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Ex-Sänger Cat Stevens preist den Propheten auf einer CD: "Ich spreche jetzt mit dem ganzen Islam in mir"

Vor knapp zwanzig Jahren konvertierte der englische Musikstar Cat Stevens, bekannt durch so schöne Popschnulzen wie "Morning has broken" oder "Father and son", zum Islam. Er ist nicht der erste Künstler, der solchen Sinneswandel zeigt, jedoch einer der radikaleren Art. Seitdem nennt Cat Stevens sich Yusuf Islam und hat sich als aktives Mitglied in der englischen Muslim-Gemeinde eigentlich vom Musikgeschäft verabschiedet. Doch meldet er sich jetzt auf dem Markt zurück - mit seiner CD "The life of the last prophet". Die beschäftigt sich, wie der Name sagt, mit der Lebensgeschichte des Propheten, gesungen auf arabisch. Der ehemalige Pop-Sänger wirbt für diese CD derzeit bei einer Tour durch deutsche Städte. Nach seinem Auftritt in der Berliner Technischen Universität traf ihn Diana Zimmermann.Berliner Zeitung: Herr Islam, was hat Sie dazu bewogen, nach zwanzig Jahren des Schweigens, jetzt diese CD auf dem Plattenmarkt zu präsentieren?Yusuf Islam: Die Informationen über den Islam sind rar gestreut und oft von sehr schlechter Qualität. Dies möchte ich ändern.Aber widerspricht es nicht Ihrer Überzeugung, von früherem Ruhm zu profitieren?Nein, denn ich glaube, daß auch meine Lieder auf dem Weg zum Glauben entstanden sind, daß sie Etappen auf diesem Weg anzeigen.Sie hatten damals der Musik von einem Tag auf den anderen abgeschworen, Ihren ganzen Lebensstil radikal verändert. Fiel Ihnen das nicht schwer?Nein, denn ich hatte das Gefühl, die ersten 23 Jahre meines Lebens wie im Schlaf verbracht zu haben. Die ganze synthetische Welt um mich herum schien mir so nichtig, daß es gar nicht schwer war, mich davon zu verabschieden.Sie sind aber in einer vollkommen anderen Gesellschaft aufgewachsen. So wird der Frau im Islam eine ganz andere Stellung zugewiesen. Das konnten Sie so einfach akzeptieren?Wissen Sie, die westlichen Frauen meinen immer, sie seien freier als die islamischen Frauen. Wahr ist doch, daß Frauen in jeder Gesellschaft schon immer unterdrückt wurden. Hier im Westen werden Frauen bekanntlich geschlagen, vergewaltigt und umgebracht, die Männer trinken - wo bleibt denn da die Freiheit der Frau?Dem Verhalten Mohammeds folgend geben Sie Frauen nicht einmal die Hand.Ein Detail, über das sich viel zu sehr aufgeregt wird. Meine Frau bat mich darum, diese Regel zu berücksichtigen. Sie wurde wütend, wenn ich anderen Frauen die Hand gab.Aber Sie verstehen doch auch, daß Frauen sich dadurch diskriminiert fühlen können?Ja, schon, aber Frauen sind generell sehr sensibel.Sie haben fünf Kinder. Wie würden Sie reagieren, wenn Ihre Töchter Männern außerhalb der Familie die Hand geben wollten?Das würden sie nie tun. Sie sind schon immer dem Vorbild ihrer Mutter gefolgt.Ist es richtig, daß Sie den Mordaufruf gegen den Schriftsteller Salman Rushdie unterstützen?Darüber möchte ich nicht reden. Ich weiß wirklich nicht, warum dieses Thema von der Presse so breitgetreten worden ist, wenn nicht, um das allgemeine Vorurteil von der Gewalttätigkeit des Islam zu fördern.Unterstützen Sie es denn generell, daß jemand für seine politischen oder religiösen Ansichten mit dem Tode bestraft wird?Wenn jemand einen kriminellen Akt begeht, so wird er dafür in jeder Gesellschaft bestraft. Wenn Sie stehlen oder Graffiti an die Wände sprühen, gibt es Gesetze, die die Interessen der Mehrheit schützen.Ich sprach von der Todesstrafe für eine geäußerte Meinung.Niemand wird im Islam dafür bestraft, daß er sagt, er glaubt nicht. Gut, dann glaubt er eben nicht. Wenn jemand aber Blasphemie betreibt, dann bedeutet das, daß er kein einziges Gesetz mehr achtet, und dann muß er dementsprechend bestraft werden. Schon bei Jesus stand auf Gotteslästerung Steinigung.Gibt es keine anderen Methoden als den Aufruf zum Mord?Meine Antwort auf Rushdies Text ist meine CD, die klarmachen soll, daß es eine andere Form gibt, den Koran zu lesen.Sie beklagen das Vorurteil von der Gewalttätigkeit des Islam. Warum nehmen Sie dann nicht deutlich Abstand von blutigen Racheaufrufen und fundamentalistischen Positionen?Ich befinde mich zwischen den Radikalen und den Gemäßigten. Der Prophet betont selbst immer die Vorzüge des Mittelweges.Sie betonen, daß Sie Ihre Entwicklung als Weg der Vervollkommnung begreifen. Warum gestehen Sie andern nicht ebenso ihren eigenen Weg zu?Ich spreche jetzt nicht mehr als einzelner Mensch, sondern mit dem ganzen Islam hinter mir. In der westlichen Gesellschaft haben die Menschen die Regeln verlassen, die ihnen vorgegeben worden waren. Deswegen sieht man jetzt so viel Kriminalität, so viel abweichendes Verhalten. Überall gibt es Frauen, die arbeiten, und Männer, die zu Hause bleiben, die Männer verweiblichen, die Frauen vermännlichen, überall gibt es Schwule und Lesben Heißt das, Sie sehen Homosexualität als Ausdruck von Werteverlust?Es ist eine Sünde.Eine deutliche Aussage für jemand, der sich selbst zwischen den Radikalen und den Gemäßigten ansiedelt. Und wie stehen Sie als Moslem zu anderen Religionen?Wenn alle Menschen streng nach Christentum, Judaismus, Buddhismus und Islam leben würden, hätten wir sehr viel weniger Probleme auf dieser Welt. +++