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Berliner Zeitung | Kommentar: Und noch ein Tritt für Lothar Bisky
15. September 2013
http://www.berliner-zeitung.de/3896058
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Kommentar: Und noch ein Tritt für Lothar Bisky

Die Gedenkveranstaltung für Lothar Bisky fand in der Berliner Volksbühne statt.

Die Gedenkveranstaltung für Lothar Bisky fand in der Berliner Volksbühne statt.

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dpa

Gerade hat die Republik aufgeregt über die Frage des guten Stils in der deutschen Politik diskutiert. Steinbrücks Stinkefinger, ist so etwas akzeptabel? Jederzeit akzeptabel ist es offenbar für die führenden Männer und Frauen von Union und FDP über die Grünen bis zur SPD, einen Politiker der Linken bis ins Grab hinein mit Missachtung und Geringschätzung zu verfolgen. Dass niemand von ihnen den Weg zur Trauerfeier für Lothar Bisky gefunden hat, ist schändlich und stellt die Frage, welch ein Stil unter den Demokraten dieses Landes herrscht, noch einmal ganz neu.

Es ist zwar eine Fortsetzung jener politischen Ausgrenzung, die Bisky schon bei dem vergeblichen Versuch erleben musste, zum Vizepräsidenten des Bundestages gewählt zu werden. Damals konnten sie sich immerhin noch hinter dem Argument verstecken, dass sein Amt als Chef der PDS nicht zu dem des neutralen Parlamentspräsidenten passe, auch, wenn der Kern der Ablehnung ein ganz anderer war.

Aber jetzt, als es darum ging, einem verdienten Politiker dieses Landes die letzte Ehre zu erweisen? Wie möchte man das anders begründen als mit plattem Antikommunismus? