blz_logo12,9
Berliner Zeitung | Klar zum Start: GROSSFLUGHAFEN - Der Weg zu Ausbau und Privatisierung Schönefelds ist frei. Doch noch sind nicht alle Probleme gelöst. Experten bewerten die Erfolgschancen von BBI skeptisch.
29. August 2002
http://www.berliner-zeitung.de/15962772
©

Klar zum Start: GROSSFLUGHAFEN - Der Weg zu Ausbau und Privatisierung Schönefelds ist frei. Doch noch sind nicht alle Probleme gelöst. Experten bewerten die Erfolgschancen von BBI skeptisch.

Der Weg zum Großflughafen ist bereitet, nun beginnt die Arbeit im Detail. An diesem Donnerstag wollen Berlin, Brandenburg, der Bund und die Firmen IVG sowie Hochtief ihre Einigung bekannt geben. Bis südöstlich Berlins die ersten Reisenden über den "Skywalk" zu ihren Flugzeugen gelangen, werden noch einige Jahre vergehen. Viele Fragen sind inzwischen aber geklärt.Welche Bedeutung hat der "Letter of Intent", den die Verhandlungspartner jetzt unterzeichnen wollen? Die Absichtserklärung dokumentiert, dass die Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF) zu hundert Prozent privatisiert und an die BBIP übertragen wird, die von IVG und Hochtief geführt wird. Bund und Länder ziehen sich aus den drei bestehenden Berliner Flughäfen zurück. Die Investoren übernehmen den Ausbau Schönefelds zu Berlin Brandenburg International (BBI) und dessen Betrieb. Der "Letter of Intent" ist aber kein Vertrag, der die Unterzeichner im engen juristischen Sinn bindet. Die Einzelheiten werden noch in einem "konkreten Vertragswerk" festgehalten, heißt es. Die Verhandlungen sollen bis 30. November abgeschlossen werden. Danach müssen die Landesparlamente entscheiden. Wann wird das erste Flugzeug auf dem Großflughafen BBI starten? Bislang hatten die Planer darauf beharrt, dass am 30. November 2007 das erste Flugzeug abhebt. Nun erwarten sie, dass der BBI 2009 eingeweiht wird. Seit 1999 läuft das Planfeststellungsverfahren, an dessen Ende die Baugenehmigung stehen soll. Doch angesichts der Umweltbelastungen, die der Flughafen verursacht, ist damit zu rechnen, dass Anlieger vor das Bundesverwaltungsgericht ziehen. Im Anhörungsverfahren hatten 67 000 Bürger und zweihundert Institutionen fast 134 000 Einwendungen eingereicht. Wie die Richter entscheiden, ist nicht absehbar. Klar ist nur: Mit Verzögerungen ist zu rechnen. Darum gehen die Verhandlungspartner davon aus, dass der Planfeststellungsbeschluss (die Genehmigung) nicht wie geplant 2003, sondern 2004 vorliegt. Danach soll 61 Monate lang gebaut werden. Wie soll der Flughafen aussehen? "Der BBI wird kompakt und Platz sparend gebaut - auf 1 470 Hektar Fläche", teilt die Projektplanungsgesellschaft Schönefeld mit. Zum Vergleich: Der Flughafen Frankfurt am Main dehnt sich auf rund 1 900 Hektar aus. Die bestehende südliche Start- und Landebahn wird auf 3 600 Meter verlängert. Südlich davon entsteht eine 4 000 Meter lange Piste. Dazwischen wird das Abfertigungsgebäude, der Terminal, errichtet. Wie wird BBI erreichbar sein? Der Bund hat damit begonnen, eine sechsspurige Autobahn von Neukölln nach Schönefeld zu bauen. Er trägt den Großteil der Kosten, allein in Berlin rund 390 Millionen Euro. 2006 soll die A 113 (neu) fertig sein. Entlang des Teltowkanals verbindet sie den Stadtring mit dem Schönefelder Kreuz. Unter dem Flughafen entsteht ein Ost-West-Bahntunnel. Dort rollen die S-Bahn und der "Airport-Express", der 20 Minuten zum Lehrter Bahnhof braucht und danach Potsdam ansteuert. Für den Shuttle muss die 1952 stillgelegte Dresdener Bahn wieder aufgebaut werden. Einen Streitpunkt haben die