Vor 50 Jahren: Nothilfe an einem gebrochenen Deich.
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Vor 50 Jahren: Nothilfe an einem gebrochenen Deich.
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Die Hamburger Sturmflut von 1962 und ihre Lehren für den Umgang mit dem Klimawandel: Eine Studie hat untersucht, wie viel Geld gespart und Menschenleben gerettet wurden durch Schutzmaßnahmen.
Es war der Tag, der Helmut Schmidts Image als „Macher“ prägte. Der Ex-Bundeskanzler, damals Hamburger Innensenator, flog mit dem Hubschrauber über das Krisengebiet, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen. „Da saßen Tausende auf den Dächern ihrer Lauben, die, wenn wir nicht sofort handelten, ertrinken oder erfrieren würden“, erinnerte der SPD-Politiker sich später.
Damals, am 17. Februar 1962, stand nach einer Jahrhundert-Sturmflut mit einem Wasserstand von 5,70 Meter über Normalnull knapp ein Sechstel des Hamburger Stadtgebietes unter Wasser, und es gab bereits viele Tote, besonders in den Stadtteilen Wilhelmsburg und Waltershof.
Hife zugesagt
Die Industriestaaten haben den Entwicklungsländern vor drei Jahren auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen Hilfen für Klimaschutz zugesagt. Es geht um Hilfen für Deichbau, veränderte Landwirtschaft, Anpassung der Infrastruktur. Nach einer „Soforthilfe“ von 30 Milliarden Dollar für die Jahre 2010 bis 2012 sollen die Zahlungen bis 2020 auf jährlich 100 Milliarden Euro wachsen. Dafür soll ein „Green Climate Fund“ eingerichtet werden. Aus welchen Quellen die Mittel kommen sollen, ist derzeit allerdings offen. Diskutiert wird unter anderem darüber, Abgaben aus dem internationalen Flug- und Schiffsverkehr zu nutzen. Auch die Versicherungswirtschaft hat angekündigt, einen Beitrag zu leisten. Die von Munich Re ins Leben gerufene Munich Climate Insurance Initiative schlägt einen internationalen Versicherungspool vor, der Verlustrisiken in besonders verwundbaren Entwicklungsländern abdecken würde und anderseits Hilfen zur Etablierung von öffentlich-privaten Versicherungssysteme gibt, die Risiken in diesen Ländern abdecken.
Schmidt bewährte sich damals nicht nur als Krisenmanager, in dem er – obwohl eigentlich gar nicht dazu befugt – Hubschrauber der Bundeswehr und der Royal Air Force sowie Nato-Pioniertruppen zur Nothilfe anforderte. Er drängte später auch darauf, Hamburg sturmflutsicher zu machen. Bei der Monsterflut von 1962 waren die Elbdeiche an 60 Stellen gebrochen, 318 Menschen starben, und es entstanden laut dem Rückversicherer Munic Re Schäden in Höhe von, nach heutigem Geldwert, rund 1,6 Milliarden Euro. „Es war uns klar, dass so etwas nie wieder passieren dürfte. Deshalb hat Hamburg in den folgenden Jahren und Jahrzehnten massiv in Hochwasserschutz investiert“, erinnerte sich Schmidt später.
Das war sehr erfolgreich und könnte eine Blaupause dafür sein, wie künftig mit der Bedrohung durch den steigenden Meeresspiegel umgegangen werden sollte. Viermal ist Hamburg seither von Sturmfluten getroffen worden, die das Wasser in der Elbe noch höher trieben als 1962, zuletzt 1999 mit knapp sechs Metern über Normalnull. Nur einmal, 1976, kam es dabei zu begrenzten Schäden, im Hafen-Bereich.
Tausende Menschen kämpfen in den eisigen Fluten um ihr Leben. Als die Sonne aufgeht sind 315 Menschen tot und weite Strecken Land liegen unter Wasser.
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Menschen werden von der Flut auf Dächern oder Dachböden eingeschlossen und müssen mit Booten gerettet werden.
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Doch die Boote können nicht alle retten, nicht wenige Helfer werden mit im Wasser treibenden Leichen konfrontiert.
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Am schlimmsten trifft es den Stadtteil Wilhelmsburg. 17 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, der die Stadt schwer zerstört hatte, leben viele Menschen noch in Behelfsheim- und Schrebergartensiedlungen. Die Hütten bieten kaum Schutz, als die Elbe kommt.
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Die Flut zertrümmert Autos, Hütten und Häuser.
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Auch viele Tiere von Bauern verenden. Die toten Tiere im Wasser bedeuten auch: Seuchengefahr. Einige können erst Anfang März abtransportiert werden.
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Zwar gibt es eine Sturmflut-Warnung, doch niemandem ist der Ernst der Lage klar. Viele Opfer ahnen nichts, bis das Wasser in die Häuser dringt.
