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DIGITALE ZUKUNFT - Die Möglichkeiten in Zeiten von Internet und Breitband sind groß - und teuer. Wie kann man trotzdem Geld verdienen? Zwei Modelle: T-Online sponsert "heute"-News

Zunächst eine kleine Geschichte vorweg: In einem amerikanischen Städtchen Cashmere im Staat Washington gibt es eine Süßwarenfabrik, die seit Jahren sehr erfolgreich Kaubonbons namens Aplets und Cotlets herstellt. 1997, so berichtete das "Wall Street Journal", forderten die Süßwarenproduzenten, die Straßenschilder und die offiziellen Briefbögen der Stadt sollten die Aufschrift "Cashmere, die Stadt von Aplets und Cotlets" tragen, außerdem sollten die beiden wichtigsten Straßen in Aplet Avenue und Cotlet Avenue umbenannt werden - andernfalls, so die Forderung, würde das Unternehmen in eine andere Stadt siedeln.Auf den ersten Blick scheint diese Geschichte wenig mit dem Start der Kooperation von ZDF und T-Online zu tun zu haben. Im Frühjahr hatten der öffentlich-rechtliche Sender und der führende deutsche Internet-Provider eine Partnerschaft geschlossen: Die Mainzer liefern die Inhalte, sprich die neuesten Nachrichten, T-Online die Technik.Was allerdings Parallelen zu den Plänen des amerikanischen Süßwarenfabrikanten in Cashmere aufkommen lässt, ist der Name: "heute.t-online.de" heißt das neue Angebot. Bereits im Vorfeld war dieser Name vom Verband der privaten Fernsehsender VPRT und dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) kritisiert worden. Dies sei ebenso eine Form von Sponsoring, wie die inzwischen beendete Partnerschaft mit dem US-Unternehmen Microsoft. Und das sei den Öffentlich-Rechtlichen laut Rundfunkstaatsvertrag nicht erlaubt.Aber von diesen Bedenken ließen sich ZDF-Intendant Dieter Stolte und der Chef von T-Online, Thomas Holtrop, nicht die gute Stimmung verderben und gaben am vergangenen Sonnabend den "virtuellen Startschuss" für "heute.t-online.de". Stolte sagte, man wolle das Angebot zur wichtigsten deutschen News-Seite mit Visits im zweistelligen Millionenbereich machen. Bislang rangierte die Website weit hinter Nachrichtenangeboten von "Spiegel Online" oder "Focus Online".Eine 14-köpfige feste Redaktion bestückt das Angebot täglich mit Nachrichten und Hintergrundinformationen. Während der Präsentation auf der IFA haperte es allerdings etwas mit der Aktualität. Das auf Großleinwand projizierte Angebot war noch auf dem Nachrichtenstand des Vorabends. Dem ZDF-Nachrichtenchef Helmut Reitze blieb daher nichts anderes übrig, als die Nachrichten live zu aktualisieren.Das Unternehmen T-Online, das sich nach Angaben von Holtrop immer mehr als "Medienhaus" denn als Servicedienstleister sieht, will von dem guten Image der Nachrichtensendung profitieren. Und die Nachrichtensendung profitiert finanziell. Sechs Millionen Mark jährlich überweist T-Online nach Angaben des ZDF an den Sender. Im Sport nennt man so ein Geschäft Sponsoring. Zwar sind auf der Website keine Werbebanner geschaltet wie auf der Vorgängerseite zdf.msnbc.de, aber die Marke T-Online wird allein dadurch erheblich gestärkt werden, wenn etwa die "heute"-Moderatorin Petra Gerster allabendlich auf die "weiterführenden Angebote auf "heute.t-online.de" hinweist, und der Name der Firma immer wieder eingeblendet wird. Spannend wird zudem zu beobachten sein, wie das ZDF reagiert, wenn etwa dem T-Online-Chef schlechte Geschäftsführung nachgewiesen wird oder anderweitig kritisch über das Unternehmen berichtet werden muss. Nachrichtenchef Reitze wehrt Bedenken ab: "Natürlich berichten wir unabhängig."Auch der ARD hatte T-Online ein Kooperationsangebot vorgelegt, aber mit Hinweis auf die journalistische Glaubwürdigkeit lehnte das Erste ab. Reitze begründet die ZDF-Kooperationsbereitschaft mit finanziellen Zwängen. Das ZDF bekommt 17,6 Millionen Mark bis 2004, die ARD 88 Millionen für ihr Internet-Engagement. Das Verhältnis von T-Online zum ZDF sei mit dem zu vergleichen, das Papierfabrikanten und Verlagshäuser miteinander pflegen, sagt Nachrichtenchef Reitze. Nur dass das Papier weniger störanfällig ist als ein Computernetzwerk. Welche Schwierigkeiten es mit der Technik geben kann, das zeigte sich bereits am Wochenende. Kurz nach dem Start und zeitweise noch am Sonntag war die Domain heute.t-online.de nicht zu erreichen.Neue Partner // Seit Anfang des Jahres gilt ein neuer Rundfunkstaatsvertrag. In dem wird den öffentlich-rechtlichen Sendern verboten, werbefinanzierte Angebote im Internet zu betreiben Deshalb musste das Zweite auch die bestehende Kooperation mit der Microsoft-Tochter MSNBC beenden. Im März hatten T-Online und das ZDF die Kooperation vereinbart.Weitere Informationen: www. heute. t-online. de www. bdzv. de www. vprt. de ZDF ZDF-Intendant Dieter Stolte (r. ) und Telekom-Vorstand Josef Brauner auf der IFA.