Es ist 19.41 Uhr, als das erste Mal Rauch über der Sixtinischen Kapelle aufsteigt. Tief schwarz qualmt es. Kein Zweifel, die erste Abstimmung über den 266. Papst in der Geschichte der katholischen Kirche brachte kein Ergebnis. In Windeseile verlassen die mehreren Tausend Gläubigen, die geduldig bei nasskaltem Wetter auf die katholischen Rauchzeichen gewartet haben, wieder den Petersplatz.
Kardinaldekan Angelo Sodan hat zuvor am Vormittag den Kardinälen mit auf den Weg gegeben, was der aus dem Konklave als Papst hervorgehende Kardinal diesen Menschen vor allem geben muss: Seine Liebe.
Wie in einem Taubenschlag ging es am Dienstagvormittag im Petersdom zu, als dort die Kardinäle den Eröffnungsgottesdienst zum Konklave abhielten. Hunderte Gläubige streckten ihre Arme in die Luft, um mit Fotoapparaten und Smartphones den Einzug der Kardinäle zum Eröffnungsgottesdienst des Konklaves festzuhalten. Selbst Nonnen unterbrachen ihre Andacht und knipsten wie wild - wer im richtigen Moment draufdrückte, kann später vielleicht sagen, den neuen Papst fotografiert zu haben.
Ab Dienstag, 12.03.12 wird ein neuer Papst bestimmt. 115 Kardinäle kommen feierlich in der Sixtinischen Kapelle zum sogenannten Konkave zusammen, um einen Nachfolger für den am 28. Februar zurückgetretenen Benedikt XVI. zu wählen.
Foto: Getty ImagesIn all dem Rätselraten um den Namen des künftigen Papstes wurde noch einmal der deutsche Papst Benedikt XVI. gewürdigt. Kardinaldekan Sodano lobte dessen „leuchtendes Pontifikat“. Die Gläubigen im Dom reagierten mit tosendem Applaus. Doch wer wird nun sein Nachfolger? Vielleicht sein einstiger Schüler Angelo Scola?
Der Erzbischof von Mailand gilt zusammen mit dem Brasilianer Odilo Scherer als der große Favorit des Konklaves. Angeblich konnten beide schon vor den Wahlen auf rund 40 Unterstützer der 115 Kardinäle zählen. Im ersten Wahlgang könnte sich erwiesen haben, ob einer der beiden deutlich vorn liegt. Das könnte zu einer schnellen Entscheidung führen. Falls beide gleichauf lagen, könnte das aber das Aus für sie bedeuten - eine Blockade würde die Chance für einen Dritten bedeuten. Zwei Drittel der Stimmen, also 77, benötigt der neue Papst.
Es fiel auf, dass sich vor dem Konklave kein Experte eindeutig festlegen wollte. Auf dem Petersplatz rief am Dienstagabend eine kleine Gruppe Philippiner immer wieder lautstark den Namen ihres jungen Kardinals Luis Antonio Tagle. Dem 55-Jährigen werden tatsächlich Außenseiterchancen eingeräumt. Die Liste der im Vorfeld genannten großen und kleinen Favoriten lag aber im Bereich des Dutzend.
Mit dem Ruf „Extra omnes“ begannen die Kardinäle ihre Abstimmungen. „Alle raus“, bedeutet der Ausruf - die aus Altersgründen nicht wahlberechtigten Kardinäle und alle anderen mussten da die Sixtinische Kapelle verlassen. Für die Kardinäle hat nun ein gleichmäßiger Ablauf begonnen, in dem es nur noch ums Gebet und die Wahlgänge geht - der Kontakt zur Außenwelt ist nun vorbei.
Im Gästehaus Sankt Martha verbringen die Geistlichen die Nächte bis zum Ende des Konklaves. Vielleicht denkt mancher dort noch über die Predigt von Kardinaldekan Sodano nach. Sodano sagte, jeder Geistliche müsse sich durch Liebe auszeichnen - vor allem aber der künftige Papst. „Denn je höher und universeller das Amt des Hirten ist, desto größer muss seine Liebe sein.“
Sodanos Predigt war längst nicht so tiefschürfend wie die Eröffnungspredigt zum Konklave 2005, in der der damalige Kardinal Joseph Ratzinger mit seiner Warnung vor einer „Diktatur des Relativismus“ einen Nerv traf. Aber Sodanos Worte könnten dennoch ein Fingerzeig an die Kardinäle gewesen sein: Nach dem vor allem die Köpfe erreichenden Benedikt braucht es nun wieder einen Papst, der die Herzen der Menschen anspricht.
Nach Beginn des Konklaves haben auf dem Petersplatz im Vatikan zwei Frauen „oben ohne“ gegen die katholische Kirche protestiert. Die beiden Demonstrantinnen entblößten ihre Brüste am Dienstag nahe der Absperrung vor der Sixtinischen Kapelle, in der 115 Kardinäle zur Papstwahl versammelt sind. Auf ihren Körper hatten sie die Parolen „Kein Papst mehr“ und „Keine Pädophilie mehr“ geschrieben. Auch zündeten sie rosa Rauch - eine Parodie auf den schwarzen oder weißen Rauch, der nach den Papst-Wahlgängen den Misserfolg oder Erfolg anzeigt.
Aktivistinnen der "Femen"-Bewegung protestieren auf dem Petersplatz in Rom gegen den Papst.
Foto: AFPDie Polizei nahm die beiden Frauen, die sich zur Bewegung Femen bekannten, nach kurzem Protest in Gewahrsam und brachte sie auf ein nahe gelegenes Kommissariat. Die Femen-Bewegung ist in der Ukraine entstanden. Die Aktivistinnen erregen seit 2010 mit Protesten unter anderem in der Ukraine, in Russland, in Großbritannien und im Vatikan immer wieder Aufmerksamkeit gegen Diskriminierung, totalitäre Strukturen und Korruption.
(afp/dpa)