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Klimawandel: Gletscher-Experte aus Potsdam

Andrey Ganopolski erforscht das Weltklima.

Andrey Ganopolski erforscht das Weltklima.

Fortschritt ist das Motiv, das einen Klimaforscher antreibt. Das sagt der Physiker Andrey Ganopolski vom Potsdam-Institut für Klimafolgeforschung (PIK). Grundsätzliche Debatten über naturwissenschaftliche Fragen seien natürlich wichtig. Aber bei der Klimaentwicklung gibt es für ihn keinen Zweifel: „Der Klimawandel ist Realität, und er ist vom Menschen gemacht.“ Der 54-jährige Ganopolski entwickelt Modelle, die diesen Wandel so anschaulich wie möglich abbilden sollen.

An diesem Montag beginnt in Kopenhagen der fünftägige Gipfel des Weltklimarats IPCC. Die Delegierten wollen den IPCC-Synthese-Bericht verabschieden, der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Lösungsvorschläge für den Kampf gegen den Klimawandel aufzeigen soll. Grundlage für diese Synthese ist der IPCC-Report, ein mehrere Tausend Seiten umfassendes Werk, das im Laufe des vergangenen Jahres der Öffentlichkeit vorgestellt worden ist. Ganopolski ist einer von rund 600 Autoren des IPCC-Reports. Im Erstellen dieses Berichts sieht er eine der wichtigsten Aufgaben des Weltklimarats. Es gehe darum, die Menschen zu informieren.

„Wir müssen praktische Fragen beantworten“, sagt Ganopolski. „Uns stehen einerseits Langzeitbeobachtungen des Wetters zur Verfügung, die über mehr als hundert Jahre reichen. Aber nur mit den Möglichkeiten der heutigen Technik können wir den Klimawandel nachvollziehen.“ Ganopolski leitet am PIK eine Arbeitsgruppe, die versucht, durch Simulationen herauszufinden, welche Rolle die Eisschilde für den Klimawandel spielen. Das klingt abstrakt, aber wenn man bedenkt, dass höhere Temperaturen das Eis der Gletscher weltweit schmelzen lassen und dass die dabei aus dem Eis austretenden Treibhausgase wiederum zu höheren Temperaturen führen könnten, erschließt sich der praktische Nutzen.

Die Liebe zum Fortschritt hegt Ganopolski seit seiner Kindheit. Er ist geboren und aufgewachsen in Semionov, einem kleinen Ort mehrere hundert Kilometer östlich von Moskau, in dem vornehmlich Wissenschaftler lebten. Sein Vater ist promovierter Chemiker. Ganopolski entschied sich für Physik, als er zwölf Jahre alt war. „Der Grund war eine Dokumentation über den Mars im Fernsehen“, erzählt er. Im Studium an der Moskauer Staatsuniversität interessierte ihn die physikalische Ozeanografie dann allerdings viel stärker. „Klimafragen waren schon früh Bestandteil meines Studiums“, sagt er. „Auch wenn solche Fragen vor 30 Jahren nicht so wichtig erschienen wie heute.“ Nach dem Zerfall der Sowjetunion ging er nach Österreich, seit 1994 arbeitet er in Potsdam am PIK. Als Gastdozent hielt er Vorträge an Universitäten in Australien genauso wie in China.

Wenn man die Lebensstationen von Ganopolski betrachtet, könnte man meinen, dass Fortschritt und globales Verständnis zwingend zusammen gehören. Er selbst wird nicht an dem Treffen in Kopenhagen teilnehmen. Aber er erwartet gespannt, was die Teilnehmer beschließen – und hofft auf Fortschritt.


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