15.02.2012

Energiewende: Der unliebsame Solarboom

Von Jakob Schlandt

Politik muss bei der Förderung eingreifen - doch die zuständigen Minister liegen im Clinch. Industriepolitisch ist die Förderung kein Vorteil mehr für Deutschland: 85 Prozent wird aus China importiert.

Spätestens diese Woche wollten sie sich geeinigt haben, wie Sonnenstrom in Zukunft gefördert wird. Doch die beiden Bundesminister Norbert Röttgen (Umwelt, CDU) und Philipp Rösler (Wirtschaft, FDP) sind derart verkracht, dass die Verhandlungen feststecken. Rösler will die Kosten klein halten, indem nur noch eine bestimmte Zahl Anlagen pro Jahr gebaut werden darf. Röttgen dagegen befürchtet, dass die deutsche Solarindustrie abgewürgt werden könnte und akzeptiert keine drastische Förderkürzung.

Das industriepolitische Argument pro Solar hat jedoch an Überzeugungskraft verloren. Etwa 85 Prozent der Solarmodule werden inzwischen importiert, der Großteil aus China. Zudem werden die hohen Belastungen der Privatkunden durch Solarstrom zunehmend kritisiert. Zwar ist Solarstrom in den vergangenen Jahren viel billiger geworden, er ist aber immer noch wesentlich teurer als zum Beispiel Windkraft an Land.

Der teure Solarboom droht jedoch bereits beschlossene Marken zu übersteigen. Im Aktionsplan, der an Brüssel gemeldet wurde, ist zum Beispiel vorgesehen, dass bis 2020 jedes Jahr im Schnitt Anlagen mit gut drei Gigawatt ans Netz gehen sollen. Das ist eine vernünftige Größe. Mit diesem Ziel hatte sich 2010 selbst die Solarlobby zufriedengegeben.

Branchenexperten erwarten jedoch, dass es dieses Jahr wieder zu einem sehr viel höheren Zubau kommen wird. So erwartet Ash Sharma, Chefanalyst von IMS Research, den Neubau von Anlagen mit etwa sechs Gigawatt Leistung, wenn die Politik nicht massiv bei der Förderung eingreift. Das gilt auch bei anderen Analysten als realistische Marke. Einen besonders starken Boom erwarten die Experten, wenn die geplanten Förderkürzungen nicht schon zum 1. April kommen, sondern erst im Juli – denn im Winter wird der Ausbau durch die Witterung begrenzt.

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Auch Röttgen kann ein weiterer Schub beim Solar-Zubau kaum recht sein. Denn er hat versprochen, dass die Öko-Strom-Umlage für die Haushalte nicht wesentlich über 3,5 Cent pro Kilowattstunde steigt. Das würde aber mit einem neuerlich starken Solar-Ausbau, wie ihn die Analysten erwarten, zur Makulatur. Ein vernünftiger Kompromiss der zerstrittenen Minister, der den Solarausbau klar und eng begrenzt, aber nicht völlig abwürgt, wäre also eigentlich im Sinne aller Beteiligten.

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