blz_logo12,9
Berliner Zeitung | Kinder sollen in ihrem Zimmer Ruhe und gleichzeitig Anregung finden. Das verlangt den Eltern einiges Geschick bei der Gestaltung ab: Raum zum Toben, Raum zum Lernen
09. January 2010
http://www.berliner-zeitung.de/15005510
©

Kinder sollen in ihrem Zimmer Ruhe und gleichzeitig Anregung finden. Das verlangt den Eltern einiges Geschick bei der Gestaltung ab: Raum zum Toben, Raum zum Lernen

Gerade jetzt im Winter, wenn es draußen kalt und matschig ist, hält sich der Nachwuchs häufiger als sonst im Kinderzimmer auf. Da ist es besonders wichtig, dass ihr kleines Reich auch nach ihren Bedürfnissen eingerichtet ist -und zudem die nötige Abwechslung bietet, damit auch an langen, dunklen Nachmittagen keine trübe Stimmung aufkommt. Dabei gilt es jedoch, das richtige Maß zu halten."Ganz wichtig ist, dass der Raum für die Kinder nicht überfrachtet wird," sagt Margit Franz, erfahrene Diplompädagogin und Co-Autorin des Fachbuchs "Raumgestaltung in der Kita". Das fängt schon bei der Wahl der Farben an. Knallbunte oder mit auffälligen Mustern versehene Tapeten, Teppiche und Vorhänge können leicht zu einer Reizüberflutung führen. Gerade bei kleineren Kindern sollte man sich für Pastellfarben entscheiden: "Das Kinderzimmer soll eine Art Höhle, ein Schutzraum für die Kinder sein. Weiße oder knallbunte Wände sind dem eher widerläufig", so Margit Franz.Die Spielecke vom übrigen Raum trennenBei der farblichen Gestaltung müsse man auch die Doppelfunktion des Raums als Schlaf- und Aktionsbereich berücksichtigen. So kann um das Bett herum ein zartes Hellblau oder Hellgrün Verwendung finden, während im Spielbereich aktivere Farben sinnvoll sind. Auch hier darf jedoch nicht zu viel gemixt werden. "Die verschiedenen Teilbereiche des Zimmers sollten formal und optisch voneinander getrennt sein, etwa indem man ein Material- und Farbkonzept wählt und es konsequent durchzieht", sagt Cora Bojahr. Die Innenarchitektin hat sich auf die Gestaltung von Kinderzimmern spezialisiert. "Die verschiedenen Bereiche des Zimmers müssen durch eine klare Struktur leicht unterscheidbar sein." So kann etwa ein anders farbiger Bodenbelag die Spielecke visuell vom übrigen Raum trennen, ohne den Raum zu überfrachten.Auch die ideale Beleuchtung des Kinderzimmers spiegelt die Doppelfunktion wieder. "Sinnvoll ist etwa ein Dimmer, damit die Lichtsituation den jeweiligen Erfordernissen angepasst werden kann", meint Margit Franz. So eignet sich eine Nachttischlampe lediglich für das Vorlesen der Gute-Nacht-Geschichte, während für konzentriertere Tätigkeiten, etwa den Zusammenbau eines Puzzles, eine Arbeitslampe erforderlich ist. Eine Deckenleuchte kommt beim Aufräumen und Spielen zum Einsatz.Da Kinderzimmer oft nur begrenzten Platz bieten, sind kreative Stauraum-Lösungen gefragt -und selbst der Klassiker Hochbett lässt sich noch verfeinern. "Anstelle einer Leiter kann man eine kleine Treppe installieren, deren Stufen mit Schubladen versehen sind", empfiehlt Margit Franz. Das spare nicht nur Platz, sondern eröffnet dem Kind auch neue Spielmöglichkeiten: "Es kann die Stufen als Sitzfläche nutzen und der Raum unter dem Bett wird, bestenfalls unterstützt von warmen Farben und einem verschiebbaren Vorhang, sein neuer Spielbereich." Zudem grenzt sich ein Hochbett bereits rein optisch vom restlichen Raum ab. "Da das Schlafen auf einer anderen Ebene stattfindet, kann das Kind leichter zur Ruhe kommen. Unterstützen kann man das zusätzlich durch einen Himmel", sagt Cora Bojahr. Die Lösung ist natürlich nur von Vorteil, wenn sich der Nachwuchs in einem Hochbett auch wohlfühlt.Klettergerüste gehören auf den SpielplatzDie Installation einer Tobefläche oder Rutsche im Kinderzimmer ist hingegen problematisch: "Wenn man das will, sollte man flexible Elemente benutzen, die man bei Bedarf umbauen oder entfernen kann", meint Franz. Denn eine Rutsche oder ähnliche Angebote im Kinderzimmer werden schnell langweilig und lassen der kindlichen Fantasie keinen Raum. "Allein schon aus Platzgründen ist eine Rutsche im Kinderzimmer nicht empfehlenswert", findet auch Cora Bojahr. "Zudem wird eine Rutsche meistens mit einem Hochbett kombiniert, was die klare Trennung von Schlaf- und Aktionsbereich unterwandert und eine gewisse Unruhe entstehen lässt."Das Kinderzimmer soll vielmehr als Bühne für die Kreativität, Fantasie und Konzentration des Kindes fungieren. Fertige Produkte, die den eigenen Ideen und Experimenten der Kinder keinen Raum lassen, sollten die Eltern lieber nicht anschaffen, betonen beide Expertinnen.Bei einer Faustregel für die Gestaltung des Kinderzimmers sind sich die Innenarchitektin und die Diplompädagogin ebenfalls einig: weniger ist mehr. Das Kinderzimmer kann ohnehin nicht alle Facetten des kindlichen Heranwachsens abdecken und sollte kein vollgestopfter Indoor-Spielplatz sein, sondern mit klaren Strukturen arbeiten. Und auch im Winter kann ein Ausflug zum Spielplatz an der frischen Luft nicht schaden: Denn wer will schon einen Schneemann im Kinderzimmer bauen?------------------------------Mehr PlatzTafel und TischEine mit Scharnieren versehene Platte kann als Basteltisch dienen, die man bei Bedarf einfach an die Wand klappt. Streicht man die Unterseite zusätzlich mit Tafelfarbe, lässt sich die Platte hochgeklappt auch als als Malgrund nutzen.HochbettFür zusätzlichen Stauraum montiert man das Hochbett auf stabile Schränke oder Regale. Der Platz darunter eignet sich zudem für eine extra Matratze, auf der das Kind Bücher lesen oder auf der Freunde übernachten können.SpielsachenSelten benutzte Spielsachen darf man ruhig im Keller statt im Kinderzimmer lagern. Für alles andere eignen sich meist an der Wand gestapelte Kisten besser als Regale, da sie gleichzeitig als Sideboard oder Sitzbank dienen können.------------------------------Foto: Geschickte Doppelnutzung: Unter dem Hochbett ist Platz für Stauraum, einen Schreibtisch oder -wie in diesem Fall -eine Gästematratze.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?