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Hertha BSC: „Unser Ziel ist der Klassenerhalt“

Fabian Lustenberger: Der Schweizer ist dienstältester Profi im Kader von Trainer Jos Luhukay.
Fabian Lustenberger: Der Schweizer ist dienstältester Profi im Kader von Trainer Jos Luhukay.
Foto: dpa

Beim Fitnesstest offenbart Fabian Lustenberger ebenso erhebliche Schwächen wie Ronny. Im Interview verrät der Hertha-Defensivspieler aus der Schweiz, wie es dazu kommen konnte und wie Trainer Luhukay darauf reagiert hat.

Fabian Lustenberger ist erst 25, aber die Jugend verrät wenig über seine Stellung im Team von Hertha BSC. Der Schweizer, seit 2007 in Berlin, ist dienstältester Profi im Kader von Trainer Jos Luhukay. Er ist Stammkraft, Führungsspieler, und obwohl der Mittelfeldspieler gerade harte, schweißtreibende Lauftrainingslagertage hinter sich hat, kommt er zum Interview in die Lobby des Mannschaftshotels in Bad Saarow, als wäre nichts gewesen, lässig, selbstbewusst. Was umso erstaunlicher wirkt, weil Lustenberger von seinen freien Tagen nicht so zurückkehrte, wie von Luhukay erhofft.

Herr Lustenberger, Fitness-Defizite waren bei Hertha zuletzt ein Thema. Sie sind in Bad Saarow in der vierten Laufgruppe mit Ronny und Adrián Ramos gelaufen, deren Werte angeblich schlecht waren. Haben Sie geschlampt?

Nein. Es ist normal, dass Spieler besser drauf sind als andere. Ich habe im Urlaub meine Hausaufgaben gemacht, dennoch waren meine Werte nicht so gut. Deswegen bin ich in der Gruppe, die auch mal einen Extralauf machen muss. Wir haben sechs Wochen Vorbereitung, da kann ich noch einiges aufholen.

Wenn man Sie so sieht, könnte man meinen, Ausdauerdefizite gehörten nicht zu Ihren Primärproblemen.

Ich kann auch laufen, wenn ich fit bin. Am Anfang der Vorbereitung kann man nicht topfit sein.

Die körperliche Verfassung war bei Ihnen in den vergangenen Jahren immer wieder ein Thema, weil sie häufig verletzt waren. Mancher zweifelte an Ihrer grundsätzlichen körperlichen Eignung für den Profifußball. Hatten Sie nur Pech? Oder sind Sie zu fragil?

Es ist von allem etwas. Ich hatte sicher Pech, aber ich bin auch nicht der Stabilste. Deswegen bin ich froh, dass ich das vergangene Jahr durchspielen konnte.

Wären Sie in Ihrer Karriere schon weiter, wenn Sie nicht so oft verletzt gewesen wären?

Es ist müßig, darüber zu diskutieren. Ich hätte sicher mehr Spiele gemacht.

In den ersten Testspielen durften Sie auf Ihrer Lieblingsposition im defensiven Mittelfeld spielen. Wie fühlt sich das an?

Das freut mich natürlich. Ich habe immer gesagt, dass ich am liebsten auf der Sechs spiele. Aber wenn der Trainer denkt, er kann mich auch als Innenverteidiger gebrauchen, dann mache ich das.

Im vergangenen Aufstiegsjahr waren Sie überwiegend Innenverteidiger. Wie kam es dazu?

Anfangs wollte der Trainer testen, ob ich das kann. Und als ich in die Innenverteidigung kam, begann unsere Siegesserie. Da hat der Trainer an der Formation festgehalten.

Was war sein Argument für Ihre Versetzung? Sie sind nicht gerade der Prototyp des Innenverteidigers mit Gardemaß.

Ich glaube, das braucht man heute nicht mehr unbedingt. Es gibt ja viele Beispiele von kleineren Verteidigern, die im Spielaufbau stärker sind. Ich kann von hinten raus einen öffnenden Ball spielen, das war dem Trainer offenbar wichtig.

Welches sind die signifikantesten Unterschiede zwischen Innenverteidigung und Mittelfeld?

Man muss weniger laufen. Aber wenn man als Innenverteidiger einen Fehler macht, ist das meistens eine große Torchance. Deswegen spekuliert man weniger, als man das im Mittelfeld tut. Als Innenverteidiger muss man auch mal abwarten, den Gegner den Ball annehmen lassen und nicht gleich draufstürmen.

Warum sind Sie trotzdem ein besserer Sechser?

Ich kann einen Pass nach vorne spielen und Angriffe einleiten. Das kann ich als Sechser öfter machen. Als Innenverteidiger bist du meist mit Defensivaufgaben beschäftigt. Aber für einen Fußballer ist es auch nicht schlecht, wenn er mehrere Positionen spielen kann.

Sie haben zwei Mal im Kader der Schweizer Nationalmannschaft gestanden. Im nächsten Jahr ist die WM in Brasilien. Wo ist die Konkurrenz in der Nati größer? Auf der Sechs oder in der Innenverteidigung?

Auf beiden Positionen. Aber ich mache mir keine Gedanken darüber. Wenn die Leistung bei Hertha stimmt, ist die Chance größer, dass ich aufgeboten werde. Wenn man in der Bundesliga spielt, ist man automatisch im Fokus.

Hat sich durch Ihre starken Leistungen im vergangenen Jahr Ihre Rolle bei Hertha verändert? Sind Sie jetzt Führungsspieler?

Ich habe immer schon meine Meinung gesagt. Sicher ist es so, dass man an Anerkennung gewinnt, wenn man gute Kritiken bekommt.

Sie sind seit sechs Jahren in Berlin. Was macht Sie sicher, dass sich Hertha nach dem Auf und Ab der vergangenen Jahre wieder in der Bundesliga etabliert?

Im Verein ist jetzt wieder Kontinuität eingekehrt, der Trainer hat verlängert, die Mannschaft wurde mit vier Spielern punktuell verstärkt, das Gerüst ist zusammengeblieben. Und wir haben einen sehr guten Teamgeist.

Gesetzt den Fall, Hertha übersteht die kommende Saison, wohin kann der Weg dann führen?

Wir wollen erst mal die Klasse halten. Wenn die Mannschaft zusammenbleibt und eingespielt ist, kann es in den nächsten Jahren vielleicht nach oben gehen.

Ihr Gegner am ersten Spieltag, Eintracht Frankfurt, ist nach dem Aufstieg überraschend Sechster geworden. Weckt das nicht auch Begehrlichkeiten bei den Hertha-Fans?

Die Fans erwarten immer das Maximum. Wir sind realistisch und wissen, dass der Klassenerhalt unser Ziel sein muss. Wenn wir unsere Qualitäten abrufen, haben wir gute Chancen, das zu schaffen.

Das Gespräch führte Andreas Hunzinger.

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