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Kolumne zu Rechtspopulismus: Pegida ist die Folge eines Erfolges

Fremdenfeindliche Pegida-Kundgebung in Dresden (15.12.2014).

Fremdenfeindliche Pegida-Kundgebung in Dresden (15.12.2014).

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dpa

Stimmt doch! Pegida hat vollkommen Recht: Die Regierung hat das Volk belogen. Seit Jahrzehnten kam jede Regierung mit der Lüge, dass sich die Gesellschaft weder verändern werde noch müsse. Denn Veränderung wird in Deutschland gar nicht gern gesehen, besonders nicht vom Wähler. Veränderung macht in Deutschland nicht Hoffnung, sondern Angst. Und die deutsche Angst war von jeher der Zwilling der Aggression.

Die Regierungen sagten stets, Deutschland sei kein Einwanderungsland. Irgendwann war das zwar vorbei, doch drückten sie sich vor einer Bezeichnung. Dann sprachen sie von Integration und meinten, dass sich die Gesellschaft niemals verändern müsse. Nur „die zu uns kommen“ müssten sich anpassen – nicht die Deutschen und meinten damit die „Bio-Deutschen“. Die Signale der Politik standen stets auf Abwehr.

Nun ist in den letzten 20 Jahren jedoch viel mehr geschehen als Medien und Politik zugegeben haben. Die nächste Generation der Kinder von Einwanderern macht Abitur, studiert und tritt ins Berufsleben. Der soziale Aufstieg dieser Kinder ist im Verhältnis zu Biodeutschen wesentlich höher.

Inzwischen sind viele Familien gemixt, die jungen Leute heiraten über die Grenzen von Konfessionen, ethnischer Herkunft oder Kulturen hinweg. Deshalb sind viele Deutsche heute eben Deutsche ohne Bio. Das alles passiert nebenbei und ist nun Teil der Normalität. Es geschah trotz der Politik und keinesfalls wegen ihr.

Das merkt selbst der sächsische Spießer. Und fühlt sich von der Politik betrogen, die darauf beharrte, dass Deutschland quadratisch, praktisch, deutsch bleibe und Multikulti gescheitert sei. Und die Medien? Die haben immer nur aufs Schlimme gestarrt und nicht aufs Alltägliche. Und jetzt ausgerechnet bei Pegida will man „dem Volk“ mit Fakten kommen? Kein Wunder, dass es die nicht hören will.

Grund für Optimismus

Die Öffentlichkeit zeigt sich beschämt, erschrocken, entsetzt, besorgt. Dabei gibt es Grund für Optimismus! Denn Pegida ist Folge eines Erfolges. Noch nie zuvor hatten so viele Menschen in Deutschland so viele Freiheiten. In den letzten 20 Jahren wurden die Rechte von Frauen, Migranten, Behinderten, Homosexuellen und anderen Minderheiten gestärkt. Die zivile Gesellschaft forderte sie ein. Deutschlands Gesellschaft ist in den letzten 20 Jahren moderner, eigenverantwortlicher, liberaler und vielfältiger geworden, als es Politik und Medien vermuten ließen.

Und: Pegida ist ein Phänomen des Ostens – oder kann sich jemand Ähnliches auf den Straßen von Frankfurt vorstellen? Die Ausländer seien schuld an allem, so sagt es die chauvinistische Menge. Auch interessant: 80 Prozent der Demonstranten sind Männer. Die Leute in Dresden akzeptieren Demokratie eben nur, wenn sie von allem Kosmopolitischen bereinigt ist.

Was will Pegida denn? Ausländer raus aus der globalen Wirtschaft? Frauen zurück an den Herd? Schwule wieder in die Schmuddelecke? Flüchtlinge – ja was? Das Asylrecht ist schon eingeschränkt. Europas Grenzen wieder zu und keine globale Mobilität mehr? Pegida ist ein Gefühl. Von ganz tief drinnen. Und eigentlich wissen das die Dresdner Demonstranten auch: Es ist ihr Rückzugskampf gegen die offene Gesellschaft. Die lässt sich nicht mehr schließen. Nicht in einer Demokratie.


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