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Neuer Film mit Keira Knightley: Die Welt geht unter - und nun?

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Keira Knightley Steve Carell in der Weltuntergangs-Komödie Auf der suchen nach einem Freund für das Ende der Welt.
Keira Knightley Steve Carell in der Weltuntergangs-Komödie "Auf der suchen nach einem Freund für das Ende der Welt".
Foto: dpa

Im Film „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“ mit Keira Knightley steht das Ende der Welt kurz bevor. Regisseurin Lorene Scafaria versucht, der Schwere des Themas mit den Mitteln der Komödie zu begegnen.

In drei Wochen ist Schluss. Dann schlägt der Asteroid Matilda ein, 112 km im Durchmesser, und das überlebt keiner auf dieser schönen Erde! Und nun? Was anfangen mit der restlichen Zeit? Richtig leben? Dodges Frau springt aus dem Auto und verschwindet in der Nacht; offenbar hat sie noch was Besseres vor, als den Rest ihres Lebens mit dem drögen Pullunderträger auf dem Fahrersitz rumzuhängen. Dodge ist nun allein, auch auf jener Party, auf der alle enthemmt übereinander herfallen: „Die haben keine Angst vor Schwangerschaften oder Krankheiten, die machen einfach alles“, schwärmt ein Bekannter. Andere bringen sich einfach um. Dodge könnte noch richtig Karriere machen in seiner Versicherungsfirma, durch Sprung vom Dach sind plötzlich ein paar interessante Posten frei geworden.

Mit dem doppelten Zeithorizont unseres Alltags ist das Leben ziemlich weise eingerichtet: Einerseits weiß man um die Endlichkeit des Lebens, wenn auch nicht, wann das Ende kommt; andererseits kann man davon ausgehen, dass die Welt sich auch nach dem eigenen Ende weiterdreht. Wenn das alles wegbricht, bricht auch jeglicher Sinn weg.

Lorene Scafaria weiß in ihrem Regiedebüt „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“ von Anfang an unaufdringlich ein Gefühl für diese besondere Situation zu vermitteln. Unaufdringlich, weil sie sich für das apokalyptische Spektakel nicht interessiert und es nur als fernes Brummen in ihren Film hineinlässt. Sie schaut lieber den Menschen zu und versucht, der Schwere des Themas mit den Mitteln der Komödie zu begegnen. Plötzlich hockt vor Dodges Fenster eine junge Frau, Penny, und heult, weil sie den letzten Flug zu ihren Eltern verpasst hat. Die beiden tun sich zusammen und brechen auf. Dodge will die große Liebe seines Lebens noch einmal wiedersehen und Penny zu jemandem bringen, der ein Flugzeug hat.

Film wird nicht spannender

Hier löst die offenere Dramaturgie des Road Movies die der Komödie ab – nicht zum besten der Geschichte. Trotz der ablaufenden Zeit wird der Film nicht spannender. Die Stationen, an denen Dodge und Penny vorbeikommen, gewinnen dem bevorstehenden Weltuntergang und seiner Wirkung auf die Gesellschaft kaum neue Perspektiven ab. Der Versuch eines ehemaligen Soldaten, den Asteroideneinschlag mit einigen Kameraden in einem Bunker zu überleben, bleibt erstaunlich blass. Wenn Dodge und Penny in einem Diner erneut in eine Orgiensituation geraten, nimmt man das sogar als unerquickliche Wiederholung jener freizügigen Party vom Anfang wahr.

Auch die Entwicklung des Verhältnisses von Dodge und Penny wirkt ungelenk. Die beiden passen zunächst nicht gut zusammen, Penny ist wesentlich jünger und lebendiger, während Dodge als ruhebedürftiger Softie ohne markante Eigenschaften auftritt, der nur wenig Identifikationspotenzial bietet – man kann es seiner Frau schwer verübeln, dass sie ihn verlässt. Und dass es irgendwo in der Ferne eine Frau geben soll, die sich nicht nur an ihn erinnert (erstaunlich genug), sondern ihn noch immer liebt, ist schwer vorstellbar.

Nicht einmal der Umstand, dass Penny von Keira Knightley gespielt wird, bringt Dodges Blut messbar in Wallung – wer versteht dies? Steve Carell hat seine Darstellung des unauffälligen Verlierers seit „Jungfrau, 40, männlich, sucht“ bis zum Verschwinden auf der Leinwand perfektioniert. Dass er und Keira Knightley einander bis zum höchst vorhersehbaren Schluss näher kommen, kann man sich wirklich nur mit den Besonderheiten der Situation erklären – damit, dass eine Beziehung und ihre spezifischen Probleme am Ende der Tage keine Rolle mehr spielen.

Was andererseits auch wieder rührend ist. Es zeigt, dass, entgegen den Vorstellungen von der seelischen Verwandtschaft und der Vorbestimmung, die Umstände einen großen Anteil zur Entstehung menschlicher Anziehung und Nähe beitragen. Und das ist am Ende, erst recht am allerletzten Ende, wichtiger als das Idol in der Ferne, zu dem Dodge aufgebrochen ist.

Auf der Suche nach einem Freund für das Ende der Welt USA u.a. 2012. Buch & Regie: Lorene Scafaria, Kamera: Tim Orr; 101 Minuten, Farbe. FSK ab 12.

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