09.02.2012

Hypotheken und Schuldenkrise: USA vergleichen sich für 25 Milliarden mit Großbanken

Hilfe für Hausbesitzer: Die USA haben einen 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich mit den fünf größten Kreditinstituten des Landes geschlossen. Foto: John Mabanglo
Hilfe für Hausbesitzer: Die USA haben einen 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich mit den fünf größten Kreditinstituten des Landes geschlossen. Foto: John Mabanglo
Washington –  

Im Streit über Zwangsräumungen von Häusern überschuldeter Familien haben sich die US-Regierung und Finanzwirtschaft auf einen milliardenschweren Vergleich geeinigt. Der Crash der Immobilienkredite in USA war Startsignal für die Finanzkrise. Vom Vergleich mit den Großbanken sollen jetzt die Häuslebauer profitieren.

Millionen von überschuldeten Hausbesitzern in den USA können auf eine Verringerung ihrer Kreditlast hoffen. Die US-Regierung einigte sich am Donnerstag mit fünf Großbanken auf einen 25 Milliarden Dollar (18,8 Milliarden Euro) schweren Vergleich, wonach von der Zwangsversteigerung bedrohten Hauseigentümern ein Teil der Schulden erlassen werden soll. Außerdem müssen die Banken Schadenersatz für widerrechtliche Zwangsräumungen zahlen.

US-Präsident Barack Obama sagte, der Vergleich markiere das Ende einer „Ära der Rücksichtslosigkeit“. Justizminister Eric Holder erklärte, die Einigung sei der „jüngste Schritt hin zu einer Korrektur der Fehler, die zu dem Kollaps des Häusermarktes unserer Nation und der Wirtschaftskrise geführt haben“.

An dem Vergleich sind die Bank of America, JPMorgan Chase, Wells Fargo, die Citigroup und Ally Financial beteiligt. Im Gegenzug werden Verfahren im Zusammenhang mit zweifelhaften Zwangsräumungen eingestellt. Den Banken wird angelastet, überschuldete Hausbesitzer ohne ordentliche Räumungsverfahren vor die Tür gesetzt zu haben.

Nach Angaben des Justizministeriums sieht der Vergleich vor, dass in den kommenden drei Jahren rund 20 Milliarden Dollar in Form von finanziellen Hilfen an Hausbesitzer gehen. So sollen bedürftige Eigentümer ihre Hypotheken reduzieren und Kredite zu günstigeren Konditionen refinanzieren können.

Weiterhin müssen die Banken wegen ihrer unzulässigen Räumungspraxis fünf Milliarden Dollar an den Staat zahlen. Davon sollen über einen Fonds 1,5 Milliarden Dollar direkt als Entschädigung an Menschen gehen, die ihre Häuser widerrechtlich verloren haben. Die restlichen 3,5 Milliarden Dollar erhalten die Regierungen in Washington und in den Bundesstaaten, die in den vergangenen Jahren mit öffentlichen Geldern für die finanziellen Folgen der zweifelhaften Zwangsräumungen geradestehen mussten.

Den Banken werden unter anderem irreführende Angaben bei der Kreditberatung vorgeworfen. Außerdem sollen sie überschuldeten Hausbesitzern nicht in ausreichendem Maß Alternativen zur Zwangsversteigerung aufgezeigt haben. In der Kritik stehen auch die Robo-Signers genannten automatisierten Räumungsprozesse, bei denen Bankmitarbeiter die Zwangsversteigerung ohne die nötige Sorgfalt abwickelten. Zehntausende Familien verloren auf diese Weise ihre Häuser.

Der Milliardenvergleich schürt auch Hoffnungen auf eine Erholung am US-Häusermarkt, der seit 2007 am Boden liegt. Das Platzen der Immobilienblase hatte damals das weltweite Finanzsystem und die globale Wirtschaft in eine tiefe Krise gestürzt. (afp)

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