BBF-Gesellschafter gelöst: Der Bund finanziert das fast 500 Millionen Euro teure Projekt allein. Außerdem signalisierte er Anliegern in Lichtenrade, dass dort zwecks Lärmschutz ein Tunnel gebaut wird. Die einst angeregte Verlängerung der U-Bahn-Linie 7 ist dagegen vom Tisch: Die geringe Nachfrage rechtfertige die Kosten nicht, so der Senat. Was wird BBI voraussichtlich kosten?Der Flughafenausbau wird nun auf 1,7 Milliarden Euro geschätzt, 400 Millionen Euro weniger als bisher. An der Umsiedlung von Bürgern nach Diepensee beteiligen sich die Investoren mit rund 40 Millionen Euro, am Lärmschutz mit bis zu 97 Millionen Euro, ander Altlastenbeseitigung mit zirka 25 Millionen Euro. Die Gesamtkosten für das Projekt BBI inklusive Verkehrswege werden auf drei bis vier Milliarden Euro veranschlagt. Die Investoren zahlen dem Staat für die Holding 290 Millionen Euro. Müssen sich die Passagiere beteiligen? Die Flughafenentgelte sollen angehoben werden - zunächst zum 1. April 2003 um drei Euro für jeden Passagier, der in Berlin abfliegt. Wenn der BBI eröffnet wird, soll diese Abgabe auf 5,10 Euro steigen. Dabei seien die "Marktverhältnisse und die Entgeltentwicklung konkurrierender Flughäfen" berücksichtigt worden, heißt es. Die Fluggesellschaften müssten diesen Betrag abführen. Entweder tragen sie ihn selbst oder sie schlagen ihn auf die Ticketpreise auf. "BBI muss nicht nur für die Investoren, sondern auch für uns bezahlbar sein", sagt Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber. "Mit solchen Entgelten lockt man keine Fluglinien an - man schreckt sie ab." Was geschieht mit den innerstädtischen Flughäfen Tegel und Tempelhof?Der Beschluss, den Berlin, Brandenburg und der Bund 1996 gefasst haben, gilt. Tempelhof wird dicht gemacht, sobald es eine rechtskräftige Baugenehmigung für BBI gibt - also alle Gerichtsverfahren durchgestanden sind. Tegel soll kurz nach der Eröffnung von BBI folgen.CHRONIK // Dezember 1991: Gründung der Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF). Gesellschafter: Berlin und Brandenburg mit je 37 und der Bund mit 26 Prozent.November 1994: Ein Raumordnungsverfahren ergibt, dass Sperenberg und Jüterbog geeignete Standorte für den neuen Airport Berlin Brandenburg International (BBI) wären. Diese Lösung berücksichtige die "Belange der Menschen und der Umwelt".Mai 1996: Die BBF beschließt die "qualifizierte Ertüchtigung" Schönefelds. Brandenburg hatte dem Druck Berlins und des Bundes nachgegeben.Juni 1998: Nachdem 20 Unternehmen und sieben Konsortien Interesse hatten, reichen zwei Konsortien Angebote ein: eine Firmengruppe um den Bonner Immobilienkonzern IVG und eine um den Baukonzern Hochtief.November 1999: Die Flughafen GmbH reicht beim Landesamt für Verkehr und Straßenbau den Planfeststellungsantrag ein.Oktober 2000: Nach Streit um das Vergabeverfahren einigen sich die Konkurrenten auf Vorschlag des Oberlandesgerichtes auf einen Vergleich: Übrig bleibt ein einziges Konsortium namens BBI Partner.April 2001: Start der Anhörungen mit Ämtern, Gemeinden und Bürgern. Es liegen 134 000 Einwendungen vor.Juli 2001: Das Konsortium gibt sein Angebot zur Privatisierung der BBF sowie zum Bau und Betrieb von BBI ab. Nach Protesten wird die Offerte aufgestockt.August 2002: Eine Absichtserklärung wird unterzeichnet. Geplante Eröffnung ist nun 2009.Foto: BERLINER ZEITUNG/KAY HERSCHELMANN Berlin Schönefeld - einst Tor der DDR zur Welt. Nun wollen Investoren den Airport zum internationalen Großflughafen ausbauen.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?