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Film

„Twilight – Biss zum Ende der Nacht 2“: Das versöhnliche Ende der „Twilight“-Saga

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Die vier bisherigen Filme der Teenie-Abzocke „Twilight“ waren blutleer, verklemmt und Angst hatte man nur vor ihrer Länge. Das Finale „Breaking Dawn 2“ ist immerhin hübsch anzusehen und der erträglichste Teil, weil er sich nicht mehr so ernst nimmt.

Es waren wirklich die grusligsten Vampirfilme aller Zeiten: Die bislang vier Teile von „Twilight“ waren blutleer, sie waren verklemmt, und Angst hatte man nur vor ihrer Länge. In Stephenie Meyers Romanen „Bis(s) zum Morgengrauen / zur Mittagstunde / zum Abendrot / zum Ende der Nacht“ fliehen kleinstkarierte Vorstellungen vom Glück in ein aufgeblasenes Fantasiereich: Um ihre in jeder Hinsicht durchschnittliche Heldin Bella balgen sich nicht nur zwei einfache Männer namens Edward und Jacob – die Nebenbuhler sind Fabelwesen populärer Mythologie, ein Vampir und ein Werwolf.

Jeder Kuss ruft hier gleich den Protest ganzer Sippen auf den Plan. Am Ende von „Twilight – Breaking Dawn Teil 2“, dem Abschluss des Ganzen, treffen sich Vampire aus der ganzen Welt und aus 3000 Jahren Geschichte zum Krieg. Und das nur, weil Bella ein Kind von Edward bekommen hat!


Sind das die Hoffnungen frustrierter Hausfrauen und solcher, die es werden wollen? Dass ihre auf einen Posterboy gerichteten Emotionen so wichtig sind, dass sie eine weltweite Beunruhigung auslösen? Dieser monströs einseitige Bezug auf die eigene Empfindung lässt nicht einmal einen Konflikt zu, in dem andere Menschen mit Recht ein Ziel verfolgen: Bella hat sich ja von vornherein für Edward entschieden, Jacob hatte nie eine Chance, und Bellas Vater hat auch nichts zu melden.

Gegenkräfte werden nicht aus dem Kern der Personenkonstellation entwickelt, sondern von außen herangeholt: Etwa aus Italien, wo ein lächerlicher Vampir-Geheimbund ebenso lächerliche Vampir-Geheimnisse bewahren will und daher der Verbindung von Mensch und Blutsauger skeptisch gegenübersteht.

Beeindruckender Einstieg: Bella als Vampir

Nun hat das alles ein Ende, und verblüffenderweise gar kein so schlechtes. Der fünfte Film, wie der vierte von Bill Condon inszeniert, beginnt mit einer rundum beeindruckenden Sequenz. Wir erinnern uns: Im letzten Teil brachte Bella ein Kind zur Welt und wäre fast daran gestorben, hätte Edward sie nicht durch einen beherzten Biss gerettet. Bella ist nun ein Vampir – und das muss herrlich sein. Am Anfang von „Breaking Dawn Teil 2“ schlägt Bella die Augen auf, wunderbar rotweinrote Augen, und spürt neue Kräfte in ihrem Leib.

Sie drückt Edward an sich, dass es ihm den Atem verschlägt. Dann rennt sie los durch die Wälder, Edward kann sie gerade noch einholen und anhalten. Er fordert sie auf, zu lauschen: Eichhörnchen knabbern, Insekten krabbeln, Tautropfen fallen – nichts in diesen verklemmt-fickrigen Filmen war je sinnlicher als die Bilder vom geschärften Sensorium der neugeborenen Bella Swan, und Kristen Stewart wirkt in diesen Momenten wie befreit von der Festlegung ihrer Rolle auf den unterwürfigen Blaustrumpf.

Gegen Edwards Mahnung, sie müsse ihren Durst beherrschen lernen und sich auf das Aussaugen von Tieren beschränken, begehrt Bella auf und versucht als Erstes, sich einen über Kilometer gewitterten Freeclimber von der Felswand zu pflücken – bis sie sich doch noch eines Besseren besinnt und stattdessen einen Puma reißt.

Produkthaftigkeit der Teenie-Abzocke

Bill Condon hat das Glück, mit den Teilen vier und fünf die saftigsten Abschnitte der „Twilight“-Saga verfilmen zu dürfen. Und er hat begriffen, dass es nicht darum gehen kann, irgendeinen menschlichen Gehalt in dieser Geschichte zu finden, sondern die Produkthaftigkeit dieser Teenie-Abzocke drastisch herauszukehren.

Der Kern der Handlung ist ein substanzloser Konflikt nach Meyer-Art: Die italienischen Obervampire glauben, dass Edward und Bella ihr Kind durch Biss zu einem Vampir gemacht haben, was aber nach Vampirstrafgesetzbuch streng verboten ist. Angesichts der übersinnlichen Vernetzung der Vampire könnten sie es besser wissen, aber ohne äußerste Strapazierung der Logik bestünde der Film nur noch aus jenem dekorativen Herumsitzen in edlen Villen, das Edwards Familie so meisterhaft beherrscht. Nun steht also ein Vernichtungskrieg der Volturi bevor, und Edward sammelt Verbündete auf der ganzen Welt, um sich zu verteidigen, und sogar die Werwölfe helfen mit.

Ansehnliche Splattermomente zum Schluss

Das alles hakt der Film rasch ab, um sich dann ganz auf diese letzte Schlacht zu konzentrieren, die der Roman gar nicht vorgesehen hat, und deren ansehnliche Splattermomente mit einem amüsanten, hier nicht zu verratenden Taschenspielertrick zurückgenommen werden.

Condon widmet sich den Schauwerten und scheint damit das künstlerisch anspruchsloseste Programm aller „Twilight“-Regisseure zu verfolgen. Catherine Hardwicke inszenierte den ersten Teil als ein romantisches Coming-of-age-Drama, Chris Weitz den zweiten als kleinkarierte Menschelei und David Slade den dritten als Horrorfilm. Doch angesichts der Substanzarmut der Vorlage und ihrer unergiebigen Konfliktstellungen strampelten die Filme nach kurzer Zeit in der Luft.

Condon dagegen hat erkannt, dass es in „Twilight“ am Ende nur um ein paar simple Wahrheiten geht: Lieber schön als hässlich, lieber stark als schwach, lieber reich als arm. Das wird uns in den schönen Bildern vorgeführt – allzu schönen Bildern. Denn verdaulich sind diese Botschaften nur, wenn man sie durch Übersteuerung ironisiert. „Breaking Dawn Teil 2“ ist der erträglichste Teil, weil er sich nicht mehr ernst nimmt.

Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht Teil 2 USA 2012, Regie: Bill Condon, Drehbuch: Melissa Rosenberg nach Stephenie Meyer; mit: Robert Pattinson, Kristen Stewart, Taylor Lautner, Nikki Reed u. a., 115 Min., FSK ab 12

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