29.11.2011

Unser Reporter in Indien: Geschichten aus Chennai

Ralf Mielke, Medienredakteur der Berliner Zeitung, war mit dem Goethe-Institut in Chennai. Für uns schrieb er Alltagsgeschichten aus der Stadt im Südosten Indiens, dem früheren Madras.

Ralf Mielke nahm im November 2011an dem Austauschprogramm "Nahaufnahme" des Goethe-Instituts teil. Partner der Berliner Zeitung in Chennai war die dort erscheinende Tageszeitung The Hindu.

Bilder aus Chennai

Bildergalerie ( 32 Bilder )
Ralf Mielkes Alltag in Indien
Weihnachtspost

Der St. Thomas Mount ist die höchste Erhebung in Chennai, wobei Mount, also: Berg, ein wenig übertrieben zu sein scheint für diesen rund siebzig Meter hohen Hügel im Süden der Metropole. Der Weg auf den St. Thomas ist beschwerlich, 130 Stufen geht es hinauf, wenn man nicht über eine Schotterstraße an Hütten und kleinen Läden vorbei bergan stapfen möchte. Oder, wie ich, in einem Auto zum Parkplatz direkt unterhalb des Gipfels chauffiert wird.

Der Fahrer ließ sich das nicht nehmen. Die Hitze und der Anstieg, beides war in seinen Augen dem europäischen Gast nicht zuzumuten. Der war an diesem sonnenstrahlenden Morgen ganz froh darüber.

Der Berg verdankt seinen Namen dem Apostel Thomas, der der katholischen Überlieferung zufolge den Süden Indiens missionierte und auf dem nach ihm benannten St. Thomas Mount 72 n. Chr. den Märtyrertod fand. Die Portugiesen errichteten hier im 16. Jahrhundert auf den Ruinen eines älteren Gotteshauses eine Kirche und widmeten sie der Christusmutter Maria. Sie trägt den Namen "Our Lady of Expectation".

Papst Johannes Paul II.

Reliquien des Apostels befinden sich übrigens in einer anderen Kirche in Chennai, der Basilika Santhome weiter im Norden der Stadt, die über der angeblichen Grabstätte des Helligen Thomas errichtet wurde.

1986 war Papst Johannes Paul II. auf einer Pilgerreise auf dem St. Thomas Mount. Eine hübsche, sehr realistisch gestaltete Statue erinnert an seinen Besuch. Jetzt dringt aus der Kirche andächtiger Gesang. Die Türen stehen offen, einzutreten ist ausdrücklich erwünscht. Ein Geistlicher betet auf Tamil eine Art Litanei, rund zwanzig Gläubige singen ihm nach, es klingt fast wie ein Mantra.

In der hintersten Kirchenbank weint eine junge Frau im Sari herzzerreißend. Über all dem leuchtet ein buntes Gemälde mit dem Namenszug der Kirche.

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