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Direktmandat für Christoph Schulze: Eine bundesweite Sensation

Christoph Schulze, BER-Gegner (FW).

Christoph Schulze, BER-Gegner (FW).

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dpa

Christoph Schulze ist der wahre Wahlsieger des Abends im Land Brandenburg. Er holte sich das Direktmandat im Wahlkreis 25. Sein Ergebnis: 27 Prozent. Das ist ein durchschnittliches Ergebnis für einen Vertreter einer großen Partei, aber für einen Mann, der als parteiloser Einzelkandidat für die Freien Wähler antritt, die es landesweit nicht mal auf drei Prozent bringen, ist es eine Sensation. Es ist auch bundesweit eine Besonderheit: Denn seit 1949 ist es noch keinem einzigen Einzelkandidaten gelungen, in einen Landtag einzuziehen.

„Nur drei Vertreter der Vertriebenen schafften es 1949 in den Bundestag“, sagt Schulze am Telefon, als sein Sieg kurz nach 21 Uhr sicher ist. „Doch damals zog die CDU ihre Vertreter zurück, um diesen Erfolg zu ermöglichen.“

Der 49-Jährige erzählt ohne jede Euphorie. „Ich bin viel zu kaputt zum Feiern. Ich habe im Wahlkampf bis zur physischen Erschöpfung gearbeitet.“ Er wird auf den historischen Sieg auch nicht anstoßen. „Ich bin nicht so der Partylöwe. Außerdem vertrage ich gar keinen Alkohol.“

Schulze ist kein Unbekannter: Seit 1990 sitzt der Mann aus Zossen im Landtag und gewann seinen Wahlkreis immer direkt für die SPD. Doch dann kam der Bruch: Er ist ein lautstarker Gegner des Flughafens BER in Schönefeld und kämpft für ein striktes Nachtflugverbot. Sein Wahlkreis „Teltow-Fläming III“ liegt westlich des Flughafens – in der am meisten vom Fluglärm betroffenen Region. Aus Frust über die Flughafenpolitik der SPD stieg er 2011 aus der Fraktion aus und fand als parteiloser Abgeordneter Unterschlupf bei der Grünen-Fraktion.

Nun zieht nicht nur er selbst in den Landtag ein. Wegen seines Direktmandats spielt die Fünf-Prozent-Hürde für die Freien Wähler keine Rolle. Ihre 2,7 Prozent werden voll angerechnet und ergeben drei Sitze im Parlament.

Die Brandenburger Vereinigten Bürgerbewegungen (BVB/Freie Wähler) sind nach eigenen Angaben das Dach für etwa 110 Bürgerinitiativen und lokale Gruppierungen. Sie traten in 43 von 44 Wahlkreise mit eigenen Direktkandidaten an.

„Die Situation, dass die Wahlbürger ein Signal setzen können, gibt es nicht allzu oft“, sagt Schulze. Er sieht seinen Sieg nicht nur als Auftrag der Schönefeld-Gegner, sondern auch als Honorierung seiner Widerborstigkeit. Er bekam neun Prozent mehr als der nächstplatzierte Kandidat, und er schaffte sogar noch drei Prozent mehr, als die SPD als stärkste Partei bei den Zweitstimmen holte.

„Mein Erfolg ist auch eine Botschaft an andere Politiker: Seid mutig, es kann sein, dass der Wähler euren Mut und euer freies Denken belohnt.“

Landesweit ist die SPD der klare Wahlsieger bei den Erststimmen und holt 29 Direktmandate. Das ist ein Plus von zehn Sitzen gegenüber 2009. Die ganz großen Verlierer sind die Linken, die 2009 noch 21 Sitze direkt gewannen, diesmal nur noch vier. Die CDU steigert sich von vier auf zehn direkt gewählte Abgeordnete.

Das landesweit beste Ergebnis erreichte der SPD-Abgeordnete Mike Bischoff mit 55,4 Prozent, gefolgt von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) mit 49,5 Prozent. Das beste Ergebnis für die CDU holte Henryk Wichmann, der vor Jahren durch den Doku-Film „Herr Wichmann von der CDU“ bekannt geworden war, und nun 38 Prozent holte (Uckermark III). Ganz kurz dahinter ging sein Parteichef Michael Schierack durchs Ziel (Cottbus I).

Das knappste Ergebnis gab es im Wahlkreis Barnim II, den die SPD mit genau zwei Stimmen vor den Linken gewann.



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