13.02.2012

Alleinerziehung und Karriere: Singel-Mom im Job

Von Cosima M. Grohmann

Zum Telefonieren hat Hella Brinkmann (Name von der Redaktion geändert) erst abends Zeit. Dann hat sie ihre jüngste Tochter ins Bett gebracht und sich die Unterlagen für ihre Weiterbildung noch einmal angeschaut. Als alleinerziehende Mutter von drei Kindern ist ihr Tag eng getaktet: „Die Kleinste bringe ich selbst in die Kita und die Mittlere wird meist von meiner großen Tochter in die Schule gebracht“, sagt sie.

Danach beginnt ihr Arbeitstag: Als Lehrerin ist sie an einer Uni beschäftigt und unterrichtet dort Deutsch für ausländische Studierende. Da Brinkmann selbstständig ist, ist sie zeitlich relativ flexibel und kann den Rest ihrer Aufgaben mittags erledigen, wenn ihre Tochter aus der Kita zurück ist. Doch spätestens, wenn die zwei älteren Töchter aus der Schule kommen, ist es vorbei mit der Ruhe zum Arbeiten.

Verein

Der Verein alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) ist ein Lobbyverband, der sich für die verbesserten Lebens- und Erwerbsbedingungen von Müttern und Vätern einsetzt. Der Berliner Ortsverband beispielsweise bietet Kurse, Seminare, Einzelberatung und Informationen für Single-Eltern.

Hilfe vom Bund

Die Initiative „Gute Arbeit für Alleinerziehende“ ist ein Programm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, das mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds gefördert wird. An rund 100 Standorten in der gesamten Bundesrepublik fördert es den Auf- und Ausbau lokaler oder regionaler Netzwerke zur Unterstützung von Alleinerziehenden. www.gute-arbeit-alleinerziehende.de

Kind und Karriere sind vor allem für alleinerziehende Elternteile oft schwer zu vereinbaren.
Kind und Karriere sind vor allem für alleinerziehende Elternteile oft schwer zu vereinbaren.
Foto: dpa

Etwa 1,6 Millionen Alleinerziehende gibt es laut Statistischem Bundesamt derzeit in Deutschland, 90 Prozent davon sind Frauen. Sie alle dürften es schwer haben, ungeplante Überstunden, kurzfristige Dienstreisen oder ein spontanes Abendessen mit neuen Geschäftspartnern zu arrangieren. „Alleinerziehende haben einen 24-Stunden-Job, denn nach der Arbeit ist noch lange nicht Feierabend“, sagt Miriam Hoheisel. Als Bundesgeschäftsführerin des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) weiß sie, dass es für Alleinerziehende vor allem in den ersten Jahren nach der Geburt des Kindes schwer ist, Job und Familie zu vereinbaren: „Je kleiner die Kinder, desto schwieriger ist es, eine geeignete Kinderbetreuung zu finden, die zu den eigenen Arbeitszeiten passt und auch ganztägig geöffnet hat“, sagt sie.

Zwar sind ganze 60 Prozent der Alleinerziehenden erwerbstätig und arbeiten sogar häufiger in Vollzeit als Mütter in sogenannten Paarfamilien. Dennoch haben sie es schwerer, einen entsprechenden Job zu finden, der ihren Wünschen gerecht wird. Viele sagen bei einer Bewerbung um eine neue Stelle dem Arbeitgeber oft gar nicht, dass sie alleinerziehend sind. Denn häufig werden sie mit Vorurteilen konfrontiert. „Alleinerziehende sind keine Mogelpackung für Arbeitgeber“ – davon ist Jessica Jane Clotten überzeugt.

Zusammen mit anderen Teilnehmern aus ähnlichen Bereichen nimmt das Berliner Projekt Ania (Alleinerziehende nachhaltig in Arbeit bringen) an einer bundesweiten Kampagne, die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales initiiert wurde, teil: „Gute Arbeit für Alleinerziehende“ soll mit einem Fördervolumen von 25 Millionen Euro dazu beitragen, die Arbeitssituation
von Single-Müttern und -Vätern in Deutschland zu verbessern. „Wir arbeiten mit Arbeitgebern zusammen, die die Qualitäten von Alleinerziehenden erkannt haben und fördern wollen“, sagt Clotten. In einem sechsmonatigen Programm verhelfen die Mitarbeiter von Ania Alleinerziehenden zu Fortbildungen in den Branchen Hotellerie, Handel und Pflege. Dabei sind vor allem Betriebe, die in der Nachbarschaft liegen, beteiligt. Nachdem die individuelle Situation der Teilnehmer ermittelt wurde, erarbeiten diese sich einen Kompetenzpass, der dem Arbeitgeber garantiert, dass die Voraussetzungen für den Job vorhanden sind. In der letzten Phase hilft Ania bei der Arbeitsvermittlung und der Kommunikation zwischen den potenziellen Arbeitnehmern und dem Betrieb.

Dass in den geförderten Berufen die Bezahlung nicht allzu üppig ausfällt, weiß Clotten. Laut Statistischem Bundesamt befinden sich gerade Alleinerziehende besonders häufig im Niedriglohnsektor oder sind sogenannte „Aufstocker“. Das heißt, ohne eine zusätzliche Unterstützung vom Arbeitsamt kommen sie trotz einer bezahlten Vollzeitstelle nicht mit dem dort verdienten Geld aus.

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