Große Koalition
Union und SPD haben sich auf eine Große Koalition geeinigt.

Bundestagswahl: Kanzlerin auf Partnersuche - FDP muss Bundestag verlassen

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Angela Merkel feiert: „Das ist ein Superergebnis. Wir werden damit verantwortungsvoll und sorgsam umgehen. Feiern dürfen wir heute schon, denn wir haben's toll gemacht.“
Angela Merkel feiert: „Das ist ein Superergebnis. Wir werden damit verantwortungsvoll und sorgsam umgehen. Feiern dürfen wir heute schon, denn wir haben's toll gemacht.“
Foto: AP/dpa

Die Wähler bescheren Kanzlerin Angela Merkel einen fulminanten Sieg: Die Union legt massiv zu. Die FDP wird dagegen abgestraft: Die Liberalen sind erstmals nicht im Bundestag. Die SPD ist stärker als 2009 - ein Signal für eine große Koalition.

Die Bundestagswahl ist zu einem Triumph für Angela Merkel geworden. Die Kanzlerin führte die Unionsparteien zu einem überwältigenden Sieg mit dem besten Ergebnis seit über zwanzig Jahren. Am Sonntagabend war lange nicht klar, ob es sogar für eine absolute Mehrheit der Mandate im Bundestag reichen könnte - am Ende wurde dieses Ergebnis knapp verfehlt. Merkels bisheriger Koalitionspartner, die FDP, erlitt dagegen eine historische Niederlage: Sie scheiterte zum ersten Mal seit 1949 an der Fünf-Prozent-Hürde.

Die Union benötigt nun einen Koalitionspartner. Der neue Partner von Kanzlerin Angela Merkel könnte nach aller Voraussicht die SPD sein. Deren Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat keine Chance, eine Regierung unter seiner Führung zu bilden, da SPD und Grüne zusammen weit von einer Mehrheit entfernt sind. Eine Zusammenarbeit mit der Linken, mit der es eine knappe Mehrheit geben könnte, lehnte er erneut ab.

Aber es gab auch erste Spekulationen, ob Union und Grüne zueinander finden könnten. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth verwies zwar auf die programmatische Distanz zwischen beiden Parteien, zeigte sich aber zu Gesprächen bereit.

Steinbrück lehnte ebenso wie Merkel jegliche Koalitionsspekulationen am Wahlabend ab. „Der Ball liegt im Spielfeld von Frau Merkel. Sie muss sich eine Mehrheit beschaffen.“ SPD-Chef Sigmar Gabriel erklärte, es gebe überhaupt keinen Automatismus für die SPD, in eine große Koalition zu gehen.

In der FDP deutete Parteichef Philipp Rösler seinen Rückzug an. Er werde persönlich-politische Verantwortung für das Debakel übernehmen, erklärte er am Abend. „Das ist die bitterste Stunde für die FDP seit 1949“, sagte der NRW-Landesvorsitzende Christian Lindner. Ab Montag müsse die FDP neu gedacht werden. Er gilt als Anwärter auf das Amt des Parteichefs.

Einen Achtungserfolg erzielte die eurofeindliche Alternative für Deutschland (AfD), die nur knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte.

Die Sozialdemokraten haben im Vergleich zur Wahl vor vier Jahren leicht zugelegt. Ihnen stehen nun aber innerparteiliche Debatten über die Frage bevor, ob und unter welchen Bedingungen sie in eine große Koalition eintreten. Sie ist in der Partei äußerst unbeliebt, weil die SPD bei der Wahl nach der ersten gemeinsamen Regierung mit der Kanzlerin Merkel stark abgestürzt ist. Dennoch gilt es als wahrscheinlich, dass die Partei einer Regierungsbildung mit CDU und CSU unter der Führung Merkels am Ende zustimmen wird. Die Alternative wäre, dass Union und Grüne ein Bündnis schließen. Dies stieße zwar in beiden Parteien auf erhebliche Widerstände, könnte den Sozialdemokraten aber auch nicht gefallen. Bei der Wahlbeteiligung gab es eine Trendwende: Sie stieg auf 73 Prozent gegenüber gut 70 Prozent vor vier Jahren.

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