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Berliner Zeitung | Ein Satz von Otto Schily trifft in Ägypten auf Kritik: Glaube und Verirrung
06. March 2002
http://www.berliner-zeitung.de/16317626
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Ein Satz von Otto Schily trifft in Ägypten auf Kritik: Glaube und Verirrung

KAIRO, 5. März. Es war sicherlich keine besonders glückliche Formulierung, die der deutsche Innenminister da verwandt hat. Vor zehn Tagen sagte Otto Schily auf einer Tagung des SPD-Forums zur Inneren Sicherheit in Dessau, dass es erlaubt sein müsse, "zu sagen, dass der muslimische Glaube eine Verirrung ist". Das, so Schily, müssten auch Muslime ohne gewalttätige Reaktion hinnehmen können.Es dauerte nicht lange, da legte der ägyptische Botschafter in Berlin, Muhammad Al-Urabi, im Auswärtigen Amt offiziellen Protest ein. Die Angelegenheit schlug diplomatische Wellen. Etwas später brachte der Rat der arabischen Botschafter der ägyptischen Tageszeitung Al-Ahram zufolge die Sorge aller arabischen Regierungen zum Ausdruck, "über die provozierenden Äußerungen gegen Muslime, die sich seit dem 11. September immer wieder wiederholen". Der deutsche Botschafter in Kairo, Paul Freiherr von Maltzahn, wurde am vergangenen Wochenende zu einem Gespräch ins ägyptische Außenministerium gebeten. Seitdem versuchen beide Seiten die unangenehme Angelegenheit herunterzuspielen.Maltzahn sagte der "Berliner Zeitung", er habe dem ägyptischen Außenministerium den Kontext geschildert, in dem Schily gesprochen habe. Es habe sich bei den Worten des Innenministers nicht um Äußerungen gehandelt, die gegen den Islam gerichtet seien. Schily habe lediglich von seinem Toleranzbegriff gesprochen und dabei ein Beispiel genannt, führte Maltzahn aus. Der ägyptische Protest, so der deutsche Botschafter, sei womöglich vor dem Hintergrund zu verstehen, dass der Toleranzbegriff im islamischen Kulturkreis anders gesehen werde. Im ägyptischen Außenministerium scheint man sich mit diesen Erklärungen zufrieden zu geben. Man habe die deutsche Antwort zur Kenntnis genommen und heiße sie willkommen, hieß es.


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