09.01.2012

Wechsel des Anbieters: Der verschaukelte Stromkunde

Von Jakob Schlandt
Nicht immer geht der Wechsel des Stromanbieters glatt.
Nicht immer geht der Wechsel des Stromanbieters glatt.
Foto: dapd

Mit einem Stromanbieterwechsel können Kunden nach wie vor viel Geld sparen – sich aber auch jede Menge Ärger einhandeln. Neue Lieferanten sollte man sich sehr genau anschauen.

Für Dieter Stadach ist der Stromanbieterwechsel zu „einer kabarettistischen Lachnummer“ geworden, wie er sagt. Sein Wechsel im September 2009 zu Secura Energie, einer Billig-Tochter des großen Mannheimer Versorgers MVV, brachte ihm nichts als Scherereien ein. Bei Secura gab es in den vergangenen Jahren schwerwiegende Probleme in der Abwicklung, wie auch die Geschäftsführung auf Anfrage einräumt.

Dieter Stadach erhielt zum Beispiel lange Zeit keine Rechnungen von Secura. Zwar behauptet Secura, schließlich doch noch eine Rechnung abgeschickt zu haben, jedoch mit monatelanger Verspätung und erst kurz nachdem die Abschlagszahlungen bereits deutlich erhöht wurden. Verärgert wollte Stadach schließlich im Frühjahr 2011 den Stromanbieter wechseln – doch auch das scheiterte. Im Dickicht des komplizierten Wechselsystems ist nicht mehr nachvollziehbar, ob dafür Secura, die zumindest eine Teilschuld einräumt, der neue Anbieter oder der Netzbetreiber maßgeblich verantwortlich ist. Stadach fühlt sich jedenfalls alleingelassen: „Mit dem korrekt eingeleiteten Wechsel blieb ich auf der Strecke, und es gab keine einzige Instanz, die sich um einen im Sinne des Verbrauchers geregelten Markt kümmerte.“

Sparen durch Wechseln

Prüfen sollte man in jedem Fall, ob der eigene Versorger nicht ein günstigeres Angebot bereithält. In Frankfurt spart ein Vier-Personen-Haushalt (4000
Kilowattstunden Verbrauch pro Jahr)
bei dem Grundversorger Mainova mit dem Tarif Strom Direkt bereits 112,40 Euro pro Jahr im Vergleich zu dem Standard-Tarif.
Mit einem Wechsel kann die Rechnung meist aber noch weiter gesenkt werden. Selbst der günstigste Mainova-Tarif wird derzeit zum Beispiel von 16 Tarifen (ohne Vorkasse) unterboten.
Regional fällt diese Summe zwar sehr unterschiedlich aus, doch 50 bis 100 Euro pro Jahr lassen sich in der Regel im Vergleich zum regionalen Versorger durch einen Wechsel sparen – auch, wenn man auf einen halbwegs seriösen Anbieter Wert legt.
Bei Öko-Tarifen sollte man darauf achten, dass der Strom mit einem gängigen Zertifikat beglaubigt ist (beispielsweise Ok-Power, TÜV-Süd, GrünerStromLabel).

Teldafax-Kunden verloren Geld

Auch die für die Regulierung des Markts zuständige Bundesnetzagentur antwortete erst nach sechs Wochen – mit einem Standardschreiben. Secura verspricht, dass dieses Jahr alles besser wird und die Probleme unter Kontrolle sind. Bei Dieter Stadach hat man sich entschuldigt und will ihm nun einen vorzeitigen Wechsel ermöglichen.

Doch Stadachs Erfahrungen sind kein Einzelfall. In jüngster Zeit häufen sich die Probleme sogar. So musste der große Stromanbieter Teldafax im September Insolvenz anmelden. Zwar müssen Kunden auch in so einem Fall nicht fürchten, dass das Licht ausgeht. Schlimmstenfalls fallen sie in den Standard-Tarif des örtlichen Grundversorgers, der sie dann beliefern muss. Doch viele Teldafax-Kunden haben eine Menge Geld verloren – Vorauszahlungen sind verloren gegangen und der Insolvenzverwalter fordert derzeit Rechnungen ein, obwohl gleichzeitig eine andere Teldafax-Tochter den Kunden noch Geld schuldig ist. Betroffen sind Zehntausende Kunden.