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Als nach Anbruch des Tages am 17. Februar das ganze Ausmaß der Verwüstung deutlich wird, rückt ein Mann als Krisenmanager in den Mittelpunkt, der später noch eine steile Karriere machen sollte: Polizeisenator Helmut Schmidt (SPD), der spätere Bundeskanzler, ruft ohne Rücksicht auf Kompetenzen die Bundeswehr und NATO-Truppen zur Katastrophenhilfe. Es ist ein Novum in der Bundesrepublik. Hier verleiht er eine Dankmedaille an 400 Soldaten, die in dieser Nacht halfen.
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Rund 14.000 deutsche, britische und US-amerikanische Soldaten werden in die zerstörten Stadtteile geschickt, um den Hamburger Rettern bei der Suche nach Überlebenden und der Versorgung von schätzungsweise 100.000 Eingeschlossenen zu helfen.
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Mit Hubschraubern werden am 17.02.1962 Bewohner des Hamburger Stadtteils Wilhelmsburg evakuiert.
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Hamburger erzählen bis heute Geschichten von großer Hilfsbereitschaft in jenen Tagen.
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Die Katastrophe trifft auch die Insel Sylt.
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Heute sind sich Experten einig, dass sich eine solche Katastrophe nicht wiederholen würde.
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Milliarden von Euro flossen seither in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen in den Hochwasserschutz.
Hamburg hat die Nacht vom 16. auf den 17. Februar bis heute nicht vergessen - die Sturmflut hat sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Die Deiche brechen und der Sturm treibt die Wassermassen in jener Nacht aufs Land.
Die Kosten-Nutzen-Relation ist überaus positiv. Hamburg wandte in den fünf Jahrzehnten insgesamt rund 2,2 Milliarden Euro auf, um den Hochwasserschutz auf den heutigen Stand zu bringen. Die Hochwasserlinie wurde teilweise begradigt. Die Deichanlagen erhöhte man auf acht Meter über Normalnull, sie wurden verstärkt und neu konstruiert.
17,5 Milliarden gespart
Die Maßnahmen ersparten Hamburg Schäden von rund 17,5 Milliarden Euro, wie Munich Re jetzt in einer Hochrechnung ermittelte. Dazu schrieben die Experten die Schäden von 1962 mit der Inflation fort und berücksichtigten die Wertentwicklung in den überfluteten Gebieten. Der „Netto-Gewinn“ des Hochwasserschutzes beträgt also über 15 Milliarden Euro, von den geretteten Menschenleben gar nicht zu reden.
Für den Leiter der Georisikoforschung des Versicherungskonzerns, Professor Peter Höppe, zeigt das Beispiel Hamburg, wie wichtig auch angesichts des fortschreitenden Klimawandels Prävention gegen Naturkatastrophen ist. „Es lohnt sich, dafür Geld in die Hand zu nehmen.“
Laut der Datenbank der Munic Re zu den weltweiten Naturkatastrophen hat sich die Zahl der Schadensereignisse, die durch extreme Wetterlagen ausgelöst wurden, seit dem Jahr 1980 fast verdreifacht – und speziell die der Überschwemmungen sogar noch etwas stärker. „Die Wettermaschine hat gewissermaßen einen Gang höhergeschaltet“, sagt Höppe. Die heftigsten Folgen der Erderwärmung stünden aber erst noch bevor.
Seit Beginn der Industrialisierung hat sich die globale Durchschnittstemperatur bereits um 0,7 Grad Celsius erhöht. Klimaforscher halten es für wahrscheinlich, dass es bis 2100 drei bis vier Grad werden. Der Meeresspiegel wird sich nach neueren Prognosen bis dahin um 90 Zentimeter bis 1,60 Meter erhöhen.
Reiche Industriestaaten können den teuren Deichbau und andere Vorbeugungsmaßnahmen aus eigener Kraft finanzieren. „Ohne weitere Deicherhöhung wäre die Nordseeküste stark bedroht“, erläutert Höppe. Aber hier werde es wohl „kein Land unter“ geben, sagt er. Es werde zwar viel Geld kosten, aber Deutschland sei in der Lage, das zu tragen.
Auch Shanghai bedroht
Für die meisten Entwicklungsländer hingegen blieben Maßnahmen wie die in Hamburg illusorisch. Höppe: „Um hier zumindest das Schlimmste zu verhindern, werden die betroffenen Länder Hilfen von den Industrieländern brauchen.“ Bedroht sind mehrere hundert Millionen Menschen. Denn ein Zehntel der sieben Milliarden Menschen weltweit wohnt in der Nähe von Meeresküsten. Besonders betroffen ist Asien – Beispiele sind die Hafenstädte wie Mumbai in Indien mit 18 Millionen Einwohnern oder Schanghai in China mit 23 Millionen.
Das Beispiel Bangladesch zeigt, wie unter Umständen auch vergleichsweise günstige Schutzmaßnahmen die Risiken mindern können. Das Land hat eine lange Küstenlinie und große tiefliegende Flächen, die nur schwer mit Deichen zu schützen sind. Die Regierung in Dhaka ließ zum Schutz gegen Zyklone, die immer wieder über die Küstenzone fegen, Schutzgebäude auf meterhohen Stützpfeilern bauen, in denen die Anwohner Zuflucht finden können. In den vergangenen 20 Jahren hatten die Stürme über 150.000 Tote gefordert.