteller die geplante Lebensdauer des Produkts angeben müssten. Langfristig käme das auch den Firmen zugute, glaubt Verbraucherschützerin Seo: „Wenn das Produkt eines Herstellers gerade mal nach zwei Jahren kaputt geht, kann der ja nicht darauf hoffen, dass ich bei ihm noch einmal kaufe.“

Auch Produkte, die nur schwer repariert werden können, sind ein Ärgernis für viele Kunden. Ebenso wie das Problem, dass es für Auslaufmodelle irgendwann keine Ersatzteile und keinen Kundendienst mehr gibt. Daran seien aber auch die Verbraucher selbst schuld, sagt Seo. „Wir kaufen oft Dinge, die wir nicht so lange haben wollen.“ Denn schnell müsse es das nächste und neueste Handy oder das schnellere Auto sein.

Neue Geräte sind ökologisch sinnvoll

Bei manchen Geräten ist diese Mentalität aber auch gut, wendet Werner Scholz vom ZVEI ein. „Bei Haushaltsgeräten, die schon lange in Betrieb sind, sollte man sich irgendwann fragen, ob es nicht ökologisch sinnvoller ist, ein neues Gerät anzuschaffen.“ Gerade bei großen Elektrogeräten benötigen die neuesten Produkte oft weniger Energie als ihre Vorgänger.

Schridde empfiehlt, beim Kauf eines Produkts darauf zu achten, ob eine Reparatur überhaupt möglich ist. Ist das Gehäuse eines CD-Players verklebt oder verschraubt? Könnte man es im Notfall einfach aufschrauben? Ist der Akku des Handys herausnehmbar? Auch Rezensionen im Internet helfen bei der Kaufentscheidung.

Geht ein Gerät allzu schnell kaputt, sollte der Kunde auch nach Ablauf der Garantiezeit noch beim Hersteller reklamieren und auf dessen Kulanz hoffen, empfiehlt Seo. Und je mehr Kunden sich wegen des gleichen Makels bei einem Produkt beschweren, desto eher reagiert der Hersteller. (dpa)

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