blz_logo12,9

Gaza: Palästinenser 18 Stunden ohne Strom

Händler verkaufen in Gaza abends bei Kerzenschein Süßigkeiten.

Händler verkaufen in Gaza abends bei Kerzenschein Süßigkeiten.

Foto:

Reuters/Ibraheem Abu Mustafa

Finstere Zeiten in Gaza: Seitdem die Hamas im November das einzige Kraftwerk in dem palästinensischen Küstenstreifen mangels billigem Diesel aus Ägypten abschalten ließ, hocken 1,7 Millionen Bewohner öfter und länger als je zuvor im Dunkeln. Maximal sechs Stunden Elektrizität erhalten die meisten Haushalte pro Tag. Aber weil die Versorgungszeiten dem Rotationsprinzip folgen, gibt es den begehrten Strom aus der Steckdose bisweilen nur in der Nacht.

Fast schlafwandlerisch füllt Abed Schokry dann um Mitternacht die Waschmaschine, döst vor sich hin, bis sie fertig gelaufen ist, füllt eine neue Ladung ein und stellt den Wecker, um vor dem ersten Hahnenschrei eine weitere Maschine zu starten.

Bei vier Kindern, teils im Babyalter, ist der tägliche Berg Schmutzwäsche riesig. Aber selbst ein Professor für Ingenieurswissenschaften wie Abed Schokry kann sich da verkalkulieren. Neulich hatte er mal wieder Pech. Die Waschmaschine stand voller Wasser und Seifenschaum, als der Strom in ihrem Viertel in Gaza-City noch vor sechs Uhr in der Früh zusammenbrach. Ans Netz ging er erst wieder am nächsten Abend.

Von Israel und Ägypten abgeriegelt

Aber es gibt noch weit schlimmere Widrigkeiten im Alltag von Gaza. Die Tanks der Müllwagen sind leer, stinkender Unrat türmt sich an verdreckten Straßen. Zudem ergossen sich unlängst Unmengen an Abwasser in den Südteil von Gaza-City, weil die Pumpen im Klärwerk ausfielen. Auch die Trinkwasserversorgung ist gefährdet. Soweit Wasser aus dem Hahn kommt, schmeckt es brackig und salzig.

Gaza sei „auf direktem Wege, unbewohnbar zu werden“, hat Filippo Grandi, bis vor kurzem Chef des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge, gewarnt. Selbst der israelische Verbindungsoffizier für die Palästinenser-Gebiete, Eitan Dangot, sieht einen humanitären Notstand heraufziehen.

Gründe gibt es viele und manche sind hausgemacht. Nicht nur die Israelis, auch die Ägypter haben Gaza abgeriegelt. Die Schmuggelstollen vom Sinai nach Rafah sind dicht, nur noch ein Bruchteil der eine Million Liter Treibstoff, die früher täglich durchgeschleust wurden, gelangt rüber. Ersatz aus Israel könnte theoretisch die Autonomieführung in Ramallah organisieren. Aber Hamas und Fatah sind so verfeindet, dass sie nicht mal ihren Streit, wer die Steuern dafür kassiert, beilegen konnten. In Gaza ist derzeit kein Ende des Notstandes zu erkennen.



Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?