21.02.2012

Hertha BSC: Rehhagel setzt auf Emotionen

Von Michael Jahn
Ganz schön kalt: Otto Rehhagel (M.) macht sich Gedanken zur Lage von Hertha BSC.
Ganz schön kalt: Otto Rehhagel (M.) macht sich Gedanken zur Lage von Hertha BSC.
Foto: dpa
Berlin –  

Bei Hertha BSC hat nur noch einer das Sagen: Otto Rehhagel. Der Trainer setzt dabei auf klare Worte - hinter verschlossenen Türen. In Berlin wird Rehhagel vor allem die Führungsspieler schnell auf seine Seite ziehen müssen.

Der Schlagbaum auf dem Olympiagelände blieb solange unten, bis Otto Rehhagel und die Profis von Hertha BSC - einige mit prall gefüllten Ballnetzen auf dem Rücken - den schneebedeckten Übungsplatz sicher und vor allem unbehelligt erreicht hatten. Erst danach öffnete sich die Schranke.

Berlins Bundesligist, seit elf Spielen in der Liga ohne Sieg, hatte die Sicherheitsvorkehrungen erweitert und die Anzahl der Ordnungskräfte verdoppelt. Schließlich stand gestern Vormittag die Rückkehr des 73-jährigen Otto Rehhagel nach mehr als elf Jahren Abstinenz vom Bundesligageschehen auf dem Programm.

Die erste Trainingseinheit als neuer Cheftrainer von Hertha wollten bei heftigem Schneetreiben, das dem Trainerstab samt den Kiebitzen oft die Augen verkleisterte, rund 60 Fans und genauso viele Medienleute erleben.

Zwölf Spiele mit Rehhagel

Der Aufgalopp unter dem mit ungeheuren Erwartungen beladenen Rehhagel, der die Hertha-Profis schon allein mit seiner Aura des Erfolgreichen beeindrucken und auf den richtigen Weg bringen soll, dauerte nur knapp eine Stunde.

Rehhagel - erstes Training bei Hertha BSC

Bildergalerie ( 20 Bilder )

Doch für Rehhagel, der am Sonntag einen gut dotierten Vertrag bis Saisonende, also für exakt zwölf Spiele, unterschrieben hatte, begann der zweite Arbeitstag in Berlin schon gegen acht Uhr.

Rehhagel hielt sich an die Worte bei seiner Vorstellung, als er ankündigte, er sei ab sofort nur noch auf der Geschäftsstelle, auf dem Platz oder in seinem Hotel und "ab und an in einem Café" anzutreffen. Der Trainer hatte sich sehr früh zuerst noch einmal mit seinen beiden Assistenten René Tretschok und Ante Covic sowie Manager Michael Preetz getroffen, um den Tag zu besprechen.

Danach stellte er sich auf der Geschäftsstelle vor - mit Handschlag bei den zahlreichen Mitarbeitern.

Beeindruckende Ansprache

Mindestens genauso wichtig wie die viel beachtete Übungsstunde war für Rehhagel offenbar seine erste Kabinenansprache. Der erste Eindruck sollte möglichst bleibend sein. Der Monolog dauerte immerhin 30 Minuten. Nur der engste Zirkel, also Profis, Trainer und Manager, sollen anwesend gewesen sein. Es gehört ab sofort zu den strengen Regeln, die allein der Cheftrainer aufstellt, dass nicht ein einziges Wort aus der Kabine dringen darf.

Sprüche von Otto Rehhagel
Altersweise:

„Mit 50 bist Du als Fußball-Trainer reif für die Klapsmühle.“

Solch ein Vorkommnis war vor wenigen Wochen dem Berliner Kurzzeittrainer Michael Skibbe zum Verhängnis geworden, als Interna seiner heftigen Spielerschelte an die Öffentlichkeit gelangt waren. So sagte dann auch Mittelfeldspieler Peter Niemeyer, der neben Torhüter Thomas Kraft den Journalisten vom Verein (und mit Zustimmung von Rehhagel) als Gesprächspartner benannt wurde, dass "alles, was in der Kabine war, intern bleibt".

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