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Lustenberger im Interview: „Luhukay nach Favre der prägendste Trainer“

Fabian Lustenberger ist neuer Hertha-Kapitän.
Fabian Lustenberger ist neuer Hertha-Kapitän.
Foto: Imago

Fabian Lustenberger spricht im Interview mit Michael Jahn über seine lange Zeit bei Hertha BSC, die Stadt Berlin und den nahen Aufstieg in die Erste Bundesliga.

Der Schweizer Fabian Lustenberger absolviert seine sechste Saison bei Hertha BSC. Unter Trainer Jos Luhukay spielt er als Innenverteidiger eine herausragende Rolle. Hertha will Lustenberger noch viele Jahre an den Klub binden.

Herr Lustenberger, Sie werden Anfang Mai erst 25 Jahre alt und sind schon der dienstälteste Profi im Aufgebot von Hertha BSC. Können Sie sich noch an Ihr erstes Bundesligaspiel für die Berliner erinnern?

Na klar. Das genaue Datum weiß ich nicht mehr, aber es war im August 2007. Wir haben zu Hause mit 3:1 gegen Stuttgart gewonnen, und ich bin kurz vor Schluss eingewechselt worden.

Richtig. Aber wir wollen Sie weiter testen und fragen: Wer waren damals ihre Mitspieler?

Im Tor stand Drobny. In der Abwehr Chahed, Friedrich, Schmidt und Fathi. Im Mittelfeld Gilberto oder?

Knapp daneben.

Ach, dann es war der kleine Brasilianer Mineiro. Dazu bestimmt Pal Dardai und Lúcio. Vorn spielten Ebert, Pantelic und Okoronkwo. Der hat noch ein Tor geschossen, und dann bin ich für ihn eingewechselt worden.

Exakt. Haben Sie denn ein besonders gutes Gedächtnis?

Nein, aber das war mein erstes Bundesligaspiel. Das ist schon etwas Besonderes. Das vergisst man nicht. Von einigen anderen wichtigen Spielen habe ich auch noch die Statistik einigermaßen im Kopf.

Ihr Landsmann Lucien Favre hat Sie damals vom kleinen FC Luzern nach Berlin geholt. Wie kam der Wechsel zustande?

Herr Favre und ich hatten den gleichen Berater – José Noguera. Favre wollte mich haben, Luzern hat mir damals keine Steine in den Weg gelegt, und nach zweieinhalb Wochen war der Wechsel perfekt. Dann habe ich plötzlich gegen Leute gespielt, die ich zuvor nur aus dem Fernsehen kannte.

Ein Schritt, den Sie nie bereut haben?

Richtig, keine Sekunde.

Dabei haben Sie ja unglaubliche Turbulenzen erlebt. Unter Favre spielten Sie mit der Mannschaft lange um die Meisterschaft mit, später gab es zwei Abstiege, einen Aufstieg und nun steht das Team erneut vor der Rückkehr in die Erste Bundesliga.

Ja, das war schon heftig. Ich bin dem Verein aber treu geblieben. Beim zweiten Abstieg 2012 habe ich wegen einer Verletzung in der Rückrunde kaum gespielt, und einen neuen Verein konnte ich mir deshalb kaum aussuchen. Insgesamt ist bekannt, dass ich Hertha BSC als Verein sehr schätze.

Sie haben bislang in Berlin unter sieben Trainern gearbeitet. Bitte sagen Sie einen Satz zu jedem dieser Fußballlehrer!

Lucien Favre hat mich zum Bundesligaspieler gemacht und ist deshalb etwas Spezielles.

Unter Friedhelm Funkel habe ich immer gespielt, leider reichte unsere gute Rückrunde 2010 nicht aus, um den Abstieg zu verhindern.

Mit Markus Babbel waren wir insgesamt gesehen relativ erfolgreich.

Unter Michael Skibbe haben wir fünf Spiele in Serie verloren. Es ist viel gegen ihn gelaufen.

Unter Rene Tretschok und Otto Rehhagel habe ich wegen einer Verletzung kein einziges Training und kein Spiel absolviert. Aber Rehhagel war schon eine Instanz.

