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Wandern in Potsdam und Umgebung: Königliche Streifzüge durch Preußens Parks

Schnurgerade führt der Hauptweg durch den Park von Sanssouci zum Neuen Palais.

Schnurgerade führt der Hauptweg durch den Park von Sanssouci zum Neuen Palais.

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dpa/Bernd Settnik

Wandern gehörte in Berlin und Brandenburg lange Zeit nicht zu den Trendsportarten. Viele meinten offenbar, das sei eher etwas für die ältere Generation. Längst entdeckten jedoch auch junge Leute das ausdauernde Laufen für sich. Entscheidend für eine gelungene Wanderung ist gute Planung und der Einsatz von Pausen. Da bietet es sich gerade im Winter an, Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Kulturwanderungen erweitern den Horizont und trainieren Körper und Geist gleichzeitig. In Brandenburg und in dessen Landeshauptstadt Potsdam gibt es dafür besonders viele Möglichkeiten.

Durch das Posttor an der Potsdamer Geschwister-Scholl-Straße geht es in den Park Sanssouci. Über die Lindenavenue führt der Weg zum Neuen Palais – schnurgerade 2,5 Kilometer lang. Es ist eine der vielen Möglichkeiten, den Park schnell zu durchqueren.

Eindrucksvolles Panorama

Wer es weniger preußisch geradeaus und kurzweiliger liebt, biegt am Parkeingang von Sanssouci hinter dem Posttor rechts ein und durchwandert auf einem der Nebenwege die rund 300 Hektar große Anlage. Entlang weitläufiger Freiflächen kann man Luft holen. Vorbei am chinesischen Teehaus erreicht der Wanderer die bekannten Weinbergterrassen mit dem Blick auf Schloss Sanssouci. Die 132 Stufen hinauf sind nur eine kleine körperliche Anstrengung. Belohnt wird der Aufstieg durch den einzigartigen Blick über das Panorama von Potsdam.

Von dieser Stelle aus lässt es sich besonders nachempfinden, wie Friedrich der Große um 1747 „ohne Sorge“ seinen Blick über die Stadt schweifen ließ. Hier wollte er einst begraben werden, was dann verspätet 1991 verwirklicht wurde. Fans des Preußenkönigs legen seitdem auf seiner Grabplatte Kartoffeln nieder, um dem großen König für seine Verdienste beim Anbau des Erdapfels in Preußen zu danken. Bei einer Besichtigung des Schlosses kann man verschnaufen. Eintrittskarten lässt man sich am besten Online reservieren. Die Räume des Schlosses lassen aber die Liebe des Königs zu der herrlichen Umgebung, dem „Preußischen Arkadien“, deutlich spüren.

Körperlich anspruchsvoller als der Weg über die Terrassen ist der Aufstieg auf den 74 Meter hohen Ruinenberg hinter dem Schloss. Die im Auftrag Friedrichs künstlich geschaffenen Säulen und das Römische Theater sollen mediterran wirken. Von hier aus eröffnet sich ein weiter Blick über das Bornstedter Feld, dem Exerzierfeld preußischer Soldaten und späteren Kasernengelände der sowjetischen Streitkräfte in der DDR. Nach dem Abstieg führt uns der Weg entlang der Pappelallee geradewegs zur Russischen Kolonie Alexandrowka. Es war König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, der die Holzhäuser einst für die russischen Sänger des ersten preußischen Garderegiments in den Jahren 1826/27 erbauen ließ.

Der Neue Garten in westlicher Richtung bietet im Winter wie im Sommer Joggern ausgiebig Gelegenheit, sich fit zu halten. Es war wiederum Friedrich II., der den Park als Gegenstück zum barocken Park Sanssouci nach Wörlitzer Vorbild anlegen ließ. Auf vornehmlich ebenen Wegen entspannen sich hier Körper und Geist. Neugierige reizt der Blick auf die am Ostufer des Heiligen Sees gelegenen Villen von Jauch und Joop und das am Westufer gelegene Marmorpalais, der Sommerresidenz von König Friedrich Wilhelm II. Im nördlichen Teil des Parks befindet sich zudem das Schloss Cecilienhof. An diesem Ort hatten die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs 1945 die Teilung Deutschlands besiegelt.

Den Heiligen See hinter sich lassend schweift das Auge weit über Jungfernsee und Havel bis hin zum weißen Schlösschen auf der Pfaueninsel. Nach kurzem Durchatmen geht es den Uferweg entlang weiter Richtung Glienicker Brücke, dem legendären Ort des Agentenaustauschs in der Zeit des Kalten Kriegs. In der am Weg gelegenen Villa Schöningen ist eine Dauerausstellung zur Geschichte der Brücke zu sehen. Beeindruckt vom weiten Blick über die Havel, geht die Tour nun weiter über die Brücke, wir überschreiten die Landesgrenze zwischen Berlin und Brandenburg. Im anschließenden Schlosspark Glienicke ist noch einmal ein wenig Kondition gefragt. Die hügelige Parklandschaft in englischem Stil erstreckt sich auf eine Fläche von rund 100 Hektar und bietet vielfältige Wanderwege und architektonische Entdeckungen.

Die Gebäude wurden nach italienischen Vorbildern von den Architekten Karl Friedrich Schinkel und Ludwig Persius errichtet und ergänzt. Vieles davon scheint in einen Dornröschenschlaf gefallen zu sein. Bei mittlerem Wandertempo lassen sich die knapp drei Kilometer des Weges durch den Park bis zum Blockhaus Nikolskoe im Düppeler Forst innerhalb einer Dreiviertelstunde zurücklegen.

Russische Märchen

Am Ziel angekommen, werden Erinnerungen an russische Märchen wach. Das Holzhaus wurde 1819 in nur sechs Wochen Bauzeit durch König Friedrich Wilhelm III. als Überraschung für seine Tochter Prinzessin Charlotte und deren Gemahl nahe der Pfaueninsel errichtet. Von der ebenfalls in russischem Stil erbauten Kirche St. Peter und Paul aus eröffnet sich in rund 70 Metern Höhe ein faszinierender Ausblick auf Havel und Pfaueninsel.

Erfüllt von den vielfältigen Eindrücken der Preußischen Schlösser und Gartenlandschaft sowie den zahlreichen Sehenswürdigkeiten am Verlauf der Strecke, kann ich diese Wanderung sehr empfehlen. Herz und Kreislauf werden dabei durch die abwechslungsreiche Wegstrecke gefordert. Diese Wanderung eignet sich für Einsteiger und ist ein guter Start in ein gesundes neues Jahr.