Händler sorgten beinahe für einen Kollaps im Netz.
Foto: dapd/Jens-Ulrich Koch
Händler sorgten beinahe für einen Kollaps im Netz.
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Während der jüngsten Kältewelle bringen Stromhändler das Energiesystem beinahe zum Kollaps. Nun machen Experten Vorschläge, wie der Beinahe-Blackout in Zukunft verhindert wird.
Spekulieren, bis das Licht ausgeht: Während der jüngsten Kältewelle brachten Stromhändler das Energiesystem beinahe zum Kollaps, wie die Frankfurter Rundschau am Donnerstag berichtet hatte. Sie hatten den Bedarf ihrer Kunden – entgegen der Vorschriften – systematisch zu niedrig angesetzt und auf Sicherheitsreserven zurückgegriffen, statt den Strom teuer an der Börse zu kaufen. Im Wirtschaftsministerium und der Aufsichtsbehörde Bundesnetzagentur herrscht deshalb Alarmstimmung. Doch will man dort erst einmal abwarten, was eine genaue Untersuchung ergibt. Denn die Stromflüsse werden erst im Nachhinein genau zugeordnet und abgerechnet. Erst dann können mögliche Strafen ausgesprochen werden.
Die zentrale Schwachstelle des Systems ist für Branchenexperten allerdings schon klar zutage getreten: dass es gerade in angespannten Momenten günstiger sein kann, sich auf das Sicherheitsnetz Regelenergie zu verlassen, statt den Strom teuer zu kaufen. Tobias Federico, Chef des Beratungshauses Energy Brainpool, plädiert deshalb als ersten Schritt dafür, den Rückgriff auf die Sicherheitsreserven teurer zu machen. „Es wäre leicht möglich, es so einzurichten, dass die Regelenergie immer mindestens so teuer abgerechnet wird wie die Spotmarktpreise. So gäbe es keinen Anreiz mehr zum Optimieren.“ Die Gewinne aus den im Nachhinein teurer abgerechneten Regelenergiepreisen könnten dann den Stromkunden zugutekommen, die die Regelenergie über die Netzentgelte bezahlen.
Unkonventionelle Energiegewinnung
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Unkonventionelle Energiegewinnung
Erdwärme-Kraftwerke, wie dieses im mecklenburgischen Neustadt-Glewe im Kreis Ludwigslust, das 2003 offiziell ans Netz ging, arbeiten mit unterschiedlichen Methoden. Das Geothermie-Kraftwerk nutzt 97 Grad heißes Tiefenwasser aus der Erdkruste und erzeugt jährlich 1.400 Megawattstunden Strom für bis zu 500 Haushalte.
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Auch sogenannte Biogasanlagen ermöglichen es, alternative Energien zu gewinnen. Eines steht in Schwedt in der neuen Anlage des Betreibers Verbio. Die Biogasanlage nahm im März offiziell ihren Betrieb auf. Die Technik wird schon an vielen Stellen genutzt.
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Hier werden nur Reststoffe verwertet. Die Produktionsstätte ist mit einer bestehenden Anlage des Unternehmens zur Bioethanol-Herstellung gekoppelt. Die Biogasanlage kostete nach Unternehmensangaben rund 40 Millionen Euro. und erzeugt rund 30 Megawatt Strom.
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Zu den unkonventionellen Methoden der Energiegewinnung zählen Aufwindkraftwerke. Ihre gigantischen Ausmaße machen sie für Europa wenig geeignet: Bis zu 1000 Meter hoch und 100 Meter breit müssen sie sein. An ihrem Fuß soll ein fast fünf Kilometer großes Glasfeld die von der Sonne im Boden erzeugte Hitze zum Turm in der Mitte leiten und die dort integrierten Turbinen antreiben.
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Mit dieser Technik können 200 Megawatt Strom pro Turm erzeugt werden. Allerdings wohl eher in unbewohnten Wüstenregionen. Eine Anlage kostet bis zu 800 Millionen Euro.
