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Hertha: Sechs mal von Herzen

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Auf Kuschelkurs: Berlins Adrian Ramos (l.) jubelt mit Peter Pekarik über sein Tor zum 0:1 gegen Sandhausen.
Auf Kuschelkurs: Berlins Adrian Ramos (l.) jubelt mit Peter Pekarik über sein Tor zum 0:1 gegen Sandhausen.
Foto: dpa

Sechs Schützen, das war auch sechs Mal Jubel, sechs Mal innige Umarmung, sechs Mal ein Schub für das Selbstvertrauen des Teams: Beim Sieg in Sandhausen hat Hertha BSC gezeigt, dass sich Jos Luhukays Idee vom Kollektiv schon etabliert hat.

Peter Niemeyer ist nicht dafür bekannt, viele Tore zu schießen. Wenn der rustikale Mittelfeldspieler, der sich vorwiegend der Organisation der Defensive bei Hertha BSC widmet, doch einmal einen Treffer landet, waren das bislang meist Kopfballtore, weil der 1,91 Meter große Profi bei Standardsituationen oft mit in den gegnerischen Strafraum eilt.

Beim jüngsten 6:1-Kantersieg der Hertha beim total überforderten Zweitliga-Aufsteiger SV Sandhausen hatte sich Herthas Kapitän vor einem Freistoß des Brasilianers Ronny geschickt in den Strafraum von Sandhausen gepirscht und sein Repertoire an Torerfolgen um ein Kuriosum erweitert.

SVS-Torhüter Michael Langer lenkte den straffen Schuss von Ronny gegen den schmalen Rücken von Niemeyer. Von dort sprang der Ball unhaltbar ins Tor. „Das habe ich doch in großartiger Torjägermanier gemacht“, scherzte Niemeyer beim Auslaufen am Sonnabend auf dem Berliner Schenckendorffplatz.

Das Resultat nach einem „beeindruckenden Spiel meiner Mannschaft“, so Trainer Jos Luhukay, war in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Hertha BSC gelang einer der höchsten Auswärtssiege seiner Geschichte in der Zweiten Liga und außerdem wurde der vereinseigene Rekord aus der Zweitliga-Spielzeit 1994/95 eingestellt – mit elf Spielen in Serie ohne Niederlage.

Auch der letzte Torschütze wurde geherzt

Vor nunmehr zwölf Jahren landete das Team unter Trainer Karsten Heine dennoch am Ende nur auf Platz elf. Luhukay aber hat den sofortigen Wiederaufstieg als einziges Ziel verkündet, arbeitet unermüdlich und akribisch an der Rückkehr in die Erste Liga und will bis zur Winterpause möglichst auf Platz eins stehen. Seine Spieler um Anführer Niemeyer glauben fest daran, dass diese Vorgabe erreicht werden kann, denn alle sind von der Qualität ihres sehr breit aufgestellten Kaders überzeugt.

„Ich sage ja immer wieder, dass wir nicht aus elf Leuten bestehen, wir sind eine Mannschaft, ein Kollektiv“, freute sich Herthas Coach nach dem Auftritt in der Provinz. Niemeyer, 28, war in Sandhausen einer von sechs verschiedenen Torschützen der Berliner, eine Tatsache, die Luhukay als große Stärke seiner Mannschaft ansieht.

Sechs Schützen, das war auch sechs Mal Jubel, sechs Mal innige Umarmung, sechs Mal ein Schub für das Selbstvertrauen des Teams, das ohnehin nicht unterentwickelt ist. Bemerkenswert fand Luhukay, dass seine Spieler auch noch in der 90. Minute komplett zum letzten Torschützen, dem eingewechselten Israeli Ben Sahar eilten und diesen herzten. Dasselbe war ein paar Minuten vorher mit dem ebenfalls eingewechselten Sami Allagui passiert, der den vierten Treffer geschafft hatte. „Dieses Verhalten macht mich stolz“, sagte Luhukay.

Bankdrücker profilieren sich

Auch wenn viele Beobachter dem SV Sandhausen eine sehr mäßige Form konstatierten, der als Realist bekannte Luhukay ordnete den haushohen Erfolg anders ein: „Man macht nicht in jeder Woche sechs Tore. Vielleicht waren wir ganz einfach viel zu stark für Sandhausen.“ Berlins Trainer ist es lieber, zahlreiche torgefährliche Profis zu haben, als nur einen Torjäger, der vielleicht für 15 Treffer gut ist. „Wir haben viele Spieler, die Tore machen können und jeder hat unterschiedliche Qualitäten.“ Ronny (5), Adrián Ramos (4), Allagui, Sandro Wagner und Änis Ben-Hatira (je 3) führen die interne Torschützenliste an.

Allagui und Sahar, die beiden prominentesten Bankdrücker der jüngsten Vergangenheit, haben mit ihren Toren ihre Ambitionen auf einen Platz in der Startelf erneuert und sorgen dafür, dass die Spannung bei den etablierten Kräften wie Wagner und Ramos nicht nachlässt.

Sahar, der sich vorige Woche via Bild-Zeitung beschwert hatte („Ich bin enttäuscht, dass ich nicht spielen darf“) sagte nach dem Auslaufen, er hoffe, dass die Zeiten für ihn nun besser werden. „Ich habe mich sehr gefreut – über mein Tor und die herzliche Reaktion meiner Kollegen.“ Er war ausgesprochen höflich.

Auch Allagui gab sich bescheiden: „Das war in Sandhausen ein schöner Abend. Es hat alles gepasst.“ Ob er demnächst mit einem Platz in der Anfangsformation rechne? „Das ist Sache des Trainers. Bei uns kann sich jeder zeigen“, sagte der Deutsch-Tunesier professionell. Er und auch Sahar wollen den Teamfrieden nicht mit überzogenen Ansprüchen gefährden. Das ist ganz im Sinne von Jos Luhukay.

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