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Friedhelm Leistner malt Vögel mit Kulleraugen - Ähnlichkeit mit Moorhuhn sorgt für Aufsehen: Das Kuckucksei

Mit großen, kugelrunden Augen guckt der Vogel aus dem Bild, er hat einen dünnen langen Hals und ein keckes Federbüschel auf dem Kopf. Niedlich sieht er aus, richtig verschmitzt. "Das ist ein Kuckuck", sagt sein Schöpfer, der Grafiker Friedhelm Maria Leistner. "Das ist das Moorhuhn aus dem Computerspiel", sagen viele Besucher der Galerie G. in der Friedrichstraße, wo Leistner zurzeit seine Ausstellung "Böses und Blaues" präsentiert. "Viele fragen nach Moorhuhn-Postern oder Moorhuhn-Postkarten", erzählt die Galeristin Christine Grabinger. Aber sie sage dann immer: "Das ist ein Kuckuck."Das ist auch gut so. Denn mit Copyright-Fragen nimmt es die Firma Phenomedia aus Bochum, die das Computerspiel mit dem Huhn seit 1998 vertreibt, recht genau. Und Friedhelm Leistner und sein Kuckuck sind alte Bekannte der Phenomedia. "Wenn Herr Leistner sagt, er habe das Moorhuhn erfunden, kriegt er Ärger", sagte Phenomedia-Sprecher Ulf Hausmanns. Der wahre Schöpfer des Computertiers heiße Ingo Mesche, nicht Leistner. "Alle Vögel haben große Schnäbel und große Augen", sagt Hausmanns, und wenn es Ähnlichkeiten zwischen den Tieren gebe, seien sie zufällig entstanden."Ich sage ja nicht, dass ich das Moorhuhn erfunden habe", sagt der 35-jährige Grafiker aus Charlottenburg. Doch auf die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Federtieren möchte er schon verweisen. Auch darauf, dass "ich meinen Kuckuck zuerst veröffentlicht habe". Damit bewegt er sich auf juristisch sicherem Boden. Anfechtbar sind seine Aussagen nicht.Ebenso wenig wie die Schautafel mit Zeitungsartikeln zu dem Streit ums Federvieh am Eingang der Galerie G. Zu einem Foto von Leistner heißt es da: "Der wahre Vater der Moorhühner". Daneben steht: "Wer war zuerst da, Kuckuck oder Moorhuhn?" Werden die beiden Galeristen, das Ehepaar Christine und Stefan Grabinger, direkt gefragt, ob Leistner der Schöpfer des Huhns sei, sagen sie Nein. Aber ein bisschen Publicity kann nicht schaden."Natürlich ist das Moorhuhn ein Zugpferd für uns", sagt Stefan Grabinger. Schließlich wäre Leistner ohne die Aufregung darum nicht so bekannt geworden. "Mich faszinieren alle seine Bilder, vor allem dieser Blauton, den er verwendet", sagt Grabinger über die Ausstellung "Böses und Blaues". Aber auch er kam erst nach einem Fernsehbeitrag über den Moorhuhnstreit auf die Idee, dem gebürtigen Westfalen eine Ausstellung anzubieten.Inzwischen ist Friedhelm Leistner allerdings so weit bekannt, dass Grabinger auch mal gerne über die anderen Bilder in der Ausstellung sprechen will: Die witzigen Elefanten, Giraffen und Kühe, die Schweinepyramide und den Affen mit den vielen, ineinander verhedderten Armen. Es ist ein niedlicher, hintersinniger Bilder-Zoo, den Leistner hier versammelt hat. Jedes Bild steckt in einem verschnörkelten goldenen Rahmen, ein Markenzeichen des Künstlers. Und mit Ausnahme des Kuckucks und einer Giraffe, an denen Leistners Herz besonders hängt, sind alle zu verkaufen.Ein Bild hat Leistner in den letzten Wochen live in der Galerie gemalt: "Die Krönung". Es zeigt sechs Frösche, die eine große goldene Krone in die Höhe recken. "Jeder will die Krone haben, dabei wäre sie jedem Einzelnen zu groß", sagt Leistner. "Die Krönung" wird am Sonnabend für einen guten Zweck versteigert. Den Hammer schwingt die Sängerin Lucy van Org, der Erlös kommt der Aids-Hilfe zugute. Das Eingangsgebot liegt bei 500 Mark. Für Leistner, der vom Verkauf seiner Bilder und von Aufträgen als Grafiker lebt, ist es die erste Benefiz-Aktion: "Eigentlich könnte ich das Geld selber gut gebrauchen." Aber er habe längere Zeit in den USA gelebt und er finde das soziale Engagement vieler amerikanischer Künstler nachahmenswert. Nicht nur aus Edelmut: "Ich versuche halt immer Geschäfte zu machen, von denen alle Seiten profitieren." Auktion: Galerie G., Friedrichstraße 101/102 (Mitte), Sonnabend, 17 Uhr.BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK Friedhelm Leistner malte einen Kuckuck, der von manchem mit dem Moorhuhn verwechselt wird.