Sackgasse. Ein Schild am Anfang vom Ende. Ein paar Autominuten von hier hat Feldheim sein Versteck in einer Nische des brandenburgischen Verkehrsnetzes gefunden. Wer es bis dorthin schafft, muss es wollen. Feldheim ist ein Dorf mit weniger Straßen als Buchstaben im Namen, ein Ort ohne Kneipe und wegen der Sackgasse auch einer, der nicht zufällig auf der Durchreise entdeckt werden kann. Die Bewohner hier wollen für sich sein, doch gerade deshalb sind sie es nicht.
„Die Leute kommen vom anderen Ende der Welt hierher“, sagt Werner Frohwitter. Er sitzt in einer kleinen Fertigteilbaracke in der Ortsmitte von Feldheim. Dort, wo es früher einmal den Gasthof „Zur Linde“ gab. Info-Container nennt Frohwitter die Baracke, vor der sein japanischer Hybrid-Dienstwagen einer einsamen Stromtanksäule ihre Daseinsberechtigung vorgaukelt. Die weiße Säule steht da wie ein Pflock, der ins Revier geschlagen wurde. Der Claim ist abgesteckt. Neuland.
Besucheransturm seit Fukushima
Frohwitter trägt ein buntes Halstuch zum lässigen Sakko und eine Schiebermütze. Frohwitter ist kein Feldheimer. Vor ein paar Jahren kam er aus Bremen und arbeitet heute für die ostdeutsche Energiequelle GmbH, die mit einigem Erfolg Öko-Kraftwerke projektiert, errichtet und betreibt. In dem Container erklärt er Besuchern vor großen Postern und Grafiken die Revolution von Feldheim, die mit fünf Windrädern begann und dem örtlichen Kickerverein SV Eintracht Feldheim 81 zu einer eigenen Flutlichtanlage verholfen hat.
Im vergangenen Jahr seien wöchentlich rund 250 Besucher gekommen, sagt Frohwitter. „Zwei Drittel der Besucher reisen aus dem Ausland an. Vor allem seit Fukushima.“ In diesem Jahr werden auf jeden Feldheimer 40 Gäste kommen. Damit ist die südbrandenburgische 148-Seelen-Gemeinde so anziehend wie die Bundeshauptstadt.
Denn in Feldheim, wo in den vergangenen 500 Jahren außer einer überlieferten Stippvisite Martin Luthers und einem Gastspiel Karel Gotts nicht allzu viel passiert zu sein scheint, haben die Bewohner die holprig beginnende Energiewende bereits vor gut einem Jahr vollzogen.
Während im Land endlos über Netzausbau, Solarförderung und Blackout-Gefahr diskutiert wird, hat sich das Dorf aus dem Machtbereich der vier großen Energiekonzerne verabschiedet. Seine Bewohner sind energetische Selbstversorger, die Strom und Wärme aus Wind, Mais und Schweinegülle gewinnen. Sie haben sich ihr eigenes Versorgungsnetz im Dorf gesponnen und seitdem auf Jahre die niedrigsten Energiepreise weit und breit. „Windräder sind nicht schön, aber leichter zu akzeptieren, wenn man etwas von ihnen hat“, sagt der Bürgermeister.