Auf dem Trainingsplatz ist Jos Luhukay nach Favre der prägendste, lautstärkste, intensivste Trainer. Er entwickelt die Mannschaft, verlangt immer Perfektion. Der Erfolg gibt ihm recht.

Sie haben in den Jahren seit 2007 eine hohe Fluktuation bei Hertha erlebt. Wer ist Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben?

Marko Pantelic. Das war ein spezieller Typ. Der hatte seine Macken, aber er hat immer Leistung gebracht und alles gegeben. Auch der Brasilianer Gilberto besaß überragende Qualitäten, und Josip Simunic. Der hat in der Abwehr oft glänzend gespielt.

Einmal weg vom Fußball. Was hat Sie noch beeinflusst, so lange in Berlin zu bleiben?

Na, das hat schon zuerst mit dem Fußball zu tun. Ich wollte Hertha in schweren Zeiten nicht verlassen, hier bin ich zum Bundesliga-Profi geworden, und ich hatte das Gefühl, auch etwas zurückgeben zu wollen. Außerdem habe ich in Berlin meine Freundin kennengelernt. Monique stammt aus Templin. Und wir haben ja inzwischen einen Sohn.

Und die Stadt Berlin?

Die ist unglaublich abwechslungsreich. Wenn man Natur haben will, kann man in den Wald gehen. Will man Action, fährt man in die City. Für mich ist beides schön. Wir sind ja noch junge Leute und wollen auch ab und an ein bissel Gaudi.

Es könnte bald zu größerem Gaudi kommen, wenn der Aufstieg perfekt ist. Am Montagabend ist Eintracht Braunschweig im Spitzenspiel der Gegner im Olympiastadion.

Ich hätte nichts dagegen, wenn wir so schnell wie möglich aufsteigen. Meinetwegen beim Heimspiel gegen Sandhausen am 21. April oder eben eine Woche später auf St. Pauli. Aber zuvor wollen wir Braunschweig schlagen.

Sie haben bislang im defensiven Mittelfeld gespielt, auch als Außenverteidiger, und halfen vor zwei Jahren in der Zweiten Liga schon mal ein paar Minuten als Torhüter aus. Luhukay machte Sie nun zum Innenverteidiger, wo Sie glänzend zurechtkommen. Ist die Vielseitigkeit eher Fluch oder Segen?

Vor dieser Saison habe ich mir schon Sorgen gemacht, auf welcher Position ich spiele. In der Vorbereitung sind mir auch ein paar Fehler unterlaufen. Gegen Union war ich Rechtsverteidiger, danach nur noch in der Innenverteidigung. Als gelernter Mittelfeldmann habe ich mich mit dieser neuen Position angefreundet und es macht mir viel Spaß. Vor allem, wenn man so oft gewinnt wie wir.

Luhukay hat Sie als den besten Innenverteidiger der Liga bezeichnet, aber am liebsten wären Sie doch ein sogenannter Sechser im Mittelfeld?

Na ja, dort ist man eben noch mehr am Spiel beteiligt. Man hat mehr Ballkontakte und mehr Offensivaktionen.

Wenn Sie Trainer wären, wo würden Sie Fabian Lustenberger hinstellen?

Wahrscheinlich auf die Sechser-Position.

Sie besitzen einen Vertrag bis 2014 in Berlin. Ihr Berater José Noguera und Manager Michael Preetz stehen derzeit in aussichtsreichen Verhandlungen über eine vorzeitige Verlängerung. Hertha will Sie noch lange an den Klub binden. Wollen Sie weitere Jahre bleiben?

Die Gespräche laufen. Zuerst will ich mit der Truppe aufsteigen, dann sehen wir weiter. Ich habe immer gesagt, dass ich mich in Berlin sehr wohlfühle. Aber ich besitze ja noch einen gültigen Kontrakt bis Sommer 2014. Die Zeitungen wissen ja in diesen Dingen oft mehr als ich. Oder sie glauben es zumindest.

Das Gespräch führte Michael Jahn

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