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Eine der ältesten Formen der Energiegewinnung ist Wasserkraft. Das geht jedoch nicht nur durch Staustufen sondern auch mit Gezeitenkraftwerken wie hier in St. Malo (Archivbild). Ebbe und Flut lassen den Wasserstand um bis zu zehn Meter schwanken. Spitzenleistung liegt bei 240 Megawatt.
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Einen ganz anderen Weg beschreiten Druckluftkraftwerke. Weltweit gibt es erst zwei, eins davon in Huntdorf bei Bremen. Es verfügt über eine Leistung von 321 Megawatt.
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Bei Solnova 1 bündeln Spiegel in Form von Parabolrinnen das Sonnenlicht in einem Rohr und heizen das darin zirkulierende Spezialöl, das sogenannte Wärmeträgermedium, auf. Ein anderer Weg besteht darin, das Sonnenlicht von zahlreichen flachen Spiegeln auf einer kleinen Fläche an der Spitze eines oft mehr als 100 Meter hohen Turmes zu bündeln. Vermutlich werden unterschiedliche Technologien im Rahmen des visionären Projekts Desertec zum Einsatz kommen: Das Projekt sieht vor, Strom solarthermischer Kraftwerke aus Nordafrika nach Europa zu übertragen.
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Alternative Energien sind auf dem Vormarsch. Manche sind gerade erst in der Entwicklung, andere längst eingeführt. FR-online.de zeigt die Möglichkeiten der Technik und die Perspektiven auf. Pumpspeicher-Kraftwerke, wie das Hohenwarte II-Kraftwerk in Thüringen, arbeiten mit Wasser. Das seit 1966 laufende Spitzenlastkraftwerk hat eine Leistung von 320 Megawatt Elektroenergie. Zu Zeiten von geringem Elektroenergieverbrauch wird Wasser von einem Unterbecken in das Oberbecken gepumpt, zu Zeiten mit hohem Energiebedarf strömt das Wasser aus dem Oberbecken wieder in das Unterbecken und treibt dabei Turbinen zur Stromerzeugung an.
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Beim Bundesverband Neuer Energieanbieter (BNE) will man, dass auf jeden Fall „hart durchgegriffen wird“, sagte eine Sprecherin. Händler, die absichtlich falsche Prognosen über den Verbrauch ihrer Kunden stellten, müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Doch danach müsse man das System grundlegend neu organisieren. Der BNE schlägt vor, dass ein Teil der Regelenergie – die Minutenreserve – nicht wie bislang eine Woche im Voraus versteigert, sondern ebenfalls über die Börse gehandelt wird. So gäbe es keine Preisdifferenzen mehr.
Doch es ergeben sich noch weitergehende, grundsätzliche Fragen, so Federico. Denn der immer größere Anteil an stark schwankenden erneuerbaren Energien hat zur Folge, dass schon kleine Fehler in der Prognose, etwa über den Windertrag, für große Ausfälle sorgen. Um die Schwankungen besser einzubeziehen, solle die Regelenergie deshalb kurzfristiger versteigert werden. Eine weitere Überlegung in der Branche: Es könnte nötig sein, den Sicherheitspuffer aufzustocken.
Staat soll Strom bestellen
Laut Federico muss zudem das Grundprinzip der Regelenergie noch ausgeweitet werden. Schon viele Jahre im Voraus sollten Kapazitäten ausgeschrieben werden, die bezahlt werden, auch wenn der Strom gar nicht sicher gebraucht wird. „Das muss zwar von den Stromkunden bezahlt werden, aber angesichts der stark schwankenden erneuerbaren Energien kommen wir gar nicht darum herum. Wir brauchen fossile Kraftwerke, die im Notfall einspringen“, sagt Federico.
Das sieht der BNE genauso: „Eigentlich sind wir dort, wo es geht, für mehr Markt“, so die Sprecherin. „Aber darum, dass der Staat über die Ausschreibung von Reserve-Kapazitäten für Versorgungssicherheit sorgt, kommen wir wohl nicht herum.“ Für die Reservekraftwerke zahlen müssen allerdings die Stromkunden.