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Berliner Zeitung | Katalanische Separatisten: Hand in Hand zur Selbstständigkeit
11. September 2013
http://www.berliner-zeitung.de/3830322
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Katalanische Separatisten: Hand in Hand zur Selbstständigkeit

Die Katalanen wollen von Madrid unabhängig sein.

Die Katalanen wollen von Madrid unabhängig sein.

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REUTERS

Madrid -

Der Ruf nach der staatlichen Unabhängigkeit Kataloniens wird immer lauter. Die 7,5-Millionen-Einwohner-Region im Nordosten Spaniens erlebte am Mittwoch eine eindrückliche Demonstration des Willens zur Abspaltung vom Rest des Landes: Rund 350.000 Menschen reihten sich in einer fast 400 Kilometer langen Schlange quer durch Katalonien auf, um die Unabhängigkeit von Spanien zu fordern. Die Menschenkette zwischen El Pertús an der französischen Grenze und Alcanar im äußersten Süden Kataloniens war von der Katalanischen Nationalversammlung organisiert worden, einer einflussreichen separatistischen Bürgerinitiative. Nachmittags um 17.14 Uhr – zur Erinnerung an den Einmarsch spanischer Truppen in Barcelona im Jahr 1714 – wollten sich die Teilnehmer an den Händen fassen und die Menschenkette so vollenden.

Madrid spielt das Aufbegehren herunter

Der katalanische Ministerpräsident Artur Mas nannte die Menschenkette „eine große Demonstration des Patriotismus, des Gemeinsinns und des Engagements“. Mas selbst nahm an dieser Demonstration wegen seiner „institutionellen Rolle“ als Präsident aller Katalanen nicht teil; dafür reihten sich zehn seiner Minister in die Menschenkette ein. Sie sei ein Ausdruck „der Sehnsucht nach Freiheit, Frieden, Demokratie und sozialer Gerechtigkeit“, sagte der katalanische Regierungschef.

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy äußerte sich am Mittwoch nicht zu der neuen separatistischen Herausforderung in Katalonien. Stattdessen klagte seine Stellvertreterin, Soraya Saénz de Santamaría: „Ein Politiker kann nichts Schlimmeres tun, als die Menschen zu zwingen sich zu trennen.“ Der spanische Außenminister José Manuel García Margallo wollte die Bedeutung der Demonstration herunterspielen: Sie sei ein Ausdruck der Freiheit und zeige, „dass die Demokratie in Spanien sehr gut funktioniert“. Der Präsident des spanischen Parlaments, der Konservative Jesús Posada, drückte ein weit verbreitetes Gefühl unter den Spaniern außerhalb Kataloniens aus: „Die Katalanen gehören zu Spanien, und wir Spanier empfinden uns Katalonien verbunden. Wir müssen Formeln finden, damit sich die Katalanen besser in Spanien fühlen.

52 Prozent der Katalanen sind für eine Abspaltung

Doch immer mehr Katalanen setzen offenbar nur noch auf eine Formel: die staatliche Unabhängigkeit, die Abtrennung von Spanien. Der spanische Radiosender Cadena Ser veröffentlichte am Mittwoch die Ergebnisse einer Meinungsumfrage in Katalonien: Danach sind 52 Prozent der Katalanen eindeutig für die Abspaltung und nur 24 Prozent eindeutig dagegen. Die separatistischen Gefühle haben in Katalonien in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Eine der Ursachen dafür ist die schwere Wirtschaftskrise in Spanien. In Zeiten schmerzhafter Sparmaßnahmen missfällt es vielen Katalanen, einen Teil ihrer Einkünfte mit ärmeren spanischen Regionen teilen zu müssen.

Um den Abtrennungsprozess von Spanien voranzubringen, strebt die katalanische Regionalregierung ein Referendum über die Unabhängigkeit an. „Das Volk Kataloniens muss im kommenden Jahr über seine politische Zukunft befragt werden“, sagte Ministerpräsident Mas am Mittwoch. Er wolle „alle demokratischen und legalen Mittel“ einsetzen, um dieses Ziel zu erreichen. So leicht wird es nicht werden: Die spanische Regierung will von einer Volksbefragung in Katalonien nichts wissen. Sie beruft sich dabei auf rechtliche Argumente: Die Abspaltung einzelner Regionen ist in der spanischen Verfassung nicht vorgesehen. Ob die Abwehr eines möglichen Referendums auch politisch klug ist, steht auf einem anderen Blatt