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Frankreich: SOS-Racisme gerät selbst in Not

SOS-Racisme.org

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Die Aufbruchsstimmung der Gründerjahre ist verflogen. Dabei erinnert vieles an jene Zeit, da sich in Frankreich überzeugte Demokraten dem erstarkenden Front National entgegenstellten und mit Rückendeckung des sozialistischen Staatschefs François Mitterrand 1984 SOS Racisme aus der Taufe hoben. Wie vor 30 Jahren sind die Rechtspopulisten heute im Aufwind, bei den Europawahlen haben sie es zur stärksten politischen Kraft gebracht. Und wie damals hält der nach eigenen Angaben 9000 Mitglieder zählende Verein entschlossen dagegen.

Er versucht das Bewusstsein zu schärfen für die Diskriminierung, der sich in Frankreich zumal die Nachfahren aus dem Maghreb und Schwarzafrika stammender Einwanderer ausgesetzt sehen. Er ermutigt die Opfer, den Rechtsweg zu beschreiten. Er macht die Probe aufs Exempel, schickt Franzosen, denen man ihre afrikanische Abstammung ansieht, in Nobeldiskotheken, zu Vermietern oder Personalchefs von Firmen, die Mitarbeiter suchen. Im Fall nachweisbarer Benachteiligung wegen Herkunft oder Hautfarbe erhebt SOS Racisme Klage.

Aber das gesellschaftliche Klima ist heute eben ganz anders als Anfang der 80er-Jahre. Ende 1983 waren in Paris 100.000 Menschen zusammengekommen, um gut ein Dutzend von Marseille in die Hauptstadt marschierende Landsleute arabischer Herkunft willkommen zu heißen und ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. In Zeiten wachsender Arbeitslosigkeit und zunehmender Islamophobie scheint die Sorge um die Integration benachteiligter Mitbürger zweitrangig. Neun von zehn Franzosen räumen offen ein, dass sie sich für die Arbeit anti-rassistischer Vereine nicht interessieren.

Die Hoffnung, die 2012 an die Macht gekommenen Sozialisten würden dem ihnen ideologisch nahestehenden Verein großzügig unter die Arme greifen, hat sich nicht erfüllt. Von der Vorgängerregierung gekürzte Subventionen wurden nicht aufgestockt. Jährlich 350.000 Euro erhält SOS Racisme aus der Staatskasse. Und auch die Mitglieder werden weniger. 2007 waren es 20.000 gewesen, mehr als doppelt so viele wie heute. Drei Jahrzehnte nach der Gründung der Hilfsorganisation gerät SOS Racisme selbst in Not.



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