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Kein Glück mit Optionsscheinen

BERLIN, 23. Februar. In den letzten Jahren entwickelte sich in Deutschland ein regelrechter Optionsschein-Boom. Diese Wertpapiere sind, grob betrachtet, Wetten auf zukünftige Preise. Für einen relativ kleinen Einsatz winken große Gewinne. Wer auf den steigenden Kurs der Deutschen Telekom oder auf den Verfall des Euro gesetzt hatte, der konnte 1999 sein eingesetztes Kapital vervielfachen. Renditen bis zu 1 000 Prozent sind bei einzelnen Optionsscheinen durchaus möglich. Entwickeln sich die Kurse allerdings nicht in die gewünschte Richtung, verfällt das eingesetzte Kapital. Und das ist meistens der Fall. Für die Banken und Broker laufen die Geschäfte mit den Optionsscheinen immer noch hervorragend. Allein 1999 boten sie rund 12 000 verschiedene Scheine an, für das Jahr 2000 darf mit einem ähnlichen Volumen gerechnet werden.94 Prozent Verlust seit 1990Mehr als ein Dutzend spekulativer Optionsscheinfonds werden in Deutschland wohl kaum gehandelt. Das ist kein Wunder, denn ihre Performance ist zumindest langfristig desaströs. Über 94 Prozent Verlust produzierte etwa der auf den japanischen Markt konzentrierte K+W Universal Fonds OS in zehn Jahren. Zwischen 1990 und 1999 erreichte er überhaupt nur zweimal ein positives Jahresergebnis. Aber auch breiter anlegende Fonds, wie der CC Universal Optionsscheinfonds, warten nicht mit akzeptablen Ergebnissen auf. Von 1000 Mark, die 1992 investiert wurden, blieben bis 1999 nur etwas mehr als 600 Mark. Einzelne Gewinne sind aber auch bei den Optionsscheinfonds möglich. So hat der K+W unerschrockenen Anlegern 1999 ein Plus von über 200 Prozent gebracht, weil die japanischen Aktienmärkte sich erholt haben. Noch besser lief es für den Invesco Nippon Warrant Optionsscheinfonds, der ebenfalls vom Japan-Boom profitieren konnte.Weil die Durststrecken zwischen den Erfolgserlebnissen aber so lang sind, geraten die Optionsscheinfonds über kurz oder lang in die Verlustzone. Ihr Problem ist, dass sie einerseits als Fonds eine längerfristige Anlage sind; für kurzfristige Investitionen stellen schon die sechs Prozent Ausgabeaufschlag des K+W Universal eine zu hohe Hürde dar. Aber langfristig können auch Experten mit Optionsscheinen keine Gewinne machen. Dazu braucht es außerordentliche Kursschwankungen, sehr seltene und schwer vorhersehbare Ereignisse.