09.02.2012

Die Tricks der Meister: Individuelle Gefühlswelt

Von Ralf Lengen
Wann Kollegen in ihren Gefühlen verletzt werden, sollte man nicht am eigenen Empfingen messen.
Wann Kollegen in ihren Gefühlen verletzt werden, sollte man nicht am eigenen Empfingen messen.
Foto: dpa

Man kann nicht von sich auf andere schließen, wusste schon Christina von Schweden. Wie man aus den Worten großer Persönlichkeiten Karrieretipps ableitet.

Andreas Baumann atmet auf: Der Kunde war von der Präsentation beeindruckt. Der Auftrag ist zum Greifen nah – und seine Chefin, Susanne Kröger, war live dabei. Doch statt Lobeshymnen gab es auf dem Weg zurück ins Büro nur Schweigen. Seine Vorgesetzte fühlt sich brüskiert, weil Baumann ihr vor dem Kunden widersprochen hat. Er selbst liebt es, wenn man ihm Kontra gibt. Hauptsache, man kommt durch die Debatte in der Sache voran.

Damit, dass Susanne Kröger das anders sehen könnte, hat er nicht gerechnet. Dieses Beispiel zeigt: Für Ihren langfristigen Erfolg sind gute Resultate zwar eine notwendige, aber keine ausreichende Bedingung. Kunden, Chefs und Mitarbeiter wollen sich darüber hinaus gut fühlen, wenn sie mit Ihnen arbeiten. Egal, was Sie tun: Sie dürfen nie die Gefühle Ihres Gegenübers vernachlässigen, geschweige denn verletzen. Die Schwierigkeit dabei: Sie müssen wissen, wie und was Ihr Gegenüber fühlt. Und leider können Sie nicht (immer) von Ihren Emotionen auf die Ihres Gegenübers schließen:

Christina von Schweden

Sie ist das Enfant terrible unter den Königinnen: Kristina Augusta wurde 1626 in Stockholm geboren. Von 1632 bis 1654 war sie Herrscherin von Schweden. Ihrem Vater, Gustav II. Adolf, war sie bereits im Alter von fünf Jahren auf den Thron gefolgt und auf dessen Wunsch wie ein Kronzprinz ausgebildet worden. So lernte sie reiten und jagen wie ein Mann. Als Regentin war sie maßgeblich an der Beendigung des 30jährigen Krieges beteiligt. Sie pflegte einen aufwendigen Regierungsstil und führte einen der prunkvollsten Höfe des damaligen Europa. In ihrer Regierungszeit kaufte sie Bibliotheken, Gemäldesammlungen – und holte große Gelehrte wie den Philosophen René Descartes ins Land. Christina von Schweden dankte vorzeitig ab, konvertierte zum Katholizismus und ließ sich daraufhin in Rom nieder, wo sie 1689 auch starb.

Zum Autor

Dr. Ralf Lengen präsentiert „Meistertricks“, die helfen, besser zu schreiben, zu reden und zu managen. www.meistertricks.de


Jeder tickt anders. Geschätzte zehn Prozent der Menschen haben es hier leichter als der Rest der Bevölkerung: Sie können sich von Natur aus in das Gefühlsleben anderer hineinversetzen. Doch die meisten von uns müssen zu einem Hilfsmittel greifen. Im Folgenden vier solcher Hilfsmittel, die Sie auch miteinander kombinieren können:

Die Variante Brutal funktioniert nach dem Trial-and-Error- Prinzip – ausprobieren und schauen, was passiert. Beobachten Sie, wie Ihr Gegenüber reagiert. Ein Fauxpas von Ihrer Seite ist okay, wenn Sie darauf achten, ihn nicht zu wiederholen. Sie lernen auf diese Weise, sich in die Gefühlswelt Ihres Gegenübers hineinzuversetzen.

Bei der Variante Anstrengend ist es Ihre Hauptaufgabe zuzuhören. Lassen Sie erst Ihr Gegenüber zu Wort kommen – und: Hören Sie nicht nur zu, sondern hin. Denken Sie danach über das Gehörte nach. Schauen Sie Ihrem Gegenüber während des Gesprächs in die Augen. Das kann aufschlussreich sein und gehört sich schlicht so.

Bei der Variante De luxe schnappen Sie sich einen dieser Glücklichen, die sich von Natur aus gut in einen Menschen hineinversetzen können und lassen sich beraten. Das ist zur Not auch in Ferndiagnose möglich.

Bei der Variante Mutig sollten Sie hingegen fragen, fragen, fragen. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Gegenüber, wie es mit der ein oder anderen Situation klar kommt. Die beiden Top-Fragen: „Was denken Sie über ...?“ oder direkter: „Wie fühlen Sie sich mit ...?“ Dazu gehören Mut und eine, sagen wir, nicht ganz oberflächliche Beziehung.

Doch Achtung: Nicht jeder redet offen über seine Gefühle. Vielleicht nutzen Sie auch weitere Hilfsmittel. Hauptsache, Sie arbeiten daran, die Gefühle Ihres Gegenübers kennenzulernen und bei Ihren Handlungen zu berücksichtigen. Wichtig ist auch Ihr Motiv: Tun Sie es aus Wertschätzung für ihre beruflichen Kontakte.

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