29.11.2011

Afrika: Das Wetter spielt verrückt

Von Martina Doering
Trockene Erde: Ein Bauer pflügt seinen Acker in Asagirt, Äthiopien.
Trockene Erde: Ein Bauer pflügt seinen Acker in Asagirt, Äthiopien.
Foto: dpa
Addis Abeba –  

Der Klimawandel lässt sich nicht aufhalten, auch im Hungerland Äthiopien nicht. Aber man kann die Bauern darauf vorbereiten. Und man kann versuchen, die Wälder wieder aufzuforsten. Das kostet allerdings Geduld - und Geld.

500 Kilometer östlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba liegt die Hoffnung. Kurz hinter Doba, der Distrikthauptstadt der Region Oromia, etwas abseits der von Chinesen gebauten Schnellstraße und nur über unbefestigte Wege zu erreichen. Ein Feld, voll von erntereifen Sorghum-Pflanzen. Zwischen den Pflanzen steht Bauer Ahmed Adam, sorgsam prüft er das Getreide. Es ist sein Feld, seine Ernte. Sorghum ist eine Hirse-Art und das Hauptnahrungsmittel in der Region. Das Feld ist eine halbe Stunde zu Fuß von Adams Dorf Wedessa entfernt.

Hier, in Zentral-Äthiopien, kam der Regen erst später als gewöhnlich, dann fiel er zu üppig aus. Die traubenartigen Büschel mit den kleinen Sorghum-Körnern sind klein. „Nichts ist mehr an seinem Platz, das Wetter spielt verrückt“, sagt Adam. Mal gebe es zu viel, dann wieder keinen Regen. Das Wasser komme zu spät oder zu früh. Feld und Dorf liegen in den Ausläufern des äthiopischen Hochlandes, auf rund 1400 Metern Höhe, umgeben von Bergzügen.

In der Ferne sieht man ihre Gipfel, von braun-grauem Grasfilz überzogen, an einigen Stellen bricht nackter Fels durch die Decke. Nur ein paar Schirmakazien und dornenbewehrte Büsche haben dort erfolgreich der Trockenheit und den Ziegen und Schafen getrotzt.

Neuer Wald wächst heran

Die Berge um das Dorf von Bauer Ahmed Adam sehen anders aus. Grün, von Sträuchern und jungen Bäumen bedeckt. „Vor zwei Jahren beschloss unser Dorfkomitee, das Gelände 1200 Meter vom Gipfel abwärts für unsere Tiere und den Sorghum-Anbau zu sperren“, erzählt Adam. Danach hätten sie dort gemeinsam Terrassen angelegt, Steine aufgeschichtet und Bäume und Büsche gepflanzt.

Klimawandel: Wenn das Wetter verrückt spielt

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Früher, sagt er, waren alle Bergzüge mit einem dichten Wald bedeckt. Zwanzig Jahre sei das her, er sei damals noch ein junger Mann gewesen. „Jetzt wächst ein neuer Wald heran. Die Erde ist wieder feucht, wir müssen nicht so tiefe Brunnen graben und der Fluss führt auch in Trockenzeiten länger Wasser“, sagt der heute 48-Jährige. Die Sorghum-Ernte falle in trockenen Jahren wie diesem zwar geringer aus. Aber er, seine Frau und seine sechs Kinder seien trotzdem nicht mehr auf monatelange Unterstützung der Regierung angewiesen.

Aufgeblähte Bäuche

Seit der Dürrekatastrophe von 1984 gilt Äthiopien vielen als das Hungerland schlechthin. Damals tauchten Bilder aus der Amhara-Region im Fernsehen und den Zeitungen der westlichen Welt auf. Ausgemergelte Kinder mit aufgeblähten Bäuchen und riesigen Köpfen. Mütter mit schlaffen Brüsten, ein sterbendes Baby im Arm. Dürre Gestalten neben toten Ziegen. Aufgerissener, trockener Ackerboden.

Seither gab es keine Katastrophe diesen Ausmaßes mehr. Die Folgen der Dürre, die in den vergangenen Jahren herrschte und in diesem Sommer die Schlagzeilen bestimmte, fielen längst nicht so gravierend aus wie in den Nachbarländern Kenia, Somalia oder Sudan. Sicher: Die Menschen in diesem Land sind immer nur eine Regenzeit von der nächsten Katastrophe entfernt.

Äthiopien ist weiterhin einer der weltweit größten Nahrungsmittelhilfe-Empfänger. 4,5 Millionen der etwa 80 Millionen Einwohner hängen von Nothilfe ab. 7,5 Millionen brauchen Ernährungsrationen, bekommen also regelmäßig Reis, Mais und Öl. Jedes zweite Kind im Land ist auch in „normalen“ Zeiten chronisch unterernährt. Trotzdem sorgten ein gutes Frühwarnsystem und ein effizientes Katastrophen-Management dafür, dass sich anbahnende Hungersnöte schnell erkannt werden und Hilfe anläuft.

"Ich bin jetzt reich."

Bauer Ahmed Adam vereint diese widerstrebenden Seiten seines Landes in sich. Das schwere Leben der letzten Jahrzehnte hat tiefe Falten in sein Gesicht gegraben. Sein Hemd ist zerschlissen, der Strohhut zerfetzt und die Hose drei Nummern zu groß. Doch zugleich wird sie von einem Gürtel zusammengehalten, dessen Schnalle ein goldfarbenes, handtellergroßes Dollarzeichen ziert. Sein zerfurchtes Gesicht strahlt Zufriedenheit aus.

„Ich habe im letzten Jahr trotz wenig Regen mehr geerntet. Vor allem aber baue ich jetzt noch Erbsen an. Und allein damit habe ich im vergangenen Jahr zusätzlich 5000 Birr, etwa 220 Euro, verdient,“ sagt der Bauer. „Davon habe ich mir einen Ochsen und eine Kuh kaufen. Ich bin jetzt reich.“

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