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Klaus Wolenski baut in Töplitz bei Werder Wein an. Von diesem Jahr an keltert er auch selbst - als Erster in Brandenburg: Vom Beamten zum Winzer

TÖPLITZ. Mit der Schaufel rührt Klaus Wolenski die Maische im grünen Trog um. Es blubbert und schäumt, als würde Rotwein mit dem Mixer aufgeschlagen. Oben schwimmen die Traubenschalen, die in den vier Tagen seit der Ernte schon die meiste Farbe an den Most abgegeben haben. Rotwein der Sorte Regent soll daraus werden, "ich schätze mal 6000 Liter", sagt Wolenski und fügt hinzu: "Der kommt heute noch in die Presse."Für den Winzer aus Neu-Töplitz, einem Ortsteil von Werder, ist das eine Premiere - für ihn und ganz Brandenburg. Nirgends sonst im Land wird bisher Qualitätswein gekeltert. Wie der zweite Werderaner Weinbauer brachte Wolenski seine Ernte nach Sachsen-Anhalt, um sie weiterverarbeiten zu lassen. "Wir haben die Trauben nach Naumburg gefahren, aber gut bekam ihnen das nicht", sagt er.Doch damit ist nun Schluss. Um endgültig sein eigener Herr zu sein und dem lästigen Papierkram zu entgehen, hat Wolenski beschlossen, vom bloßen Weinbauern zum Winzer mit eigenem Keller zu werden. In einen Wirtschaftsraum stellte er 20 Edelstahltanks und eine Abfüllanlage. "Die war das Teuerste", sagt er, für das gebrauchte Stück hat er 40 000 Euro bezahlt. Wie fast alles, was er für die Kelterei braucht, von der Hefe bis zu Maschinen, kommt die Anlage aus Rheinland-Pfalz. "Wenn ein Teil kaputt geht, muss ich runter fahren und es da kaufen", sagt Wolenski.Mit Neuanfängen kennt sich der 62-Jährige aus. In seiner Heimat Spandau arbeitete er als Verwaltungsbeamter, dann für den Berliner Senat. Über diese Zeit redet Wolenski nicht viel. Er ließ die Akten sein, machte sich selbstständig und gründete mit 50 Jahren in Töplitz einen Reiterhof. Vor fünf Jahren erst bepflanzte er den Alten Weinberg wieder mit Reben.Der Name bestehe seit 600 Jahren, sagt Wolenski, die Zisterzienser-Mönche hätten hier schon Wein angebaut. "An die Tradition anzuknüpfen, das ist schon ein tolles Gefühl." Ihm selbst steckt der Weinbau im Blut. Sein Großvater kelterte in Dieblich an der Mosel. "Das macht 30 Prozent, je weitere 30 Prozent sind angelesen und angetrunken", erklärt Wolenski seine Qualifikation. Und die restlichen zehn Prozent? "Die trinke ich mir auch noch an." Mit dem grauweißen Schnauzbart und dem Holzfällerhemd macht er den Eindruck, als sei er nach langer Suche angekommen.Vom Weinberg geht der Blick hinüber nach Phöben und Schmergow. Am Himmel kreischen Wildgänse, unten grasen Kühe. Dazwischen wachsen die Rebstöcke auf einer Erhebung, die wohl nur im deutschen Flachland als Berg durchgeht. Doch Wolenski lobt den Hang: "Die Lage ist optimal, das Klima günstig."An Sonnenstunden übertreffe die Gegend sogar bekannte Weinregionen wie Hessen oder Rheinland, sagt er. Und anders als dort stünden seine Reihen weiter auseinander, das gibt zusätzlich Licht und lässt die Reben nach Regen schneller trocknen - gut gegen Pilzbefall. Dass der Boden von Mergel über Sand zu Lehm wechselt, mache den Rebstöcken nichts aus. "Wein wächst wie Unkraut", sagt Wolenski und lacht. Fast drei Hektar Anbaufläche hat er, damit zählt er in Brandenburg zu den größten Weinproduzenten. Und die können anders als Getreide- und Obstbauern dieses Jahr nicht klagen. "Wahnsinnsmenge, Wahnsinnsqualität", verkündet Wolenski stolz. Die Ernte 2011 ergebe wohl 25 000 Flaschen.Die Arbeit teilt er sich mit seiner Frau Renate, Tochter Lara kümmert sich um die Pferdedressur. Seinen Rot- und Weißwein gibt es nur in der hofeigenen Besenwirtschaft; auch beim Absatz will Wolenski sein eigener Herr sein. Ausflügler bevölkern bei schönem Wetter die Holztische. Wolenski weiß die seltene Chance, als Winzer zu arbeiten, zu schätzen. "In meiner Generation werde ich damit keinen Gewinn machen."In Brandenburg sind 1 069 200 Erwerbstätige gemeldet. In einer Serie stellen wir ungewöhnliche Jobs in loser Folge vor.------------------------------Edles aus EicheDas Weingut Klosterhof in Töplitz baut weiße und rote Rebsorten an: Grau- und Weißburgunder, Riesling, Bacchus, Saint Laurent und Regent.Der Wein wird in Stahltanks ausgebaut, ein Teil der Regent-Lese auch in Eichenfässern. Darin lagert der Wein ein weiteres Jahr lang und nimmt dadurch das Aroma des Holzes an.Mit fast drei Hektar bewirtschaftet das Gut im nördlichen Werder knapp ein Siebtel der gesamten Anbaufläche im Land. 30 Hektar dürften in Brandenburg nach EU-Vorgaben mit Reben bepflanzt werden, bisher sind es rund 22 Hektar.------------------------------Foto: Gären für die rote Farbe: Im Maische-Trog schwimmen die Trauben der Sorte Regent. 25000 Flaschen Wein soll die Ernte 2011 ergeben.



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