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Grammys 2015 MusiCares Person of the Year: Bob Dylan spricht

Bob Dylan wird in Los Angeles vom Musikerhilfswerk MusiCares als Person of the Year ausgezeichnet (06.02.2015).

Bob Dylan wird in Los Angeles vom Musikerhilfswerk MusiCares als Person of the Year ausgezeichnet (06.02.2015).

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AFP

Bob Dylan gilt nicht gerade als redselig. In seiner Karriere als Songwriter und Musiker hat er vergleichsweise wenig Interviews gegeben, und selbst im Verlauf seiner Konzerte gibt es weder Titelansagen noch Überleitungen zwischen den Liedern. Obwohl Dylan weit über 1000 Songs geschrieben hat, geht er jenseits seiner musikalischen Darbietungen eher sparsam mit Text um. Bei Liveauftritten beschränkt er sich auf die Vorstellung seiner Bandmitglieder, mit denen er regelmäßig auf der Bühne steht.

Umso bemerkenswerter ist es, dass Bob Dylan am vergangenen Freitag im Rahmen der Grammy-Veranstaltungen eine rund 40-minutige Rede gehalten hat, die die Los Angeles Times transkribiert und veröffentlicht hat – mit Lücken, weil Dylan in seinem bisweilen auch von Lachern unterbrochenen Vortrag nicht immer ganz deutlich zu verstehen war. Vom Musikerhilfswerks MusiCares war Bob Dylan als „Man oft he Year“ ausgezeichnet worden. Die Laudatio hielt der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter, der, inzwischen über 90 Jahre alt, Dylans Protestsongs einen bleibenden Wert für die Sache des Friedens und der Menschenrechte attestierte.

Dann war es für den bald 74-Jährigen Bob Dylan aber Zeit, selbst das Wort zu ergreifen, und er tat dies mit einer seltenen Mischungen aus Schmähungen und Lobpreisungen. Dylan hat gesprochen, und der Nachhall ist beträchtlich. Musiker, die nicht so gut weggekommen sind, melden sich zu Wort, sie seien doch schon immer seine Verehrer gewesen, und nicht wenige wunderten sich über die plötzliche Zugewandtheit des großen Schweigers.

Bob Dylan ist äußerst empfindlich gegenüber Kritikerurteilen

Wahrscheinlich hatte der das Gefühl, endlich einmal etwas sagen zu müssen. So erinnerte er mit einer gehörigen Portion Pathos an Jimi Hendrix, der ein paar seiner Songs spielte, für die sich bis dahin niemand interessiert hatte. Jimi Hendrix aber habe diese Songs in eine andere Stratosphäre befördert und sie so zu Klassikern gemacht. Der großen Joan Baez dankte er für „umwerfende Aufrichtigkeit, Hingabe und Liebe, die ich wohl nie werde zurückgeben können.“

Ein pophistorisches Denkmal errichtet Dylan nicht zuletzt seinem Freund und Kollegen Billy Lee Riley, der von Ruhm und Anerkennung bislang allenfalls gestreift wurde und für dessen nachträgliche Aufnahme in die Hall of Fame des Rock & Roll er eindringlich plädierte.

Tiefe Einblicke gewährte Dylan, der sich übrigens äußerst empfindlich gegenüber Kritikerurteilen zeigte, die ihm seit mehr als 50 Jahren entgegenschlagen, in seine Songschreiber-Werkstatt. Er präsentierte sich dabei kaum als Verfechter einer Genie-Ästhetik. „Wenn einer den Song ‚John Henry‘ so oft gesungen hat wie ich, der kommt irgendwann auf eine Zeile wie ‚How many roads‘“ – und Blowin in the wind.

Es war, bemerkt Willi Winkler dazu in der Süddeutschen Zeitung, als gäbe der fast gleichaltrige Peter Handke ohne Vorwarnung Auskunft über seine Lehrmeister und vor allem darüber, was ihn weiterschreiben lässt...“