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Berliner Zeitung | Charité-Sportmediziner Bernd Wolfarth: Darum ist Schwimmen gesund
07. January 2016
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Charité-Sportmediziner Bernd Wolfarth: Darum ist Schwimmen gesund

Richtig schwimmen soll gelernt sein.

Richtig schwimmen soll gelernt sein.

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dpa

Herr Wolfarth, warum ist Schwimmen gesund?

Weil es Sport ist.

Aber worin unterscheidet es sich von anderen Sportarten?

Der Vorteil beim Schwimmen ist sicher, dass es mehrere Trainingseffekte vereint. Es ist eine Mischung aus Kraft-, Ausdauer-, Koordinations- und Techniktraining. Sämtliche großen Muskelgruppen werden beansprucht, die Arme, der Oberkörper, Rumpf- und Beinmuskulatur.

Gibt es Menschen, für die Schwimmen besonders geeignet ist?

Durch die Bewegung im Wasser wird Last von den Gelenken genommen. Im Gegensatz zum Gehen oder Joggen hat man dabei eine viel geringere physikalische Belastung. Das ist günstig für Menschen, die orthopädische Schädigungen haben. Man muss dabei aber auf den Schwimmstil achten. Jemand mit Knieproblemen sollte nicht Brustschwimmen, aber er kann Kraulen. Geeignet ist Schwimmen auch für Menschen mit höherem Gewicht. Sie entlastet das Wasser.

Wer sollte nicht Schwimmen?

Es gibt orthopädische Probleme, die einen vom Schwimmen abhalten können. Das kann eine Hüftproblematik sein, aufgrund der man bei sämtlichen Schwimmstilen Schmerzen haben kann. Jemand, der Belastungsasthma hat und auf das Chlorwasser reagiert, ist im Schwimmbad auch schlecht aufgehoben.

Drei bis vier Stunden Sport pro Woche

Kann Schwimmen beim Abnehmen unterstützen? Ich habe danach immer solchen Hunger.

Das ist nicht das Problem des Schwimmens. Wenn man läuft oder Rad fährt, bekommt man auch Hunger. Wenn wir unseren Patienten empfehlen, Sport zu treiben, um abzunehmen, dann ist es oft so, dass sie in den ersten Wochen das ein oder andere Kilo mehr haben. Gewichtsabnahme funktioniert nur, wenn man parallel zum Sport auch die Kalorienzufuhr reduziert.

Wie lang sollte eine Trainingseinheit sein?

Aus gesundheitlicher Sicht sollte man drei bis vier Stunden pro Woche zusätzliche körperliche Aktivität anstreben, also neben den Bewegungen, die im Alltag anfallen, wie Treppen steigen, vom Schreibtisch in die Kantine gehen und Ähnlichem. Vier Stunden, das bedeutet etwa 2000 Kilokalorien zusätzlichen Umsatz pro Woche. Das ist nicht nur durch Schwimmen zu erbringen. Aber wenn jemand es schafft, zweimal pro Woche schwimmen zu gehen, sollten es zumindest je 30 bis 60 Minuten sein.

Warum ist die Dauer wichtig?

Wenn es nur um den Gesundheitseffekt geht, ist es wichtig, dass man auf das Gesamtbudget pro Woche kommt, damit der positive Effekt – sei es auf Blutdruck, Zuckerstoffwechsel oder Fettstoffwechsel – erreicht wird. Da ist die Sportart eher zweitrangig, das erreicht man auch durch Spazierengehen. Wenn man einen echten Trainingseffekt erreichen und spürbar leistungsfähiger werden will, dann muss man gewisse Mindestbelastungszeiten haben, auch eine gewisse Intensität.

Geht es dann nur um die Leistung beim Schwimmen selbst?

Nicht unbedingt. Schwimmen ist eine der Sportarten, die der Grundlagenausdauer zugutekommen. Wenn die Schwimmleistung relevant besser wird, dann profitiert der Schwimmer davon auch für die allgemeine Fitness. Man ist insgesamt leistungsfähiger und belastbarer.