16.02.2012

Kredite für Öko-Strom: Genossen finanzieren die Energiewende

Von Bernd Salzmann
        

Photovoltaikanlage  der  Energiegenossenschaft Odenwald auf  der Ex-Mülldeponie im Brombachtal
Photovoltaikanlage der Energiegenossenschaft Odenwald auf der Ex-Mülldeponie im Brombachtal
Foto: EGO
Frankfurt –  

Volks- und Raiffeisenbanken bieten sich Bürgern und Stadtwerken als Partner an. Es gibt schon mehrere Pilotprojekte für Investitionen in erneuerbare Energien.

Der Genossenschaftsverband bringt die Volks- und Raiffeisenbanken als Financiers der Energiewende ins Gespräch. Als dezentral organisierte Kredit-Genossenschaften seien sie der geborene Partner von Energie-Genossenschaften beim Ausbau einer regionalen Energieerzeugung, sagte Verbandspräsident Michael Bockelmann am Mittwoch in Frankfurt. Dabei sollten die Volks- und Raiffeisenbanken in Zukunft eine aktive Rolle spielen. „Sie müssen Initiatoren örtlicher Energieprojekte in Kooperation mit Kommunen und Bürgern sein.“ Das sei gut für die Sache und gut fürs Geschäft.

Dem Verband mit Sitz in Neu-Isenburg bei Frankfurt gehören mehr als 1800 Genossenschaften in 13 Bundesländern mit mehr als vier Millionen Mitgliedern an. Dazu zählen auch 315 Kreditgenossenschaften und fast 130 Energie-Genossenschaften.

Gegengewicht zu Großbanken

Als „Meilenstein“ gilt innerhalb des Verbandes die Gründung der Norddeutschen Energiegemeinschaft: In dieser Genossenschaft haben sich in Mecklenburg-Vorpommern fünf Volks- und Raiffeisenbanken mit dem regionalen Energieunternehmen Wemag zusammengetan − mehr als 600 Bürgerinnen und Bürger sind mittlerweile dazu gestoßen. Gemeinsam fördern sie die Installation von Photovoltaikanlagen. Die ersten sind bereits am Netz.

Den Status eines „Pilotprojekts“ genießt im Verband auch die Mainzer Energiegenossenschaft. In der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz hat sich die Mainzer Volksbank, eine der größten der Republik, mit Schott Solar, der Juwi Holding und den Stadtwerken Mainz verbündet.

Als nächsten Schritt kündigt Bockelmann an, Genossenschaften für den Bau großer Windkraftanlagen zu gründen und zu finanzieren. Bis zu 30 Millionen Euro pro Projekt würden Volks- und Raiffeisenbanken dafür zur Verfügung stellen. Als Kooperationspartner werde die DZ Bank, das Zentralinstitut der Genossenschaftsbanken, auftreten. „Damit kann der Genossenschaftssektor ein dezentrales Gegengewicht zu den Großbanken setzen“, sagte er.

Bereits angelaufen ist die Ausbildung von zertifizierten Energiefachberatern in der verbandseigenen Geno-Akademie. Bereits 30 Volks- und Raiffeisenbanken verfügten über solche Spezialisten. Bald werde es flächendeckend Energieberater bei den Kreditgenossenschaften geben. „Die Bank kann damit nicht nur zum Kooperationspartner für Gewerbekunden und Handwerk werden, sondern auch den zunehmenden Bedarf der Privatkunden decken“, sagte Bockelmann.

Leisten können sich die Volks- und Raiffeisenbanken das zusätzliche Engagement allemal. Die Kundeneinlagen bei den Kreditgenossenschaften im Verbandsgebiet sind zusammen um mehr als 34 Milliarden Euro höher als die ausgereichten Kredite. Das Betriebsergebnis vor Bewertung lag im Jahr 2011 mit mehr als 1,8 Milliarden Euro zwar geringfügig unter dem des Vorjahres, aber über dem langjährigen Durchschnitt.

Frei von Problemen ist allerdings auch der Genossenschaftsverband nicht. Da sich die Volks- und Raiffeisenbanken in der Krise gut geschlagen hätten, wehrten sie sich nun gegen eine allzu strenge und mit Kosten verbundene Regulierung, erläuterte Bockelmann. Auch die demografische Entwicklung bereitet ihm Sorgen. Die Banken müssten sich damit „stärker als bisher“ beschäftigen.

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