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Eine katholische Zeitschrift veröffentlicht Berichte vor allem aus Afrika über Vergewaltigungen und Abtreibungen: Priester und Bischöfe missbrauchen Nonnen sexuell

ROM, 21. März. Eine Reportage der katholischen US-Zeitschrift National Catholic Reporter (NCR) bringt ans Licht, was nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war: Alarmierende Berichte katholischer Ordensschwestern vor allem aus Afrika, die von sexuellem Missbrauch an Nonnen durch Priester und Bischöfe handeln, von Vergewaltigung und Abtreibung. Auch wenn es keine Statistik zu dem Thema gibt, geht aus den Dossiers doch klar hervor, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt. 23 Länder sind aufgelistet, darunter nicht nur afrikanische - auch die USA, Italien und Irland werden genannt.Schwestern als "sichere Ziele" In Afrika tätige Frauenorden haben schon vor Jahren auf das Problem hingewiesen, das sich durch die Aids-Epidemie deutlich zugespitzt hat. In einem kulturellen Kontext, der Männlichkeit mit Nachkommenschaft gleichsetzt, sei die kirchliche Idee der sexuellen Enthaltsamkeit schwer vermittelbar, schreibt der NCR. Seit der Verschärfung der Aids-Epidemie, der bisher in Afrika 17 Millionen Menschen zum Opfer fielen, gelten Schwestern als "sichere Ziele" für Priester, die früher die Dienste von Prostituierten nutzten.1994 verfasste Schwester Maura O Donohue einen Bericht über die bedrängte Lage vieler Nonnen in Afrika, der in Rom dem damaligen Vorsitzenden der Ordens-Kongregation Kardinal Edoardo Martinez Somalo vorgelegt wurde. Die Autorin ist Ärztin und Missionarin. Sie hat als Aids-Koordinatorin für einen Katholischen Hilfsfonds sechs Jahre in Afrika verbracht. "Leidenschaftliche Hilferufe" lokaler Schwesternorden wurden "einfach nicht gehört", schreibt Schwester O Donohue.Ihr Report spart nicht mit detaillierten Erzählungen. So berichtet sie von Priestern, die eine Ordensoberin baten, "Schwestern für sexuelle Dienste zur Verfügung zu stellen". Als die Frau ablehnte, wandten die Männer ein, sie müssten andernfalls im Dorf Frauen finden und könnten sich dort Aids holen. In Malawi erfuhr sie von 29 Schwestern eines Ordens, die von Diözesanpriestern geschwängert worden waren. Die Leiterinnen des Ordens wurden daraufhin entfernt, berichtet O Donohue. Sie hatten versucht, neue Verhaltensregeln auszuarbeiten: Priester sollten nicht über Nacht in Ordenshäusern bleiben, Nonnen sich nicht allein mit Priestern in einem Raum aufhalten.Der Bericht schildert auch das Schicksal einer Muslimin, die Christin und Nonne werden wollte. Als sie von ihrem Pfarrer die nötigen Dokumente erbat, vergewaltigte und schwängerte er sie. Die Frau, die von ihrer Familie wegen der Konversion verstoßen worden war, ging zum Bischof, der den Pfarrer zu zweiwöchigen Exerzitien "verurteilte".O Donohue zitiert in ihrem Bericht einen Generalvikar, der merkwürdige Vorstellungen vom Zölibat als Wurzel des Problems in Afrika sieht. Viele Priester verstünden darunter Ehelosigkeit, nicht aber Kinderlosigkeit und Enthaltsamkeit. Der von O Donohue geschilderte Fall eines Priesters, der die von ihm geschwängerte Nonne zur Abtreibung zwingt, lässt sich daraus allerdings nicht erklären. Der Mann betete anschließend auch noch selbst das Requiem für die Nonne, die den Eingriff nicht überlebte. Der Fall steht nicht allein: Der Bericht zitiert Ärzte von katholischen Spitälern, die von Priestern unter Druck gesetzt wurden, um Abtreibungen an Nonnen vorzunehmen.Schwester Marie McDonald, die 1998 einen Bericht nach Rom schickte, hält die untergeordnete Stellung von Frauen in Gesellschaft und Kirche für eine Ursache des Problems. "Eine Schwester wird dazu erzogen, sich für minderwertig zu halten, sich zu unterwerfen und zu gehorchen", schreibt die Nonne. "Es ist daher verständlich, dass eine Schwester es unmöglich findet, einen Kleriker abzuweisen, der Sex verlangt. " Als besonders schlimm empfinden die betroffenen Schwestern die ungleiche Behandlung der Geschlechter. Während die Schwangere die Kongregation verlassen muss, schreibt O Donohue, kann der Priester seinen Dienst fortsetzen. Die Frauen werden Alleinerziehende oder sind "gezwungen, als zweite oder dritte Frau in einer Familie zu leben".Der Vatikan, der sich gegenüber der US-Zeitschrift nicht äußern wollte, versicherte nach der Publikation, die Sache sei bekannt, man würde auch dagegen vorgehen."Leidenschaftliche Hilferufe wurden einfach nicht gehört. " Schwester Maura O Donohue