Nach Angriffen des griechischen Präsidenten Karolos Papoulias auf Finanzminister Wolfgang Schäuble wird in der Union die Zustimmung zum nächsten Griechenland-Paket infrage gestellt. Der Chef der CDU-Mittelstandsgruppe im Bundestag, Christian von Stetten, sagte dieser Zeitung: „Die Beleidigung von Wolfgang Schäuble durch den griechischen Präsidenten ist nicht akzeptabel und wird auf das Abstimmungsverhalten einzelner Abgeordneter Auswirkungen haben.“
Schäuble habe die Skeptiker am ehesten von der Notwendigkeit der Griechenland-Hilfe überzeugen können. „Wenn sogar die, die Schäuble verteidigt, ihn jetzt angreifen, bestätigt das alle, die die Hilfspläne für den falschen Weg halten“, sagte von Stetten weiter. Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach pflichtete bei: „Das ist ein neuer negativer Höhepunkt der Kritik an Deutschland.“
Schäffler: EU-Politik ist oberlehrerhaft
Papoulias hatte Schäuble vorgeworfen, Griechenland zu verhöhnen. Der Vorwurf ging auch an Finnland und die Niederlande. Der deutsche Finanzminister hatte den Griechen nahegelegt, ihre Wahlen zu verschieben, um nicht durch einen Regierungswechsel den Sparkurs zu gefährden.
Verständnis für den Präsidenten kam vom Euro-Skeptiker Frank Schäffler (FDP). Die EU-Politik der letzten zwei Jahre sei sehr oberlehrerhaft gewesen, sagte er N24. Athanasios Syrianos, Mitglied der deutsch-griechischen Industrie- und Handelskammer, beklagte den scharfen Ton Schäubles.
„Wenn er sich so äußert, stärkt er nur den Widerstand in Griechenland gegen den Spar-und Reformkurs“, sagte der Brauerei-Besitzer der FR. Den griechischen Medien warf er „nationalistische Stimmungsmache“ vor. In Medien und auf Demonstrationen waren wiederholt Abbildungen von Kanzlerin Angela Merkel in Nazi-Uniform zu sehen.

