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„Mein Kind hat deine Läuse“: Wenn Eltern sich in Rage mailen

Autorin Isabel Völker

Autorin Isabel Völker

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privat

„Dieser Lehrer verängstigt unsere Kinder. Was tun wir?“ – „Gute Nachrichten im Tintenroller-Streit!“ – „Wir haben Nissen. Saudoof!“ Eltern von heute teilen sich gerne mit, mischen sich ein und tauschen sich ständig aus. Abends wird in Kita-Foren und Mailverteilern erhitzt über Vorfälle, Ideen und Probleme diskutiert. Da führt der Kita-Garten zu Grundsatzdebatten, eine Rangelei unter Buben wird zum Eltern-Krieg und die Frage nach einem neuen Duschkopf zum absurden Chat-Geplänkel. Immer ist klar: Wenn es das Kind betrifft, ist nichts unwichtig, das muss diskutiert werden!

Isabel Völker hat in ihrem Buch „Mein Kind hat deine Läuse“ skurrile Eltern-Korrespondenzen gesammelt - emotional, seltsam, verstörend, aber vor allem sehr komisch. Ein Gespräch mit der Autorin.

Was hat es mit der Läuse-Geschichte auf sich?

Isabel Völker: Das Thema Läuse ist tatsächlich eins, das immer wieder kam. Offensichtlich sind Läuse bei kleinen Kindern ein Thema. Lustig ist, wie die Eltern damit umgehen. Eine Mutter schlug vor, um die Läuseplage einzudämmen, solle es morgens vor der Kita einen Elterndienst geben, der die Kinder nach Läusen absucht. Andere Eltern haben daraufhin gewettert, sie hätten keine Zeit und es ginge ja gar nicht, dass andere Leute dem Kind auf den Kopf gucken. Das fand ich das Lustigste in der ganzen Läuse-Debatte.

Wie kamen Sie darauf, ein Buch zum Thema Eltern-Austausch zu machen? Ist vieles selbst erlebt?

Nein, ich habe das nicht selbst erlebt. Die Idee entstand, als ich mit einer Freundin unterwegs war. Sonntags. Sie bekam ständig Mails auf ihr Handy. Es ging um Läuse. Die Freundin erzählte mir, dass schon seit etlichen Wochen eine Debatte über die Läuse tobt. Bekannte mit Kindern haben mir dann auch erzählt, dass da ganz schön was abgeht. So habe ich angefangen zu sammeln.

Haben Sie sich beim Sammeln eher köstlich amüsiert oder waren Sie geschockt?

Ich musste schon sehr oft lachen und schmunzeln. Und natürlich habe ich manchmal auch den Kopf geschüttelt. Vielleicht ein bisschen mehr Lachen als Kopfschütteln.

Ewige Debatten per Mail und Chat über Kita-Raufereien oder Bio-Kisten – ist das typisch für heutige Eltern?

Isabel Völker: Ja, ich glaube schon. Sie sagen sich nicht: Ach, die Kita wird das schon in den Griff kriegen, wir lassen die mal machen, sondern sie wollen sich unbedingt selbst einbringen. Und natürlich wollen viele den anderen Eltern auch die Botschaft senden: Wir sind engagiert – macht ihr gefälligst auch mal was. Also wird gemailt, was das Zeug hält.

Man hat den Eindruck, in den Mails wird es immer ziemlich schnell persönlich, oft auch ausfallend und sogar böse. Woran liegt das?

Ich denke, das liegt zum einen am Medium, also am Mailen. Wenn man sich gegenübersteht, fällt es erst einmal schwerer, Kritik zu üben. Das kennt jeder. Versteckt man sich hinter seinem Computer, ist so eine Mail schnell geschrieben. Keiner sieht einen, da kann man so richtig auf die Pauke hauen.

Sind Eltern dennoch besonders unsicher und extrem schnell beleidigt?

Jedenfalls kommt es in manchen Konversationen vor, dass sich die Mütter und Väter persönlich angegriffen fühlen, obwohl es doch zum Beispiel eigentlich nur um ein Geschenk für die Kita-Leiterin geht. Es geht vordergründig um etwas Banales, doch dann entzündet sich daran eine sehr persönlich geführte Debatte, man beleidigt sich.

Kommunizieren Väter anders als Mütter?

Ich glaube nicht. Diese Besserwisserei, den anderen Eltern nochmal schnell zu sagen, wie schlau und engagiert man selbst ist, das machen Mütter wie Väter. Wie beim Thema Badeausflug, da kommt es einem Vater und nicht einer Mutter drauf an, allen mitzuteilen, dass er die Lage gecheckt hat und es an besagtem See eine Epidemie gab – obwohl ja Mütter immer noch als besorgter gelten.

Nehmen Väter nicht auch ein bisschen das Feuer aus der Konversation?

Das kommt schon mal vor. Bei der Diskussion über den Badeausflug stimmt es: Da schreibt ein Vater, dem die Mailerei zu doof geworden ist, an alle: „Übrigens: Am Wasser kann man nass werden“. Dann ist erst mal Ruhe.

Kann man dem Kommunikations-Wahnsinn überhaupt entkommen? Lesen Sie weiter auf der nächsten Seite.

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