Zuletzt sind große Zweifel am Geschäftsgebaren von Flexstrom aufgetaucht. Über das Berliner Unternehmen mit nach eigenen Angaben 400.000 Stromkunden gingen allein beim Vergleichsportal Verivox mehrere Tausend Beschwerden ein. Die meisten beklagten sich darüber, das der Neukunden-Bonus nicht wie versprochen nach einem Jahr ausgezahlt wurde. Immerhin: Kunden, die Probleme haben, können sich seit November vergangenen Jahres gratis an die neue Schlichtungsstelle Energie wenden. Im Fall Flexstrom gab die Stelle einem Kunden recht – und empfahl dem Unternehmen die Auszahlung des Bonus.

Auf der anderen Seite lässt sich mit einem Stromanbieterwechsel nach wie vor die Rechnung deutlich senken. Zum Jahreswechsel haben 139 der rund 1000 Stromanbieter die Preise im Schnitt um vier Prozent erhöht, in der Branche wird im Frühjahr mit einer weiteren Preisrunde gerechnet – vor allem, weil die staatlichen Abgaben weiter steigen. Lohnend ist es aber in jedem Fall, zu prüfen, ob der eigene Versorger nicht schon ein sehr viel günstigeres Angebot bereithält.

Keine Vorkasse oder Kaution

Doch mit einem Wechsel kann die Rechnung meist noch weiter gesenkt werden. Jürgen Scheurer, Sprecher des Vergleichsportals Verivox: „Es gibt zahlreiche seriöse Angebote, mit denen Verbraucher viel Geld im Vergleich zum örtlichen Versorger sparen können.“ Doch wie ist ein seriöses Angebot als solches zu erkennen? Sicherer fahren Kunden in jedem Fall schon, wenn sie der Empfehlungen der Verbraucherzentralen folgen. So sollte man keine Vorkasse und keine Kaution bezahlen. Denn dieses Geld kann im Fall einer Insolvenz – wie bei Teldafax – verloren sein. Hinzu kommt, dass es oft noch Ärger um die bereits bezahlte Rechnung gibt. Zweitens sollte die Tarifstruktur genau unter die Lupe genommen werden. Ist der Tarif nur deshalb so günstig, weil es einen gewaltigen Bonus für das erste Jahr gibt? Dann muss dem Neukunden klar sein, dass es im zweiten Jahr auf jeden Fall sehr viel teurer wird. Nicht jeder hat Lust, ein Jahr später schon wieder einen Anbieterwechsel in die Wege zu leiten.

Drittens gilt es, die Seriosität des Anbieters zumindest grob auch selbst unter die Lupe zu nehmen. Ein kurzer Blick auf die Unternehmens-Webseite zeigt zum Beispiel, wie lange die Firma schon am Markt ist. Einen guten Anhaltspunkt bieten auch die Kundenbewertungen bei Vergleichsportalen wie Check24 und Verivox, möglicherweise auch auf anderen Bewertungsportalen wie ciao.de. Eine gewisse Fehlerquote ist akzeptabel. Kommt die Belieferung nicht zustande, kann das zum Beispiel auch am Netzbetreiber oder am Vorlieferanten liegen. Beschweren sich aber viele Kunden über falsche Rechnungen oder ist der Kundendienst nie erreichbar, ist Vorsicht geboten.

Schließlich bleibt noch die Frage, ob es ein etablierter, reiner Ökostromanbieter sein soll (wie Greenpeace Energy, EWS Schönau, Naturstrom und Lichtblick) oder zumindest ein Öko-Tarif. Bei letzterem ist es ratsam zu überprüfen, ob die Grünstromlieferung tatsächlich mit einem gängigen Zertifikat beglaubigt ist (zum Beispiel Ok-Power, TÜV-Süd, GrünerStromLabel).

Der Rest ist Formsache: Den gewünschten neuen Anbieter sollte man entweder selbst oder über ein Tarifportal mit der Belieferung beauftragen. Beachten sollte man dabei die Kündigungsfristen beim eigenen Lieferanten. Achtung: Es ist in der Regel unklug, selbst bei seinem Anbieter zu kündigen. Das sollte der neue Lieferant übernehmen. Bei einer Eigenkündigung besteht die Gefahr einer Lieferunterbrechung. Das kann viel Ärger und zusätzliche Kosten verursachen.

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