iPad und E-Paper

„Buggy-Neid“: Mutter reicht's – warum muss es immer der teuerste Kinderwagen sein?

Kinderwagen sollen einfach nur Babys durch die Gegend kutschieren und gut? Wer im Elternkosmos unterwegs ist, weiß, dass das nur die halbe Wahrheit ist. Denn für viele Mütter und Väter ist das Gefährt ein echtes Statussymbol. Manchmal scheint es wirklich zu sein wie beim (großen) Auto: Was man fährt, zeigt, was man ist – oder sein möchte. Oft zu einem hohen Preis, im wahrsten Sinne des Wortes.

Das musste auch die 24-jährige Engländerin Gylisa Jayne erleben. In einem aufgebrachten Facebook-Post teilt sie ihren Unmut über den „Kinderwagen-Neid“ mit, den schrägen Wettstreit um das hipste, angesagteste Modell. „Kinderwagen waren mir immer egal. Bis ich in die Welt des Kinderwagen-Snobismus eingeführt wurde“, schreibt sie, „offensichtlich ist es sehr wichtig, in was man sein Kind bettet“.

Kinderwagen kostet mehr als ein gebrauchtes Auto

Aufgefallen sei ihr das zunächst, als ihr Mann Ryan während ihrer ersten Schwangerschaft unterwegs immer die Kinderwagen anderer Familien ganz genau gemustert habe. Und Leute anfingen, mit Buggy-Markennamen und Bewertungen um sich zu werfen. Besitze man ein wenig beachtetes Modell, wirke es gleich so als sei man eine schlechte Mutter: „Wenn man wie ich einen alten Kinderwagen mit quietschenden Reifen herumschiebt, denken die Leute, dass man seine Kinder vernachlässigt“, sagte die Mutter bei itv.

Beim Besuch im Babygeschäft sei sie schockiert gewesen, wie viel so ein Kinderwagen dann tatsächlich kostet. Für ein cooles Modell müsse man einiges hinblättern. „Entweder ist jeder um mich herum viel reicher", schreibt sie in ihrem Post, „oder es ist einfach normal, dass man für den Kinderwagen mehr zahlt, als wir jemals für ein verdammtes Auto ausgegeben haben.“

Kinderwagen haben keine Sonderfunktion

Sie frage sich schon, warum das so sein muss. Schließlich hätten teure Wagen ja keine Sonderfunktion: „Ich habe die Bedienungsanleitung gecheckt, aber selbst die extravagantesten Wägen für 1000 Pfund können weder Windeln wechseln, noch selbst fahren oder als Erbstück dienen. Scheiße, was soll das denn dann?“

Ein Jahr später, so erzählt Gylisa Jayne weiter, hätten sie einen zweiten Kinderwagen gebraucht und tatsächlich einen neuen gekauft, auch wenn es nur der für 40 Pfund bei Aldi war. „Ich habe mich gefreut, nun auch endlich dem 'Club der neuen Kinderwägen' beizutreten.“ Lange habe die Freude daran aber nicht gehalten. „Was einem nämlich keiner sagt ist: Du kannst den Ferrari-mäßigsten Super-Kinderwagen haben, für den du sogar einen Kredit aufnehmen musst – doch wollen die Kids überhaupt noch drin sitzen, sobald sie laufen können? Den Teufel wollen sie das.“ (iwo)