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Joachim Herrmann bei „Hart aber fair“ : Der Minister und der „Neger“

Joachim Herrmann (links) hat mit seiner Bemerkung über Roberto Blanco einen Sturm der Entrüstung entfacht.

Joachim Herrmann (links) hat mit seiner Bemerkung über Roberto Blanco einen Sturm der Entrüstung entfacht.

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dpa

Im vergangenen Jahr wurde ein 68 Jahre alter Pensionär in Bayern wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe verurteilt, nachdem er einen schwarzen Familienvater, von dessen spielenden Kindern er sich belästigt fühlte, als „Neger“ beschimpft hatte. In der Verhandlung von dem Amtsgericht machte der Angeklagte geltend, er verstehe die Bezeichnung als „Neger“ nicht als Beleidigung, eine Beteuerung, die ihm weder die Staatsanwaltschaft noch die Richterin glaubte. Selbstverständlich war die Bezeichnung als Neger schon immer verächtlich gemeint, aber erst sehr spät war die Justiz bereit, darin eine Beleidigung zu erkennen.

Inzwischen ist der Begriff zu Recht als rassistisch verpönt, was dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU) offenbar entgangen ist. Mit seiner Bemerkung in einer Talk-Show, der Schlagersänger Roberto Blanco sei „immer ein wunderbarer Neger“ gewesen, entfesselte er einen Sturm der Entrüstung und musste sich für seine „völlig inakzeptable Äußerung“ entschuldigen.

Der Begriff „Neger“ war schon immer rassistisch, er ist in der rassistischen Gesellschaft, die die Gesellschaft des zweiten Kaiserreichs (1871-1918) – Kolonialmacht in Afrika seit 1884 – war, auch nie anders verwendet worden. Aus Brockhaus’ Conversations-Lexikon von 1885: „Neger, in der volkstümlichen Sprache Mohr (…) nennt man die schwarzen, wollhaarigen Bewohner Afrikas. Dieselben werden in allen ethnogr. Systemen als eine Hauptrasse von anderen abgesondert und stehen als schiefzähnige Langköpfe (…) neben den Papuas auf der niedersten Stufe der Rassenentwicklung.“

"Neger" bleibt mit dem Bild von Mohren und der Peitsche verbunden

Der deutsche Gesetzgeber hatte nicht an die „schwarzen, wollhaarigen Bewohner Afrikas“ gedacht, als er 1871 die Prügelstrafe aus dem Reichsstrafgesetzbuch strich. Zum einen galt das Reichsstrafgesetzbuch in den deutschen Kolonien nur für die Weißen. Zum anderen gehörten die Afrikaner nach Ansicht der Deutschen naturgemäß einer der Gruppen an, gegen die im Kaiserreich der Einsatz von Rohrstock und Peitsche weiterhin erlaubt war: Kinder und Verbrecher.

Wohlmeinende Deutsche betrachteten „Neger“ als Kinder, faul zwar und zuweilen verschlagen, aber mit „twenty five on backside“ zu dressieren. Hielt man sie jedoch, wie zum Beispiel ein Gouverneur in der deutschen Kolonie Kamerun das Volk der Duala, für „das faulste, falscheste und niederträchtigste Gesindel, welches die Sonne bescheinet, und es wäre sicher am besten gewesen, wenn sie bei der Eroberung des Landes wenn nicht ausgerottet, so doch außer Landes verbracht worden wären“, war der Gebrauch der Nilpferdpeitsche ein Gebot der Kultur.

Weil nicht nur die Kolonialbeamten in Kamerun die Prügelstrafen regelmäßig vollziehen ließen, sondern auch Agenten deutscher Handelshäuser, Expeditionsführer und Forschungsreisende sie tagtäglich züchtigten, war den schwarzen Bewohnern des deutschen Schutzgebiets die Peitsche nach wenigen Jahren in Fleisch und Blut übergegangen und Kamerun bei anderen Kolonialmächten als „twenty-five country“ verschrien. Fünfundzwanzig Hiebe mit Tauende oder Nilpferdpeitsche waren die Regel.

Ein Bedeutungswandel des Begriffes hat nie stattgefunden. Es kann ihn auch nicht geben: „Neger“ bleibt in der deutschen Sprache untrennbar mit dem Bild vom Mohren und der Peitsche verbunden.



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