Klimawandel

Klimawandel in der Arktis: Polareis schmilzt stärker als je zuvor

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Der Rückgang des arktischen Polareises, aufgenommen von einem Nasa-Satelliten.
Der Rückgang des arktischen Polareises, aufgenommen von einem Nasa-Satelliten.
Foto: Nasa

Alarmierende Zahlen aus den USA: Forscher haben festgestellt, dass das Eis in der Arktis in diesem Sommer so stark geschmolzen ist wie noch nie zuvor. Die dramatische Schmelze könnte extreme Wetterlagen auslösen

Das Nordpolarmeer als Region des ewigen Eises? Das könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Denn US-Forscher haben festgestellt, dass die Eisschmelze in der Arktis dieses Jahr ein Rekordhoch erreicht hat. Die Eisdecke sei bis zum vergangenen Sonntag auf 4,1 Millionen Quadratkilometer zurückgegangen, berichtete das Nationale US-Schnee-und-Eis-Datenzentrum. Das sei der niedrigste Wert seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen im Jahr 1979.

Die Forscher gehen davon aus, dass das Polareis in den nächsten zwei bis drei Wochen noch weiter schmelzen werde. Dabei wurde der bisherige Tiefststand aus dem Jahr 2007 bereits um jetzt 27.000 Quadratkilometer unterschritten.

Den Wissenschaftlern zufolge ist dies ein neuer Rekord in einer seit 30 Jahren andauernden Entwicklung. "Für sich genommen ist das nur eine Zahl, doch im Zusammenhang mit den Entwicklungsdaten der letzten Jahre ist es ein Signal dafür, dass sich die Eisdecke in der Arktis fundamental verändert", sagt US-Forscher Walt Meier.

Treibhausgase sind die Ursache

Die Ursache sehen die Wissenschaftler im vom Menschen verursachten Klimawandel. Zwar gebe es neben den Treibhausgasen, die für die Erwärmung verantwortlich sind, auch natürliche Ursachen, etwa einen Sturm im August, der Teile der Eisdecke zerstörte. Doch der dramatische Rückgang in den vergangenen zehn Jahren weise ein Muster auf, dass nur durch die Klimaerwärmung erklärbar sei.

Die Wissenschaftler fürchten, dass die extreme Eisschmelze Auswirkungen auf das Wetter auch außerhalb der Polarregion hat. "Dieses Eis war ein wichtiger Faktor bei der Entstehung der Klima- und Wetterbedingungen war, unter denen die moderne Gesellschaft sich entwickelt hat“, sagte Nasa-Chefwissenschaftler Waleed Abdalati.

Dürren und Hochwasser

So könnte die Eisschmelze dazu führen, dass im Rest der Welt verstärkt Wetterextreme wie Dürren, Hochwasser oder strenge Kälteperioden auftreten. Kürzlich veröffentlichte US-Studien kommen zu dem Schluss, dass Wetterextreme wie sommerliche Hitzewellen und starke Kälteeinbrüche im Winter durch die Erwärmung der Arktis verursacht werden können. Die Wärme im Polarmeer verändert die Zirkulation in der Atmosphäre. Dadurch fallen etwa westliche Winde schwächer aus, der nord-südwärts gerichtete Luftaustausch über den mittleren Breitengraden - etwa in Mitteleuropa - nimmt zu, und damit auch das extremere Wetter.

Auch dafür, dass die Eisschmelze von Menschen verursacht wird, gibt es inzwischen zahlreiche Belege. Erst im Mai hatten Forscher des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in einer Studie einen klaren Zusammenhang zwischen der Schmelze und dem Anstieg der Treibhausgase festgestellt. Natürliche Faktoren wie Sonnenstrahlung, Vulkanausbrüche oder veränderte Windmuster konnten sie dagegen als Ursache ausschließen. Die Forscher konnten darüber hinaus nachweisen, dass sich der Rückgang des arktischen Meereises nicht selbst verstärkt.

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