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Ihre feinen Wurzeln nehmen strahlende Partikel auf: Sonnenblumen filtern radioaktive Stoffe aus Wasser

Sonnenblumen können radioaktiv verseuchtes Wasser reinigen. Das ergaben Versuche des US-Unternehmens Phytotech und der Rutgers University auf dem Gelände einer aufgelassenen Uranfabrik im Bundesstaat Ohio. Wie das Wissenschaftsmagazin "New Scientist" berichtet, säuberten die Sonnenblumen 200 000 Liter uranhaltiges Abwasser. Die Konzentration des giftigen Metalls sank von durchschnittlich 200 Mikrogramm pro Liter auf weniger als 20 Mikrogramm pro Liter. Ein Mikrogramm ist ein millionstel Gramm. Das Abwasser wurde in sogenannten hydroponischen Tanks gereinigt.Hydroponik steht für "Wasserkultur", bei der Pflanzen in einer Nährlösung ohne Erde wachsen. Halt finden die Wurzeln in einem hydroponischen Medium, etwa Zellulose oder Tonkügelchen. In den Tanks der US-Firma schwamm ein derartiges Medium wie ein Floß auf dem verseuchten Wasser. "Eingepflanzt" waren sechs Wochen alte Sonnenblumen, deren Wurzeln unter dem Floß weit in die kontaminierte Flüssigkeit hineinwuchsen. "Diese feinen Wurzeln bilden einen Biofilter", zitiert "New Scientist" den Leiter des Versuchsteams, Slawik Duschenkow. Er testete die Sonnenblumen bereits 1996 in einem Becken in der Nähe des Unglücksreaktors in Tschernobyl. In nur zehn Tagen filterten die Pflanzen dort 95 Prozent des radioaktiven Strontiums und Cäsiums aus dem Wasser. Die Strahlungsaktivität der Wurzeln war danach so hoch, daß die Behörden die Ausfuhr aus dem Sperrgebiet um Tschernobyl verboten. (jz.)