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Häufigste Fehler: Deutsche waschen sich zu selten die Hände

Wenn es ums Händewaschen geht, kann von Gleichstellung leider keine Rede sein: Frauen tun es nämlich „signifikant häufiger“.

Wenn es ums Händewaschen geht, kann von Gleichstellung leider keine Rede sein: Frauen tun es nämlich „signifikant häufiger“.

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dpa

Haben Sie sich mal gefragt, wie viele Hände sie täglich schütteln? Künftig sollten Sie vielleicht zweimal nachdenken, bevor Sie Ihrem Gegenüber die Hand entgegen strecken: Viele Menschen nehmen es beim Händewaschen nämlich nicht besonders genau.

Frauen sind gründlicher

Wenn es ums Händewaschen geht, kann von Gleichstellung leider keine Rede sein: Frauen gaben in einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) „signifikant häufiger“ als Männer an, sich die Hände zu waschen. Das zeigen laut BZgA auch Beobachtungsstudien der London School of Hygiene & Tropical Medicine mit rund 250.000 Besuchern von Raststätten-Toiletten. Ergebnis: Nicht einmal jeder dritte Mann benutzt dort Wasser und Seife - dafür aber 64 Prozent der Frauen.

Hinweisschilder können helfen

Hinweisschilder können die Hygiene erhöhen – zumindest bei Männern. An einer US-Universität brachten Forscher auf der Herrentoilette vor einigen Jahren Schilder mit der Aufschrift an: „Vier von fünf Männern waschen sich ihre Hände“. Darauf stieg die Zahl der Händewascher tatsächlich von 77 auf 86 Prozent.

Die Hand als Keimschleuder

Man mag es kaum glauben, aber auf unserer Hand tummeln sich 100 Keime pro Quadratzentimeter, wie Ernst Tabori vom Deutschen Beratungszentrum für Hygiene weiß.

„Nicht die Zahl, sondern die Art der Keime ist entscheidend, ob wir krank werden.“ Gefährlich seien Erreger, die Krankheiten auslösen könnten.

Außerdem sei die Küche der Hotspot für Infektionen - vielmehr als das Bad. Dem Facharzt zufolge finden sich auf dem Toilettensitz bis zu 300 Keime pro Quadratzentimeter. Auf dem Spülbecken sind es hingegen etwa 30.000.

Häufigkeit ist nur bedingt entscheidend

„Nicht die absolute Häufigkeit des Händewaschens ist entscheidend, sondern der Anlass“, weiß Andrea Rückle, BZgA-Referentin für Infektionsschutz. Heißt im Klartext: Nach dem Toilettengang, vor und nach dem Essen, nach Kontakt mit Tieren - und bei der Rückkehr nach Hause.

So wäscht man richtig

20 bis 30 Sekunden sind nach Angaben von Experten nötig. Daran halten sich allerdings viel zu wenig Menschen: Eine BZgA-Umfrage ergab 2013, dass nur 38 Prozent der Deutschen 20 Sekunden lang durchhalten. Und: Nur Wasser allein reicht nicht, weiß Rückle. „Viele Menschen halten die Hände nur kurz unter laufendes Wasser. Das bringt allerdings wenig.“ Übrigens: Der Daumen wird besonders häufig vergessen.

Hier lauern die Keime

Selbst das gründlichste Händewaschen machen manche Keimquellen schnell wieder zunichte: Die Türklinke vom Bad ist nach BZgA-Angaben tatsächlich so gefährlich wie ihr Ruf. „Und zwar dann, wenn sich der Vorgänger nicht die Hände gewaschen hat“, erklärt Rückle. Auch die Spültaste der Toilette könnte Erreger beherbergen - etwa wenn jemand anderes eine Magen-Darm-Infektion habe.

Was ist mit Toilettenpapier?

Toilettenpapier verhindert, dass die Finger schmutzig werden – bei uns zumindest. In Indien beispielsweise wird Klopapier aber überhaupt nicht benutzt: Inder reinigen sich nach dem Toilettengang nämlich mit Wasser und der linken Hand. Klingt erstmal bedenklich. „Die Frage der nachträglichen Säuberung ist entscheidend“, weiß Tabori. Nur wenn hinterher Wasser und Seife zum Einsatz kämen, gehe das in Ordnung. Ein echtes Vorbild in Sachen Hygiene sind wir Deutschen allerdings auch nicht. In einem Schreiben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung heißt es: „Die Umsetzung des Händewaschens ist in Deutschland noch verbesserungswürdig.“

Auch Händchenhalten ist unhygienisch

„Für Romantik haben Bakterien nicht so wahnsinnig viel übrig“, sagt der Hygiene-Experte. Aber: „Deswegen sollte man nicht auf Händchenhalten verzichten.“ Wäre Küssen angesichts dreckiger Hände ratsamer? „Mit dem Mund fassen wir seltener etwas Schmutziges an“, räumt Tabori ein. „Zu sagen, dass man deswegen jemanden mit Küsschen begrüßen muss - soweit würde ich nicht gehen.“

(dpa, jto)


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