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Berliner Zeitung | Hendrik Gottfriedsen schenkte Berlin die Gärten der Welt. Jetzt geht er in den Ruhestand: Künftig gärtnert er im eigenen Beet
01. October 2008
http://www.berliner-zeitung.de/15706278
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Hendrik Gottfriedsen schenkte Berlin die Gärten der Welt. Jetzt geht er in den Ruhestand: Künftig gärtnert er im eigenen Beet

MARZAHN. Russische Zwiebeltürmchen, Holzhäuser, ein Ziehbrunnen und ein Kräutergärtlein im Hof - so soll sich künftig der Eingang Eisenacher Straße zum Erholungspark Marzahn präsentieren. Ein Gastronom aus Moskau will dafür etwa eine Million Euro investieren. Der Vertrag ist unter Dach und Fach, sagt Hendrik Gottfriedsen, Geschäftsführer der Grün Berlin Park und Garten GmbH. Auch für ein anderes Projekt gibt es inzwischen grünes Licht. Für rund zwei Millionen Euro wird ein Europäischer Klostergarten gebaut. Der Entwurf stammt von dem Berliner Büro relais. Der Klostergarten, der im Frühjahr 2010 eröffnet werden soll, wird der neunte in den "Gärten der Welt" im Erholungspark.Gottfriedsen ist froh, dass er die Realisierung der lange gewünschten Vorhaben noch in die Wege leiten konnte. "Da fällt einem der Abschied leichter." Denn der "Herr der Gärten", wie Gottfriedsen manchmal genannt wird, geht in den Ruhestand, gestern war sein letzter Arbeitstag. Sein Nachfolger wird Christoph Schmidt, ein Landschaftsgestalter, der bisher als Projektmanager in der HafenCity Hamburg tätig war.Fast hundert Projekte, darunter der Lustgarten, das Schöneberger Südgelände und der Mauerpark, tragen Gottfriedsens Handschrift. Für sein Wirken wurde er im Frühjahr mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Hauptsächlich ihm ist auch zu verdanken, dass aus der 1987 eröffneten (Ost-)Berliner Gartenschau in Marzahn eine Gesamtberliner Sehenswürdigkeit wurde. Nach dem Aufbau der Bundesgartenschau 1985, dem heutigen Britzer Garten, entwickelte Gottfriedsen schon Ideen für eine nächste Buga: Gärten der Welt sollten im Tiergartener Diplomatenviertel entstehen. Doch mit der Wiedervereinigung und dem Hauptstadtbeschluss wurde das Diplomatenviertel wieder Botschaftsstandort. Gottfriedsens Idee schien sich erledigt zu haben. Doch dann kam der inzwischen verstorbene Filmproduzent Manfred Durniok und warb für einen Chinesischen Garten in Berlin. Ein Ort fand sich, als die Grün Berlin mit der Park und Garten fusionierte, die damals den Britzer Garten und den Erholungspark Marzahn verwaltete. Gottfriedsen wurde Chef der neuen Gesellschaft - und der China-Garten im Jahr 2000 feierlich in Marzahn eröffnet.Ihm folgten weitere Anlagen, und die Besucherzahl im Erholungspark Marzahn steigt stetig. Dabei hatte Gottfriedsen ursprünglich am Standort gezweifelt: "Marzahn lag mir zu weit draußen." Auch mit dem Bezirk gab es nicht immer Einvernehmen. Zum Beispiel, als die Grün Berlin den Kienberg, der gern von Freizeitsportlern und Erholungssuchenden genutzt wird, dem Erholungspark einverleiben wollte. Spätestens jetzt finden die Auseinandersetzungen einen guten Abschluss. "Für den Klostergarten gibt uns der Bezirk 2 000 Quadratmeter vom Kienberg-Gelände dazu", sagt Gottfriedsen. Kein Wunder, schmückt sich doch auch die Marzahn-Hellersdorfer Bürgermeisterin Dagmar Pohle gern mit den Gärten der Welt, die Gäste anziehen, die sonst nie in ihren Bezirk gekommen wären.Jetzt will sich der diplomierte Gartengestalter um seinen eigenen Garten in der Uckermark kümmern. 5 000 Quadratmeter groß, ein "märkischer Garten", langgestreckt, in Wald übergehend. Der Eingangsbereich soll später einmal dem des Britzer Gartens, Gottfriedsens Lieblingsprojekt, ähneln. Rosen verschiedenster Art sollen blühen - Beetrosen, Parkrosen und die gut duftenden englischen Sorten. Die Sträucher haben ihm seine Kollegen zum Abschied geschenkt.------------------------------Foto: Jetzt im Ruhestand: Hendrik Gottfriedsen (65).