22.11.2011

Interview: "Mit der Energiewende hapert es"

        

Klaus Töpfer (73) ist Deutschlands renommiertester Umweltexperte.   Der  CDU-Politiker  war von 1987 bis 1998 Bundesumwelt- und Bauminister. Bis  2006 leitete er dann das UN-Umweltprogramm in Nairobi. Im Frühjahr war er Co-Vorsitzender  der   Ethikkommission zum  Atomausstieg.
Klaus Töpfer (73) ist Deutschlands renommiertester Umweltexperte. Der CDU-Politiker war von 1987 bis 1998 Bundesumwelt- und Bauminister. Bis 2006 leitete er dann das UN-Umweltprogramm in Nairobi. Im Frühjahr war er Co-Vorsitzender der Ethikkommission zum Atomausstieg.
Foto: DPA/Felix Heyder

Umweltexperte Klaus Töpfer über Atomausstieg, demokratische Kontrolle, dezentrale Strukturen in der Energieversorgung und eine globale grüne Wirtschaft.

Klaus Töpfer (CDU) warnt davor, dass die Energiewende in Deutschland schiefgehen könnte. „Ganz klar: Was passiert, reicht nicht“, sagt der renommierte Umweltexperte. Töpfer fordert unter anderem einen „Energiewende-Projektmanager“, der den Umbau steuert.

Herr Töpfer, vor einem halben Jahr hat die Ethikkommission Ihren Bericht vorgelegt. Sind Sie stolz darauf, damit acht Atomkraftwerke abgeschaltet zu haben?

Ich habe mir abgewöhnt, auf etwas stolz zu sein. Meine Mutter hat mir beigebracht: Dummheit und Stolz wachsen auf demselben Holz. Wir müssen erst einmal abwarten, wie die Entscheidung zum Atomausstieg und zu der damit gekoppelten Energiewende – zu der unsere Ethikkommission ja nur einen Beitrag geliefert hat – konkret umgesetzt wird. Da muss noch viel geschehen.

Ein bisschen Stolz dürfte schon sein. Vor fast 25 Jahren haben Sie als Bundesumweltminister gesagt: „Wir müssen eine Energieversorgung ohne Atomkraft erfinden.“ Jetzt meinen das alle.

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Sie zu erfinden, war die zentrale Voraussetzung dafür, dass wir jetzt die acht Kernkraftwerke abschalten können, ohne dass die Lichter ausgehen. Ich habe das 1987 gesagt, im Jahr nach der Tschernobyl-Katastrophe. Damals konnten wir die Kernkraftwerke nicht einfach abschalten.

Die Stromkapazitäten hätten schon gereicht.

Aber die Alternative wäre gewesen, viel mehr Kohle zu verbrennen und den Klimaschutz abzuschreiben. Das war keine echte Alternative. Die erneuerbaren Energien steckten noch in den Kinderschuhen. Kein Mensch konnte sich vorstellen, ein großes, exportstarkes Industrieland wie die Bundesrepublik damit zu versorgen. Das ist jetzt anders. Die Ökoenergien sind so weit entwickelt, dass sie den Atomstrom-anteil sukzessive übernehmen können. Ich war etwas daran beteiligt, dass es so weit kommen konnte. Andere, auch die rot-grüne Bundesregierung, haben es fortgeführt. Deutschland ist inzwischen Weltmarktführer in diesen Technologien – eine Erfolgsgeschichte unserer wissenschaftlichen Forschung und für unsere Wirtschaft.

Dass der Atomausstieg bis 2022 jetzt beschlossen wurde, lag aber an Fukushima, nicht an der Weitsicht der schwarz-gelben Bundesregierung. Die hatte ja gerade den Ausstieg aus dem Ausstieg beschlossen.

Das ist richtig. Man kann schon fragen, warum man nicht beim Ausstieg geblieben ist, den Rot-Grün mit den Stromkonzernen ausgehandelt hatte. Nach diesem Plan wäre das letzte Kernkraftwerk Mitte der 2020er Jahre abgeschaltet worden. So mancher in der Stromindustrie wäre froh, wenn die alte Regelung noch gelten würde.

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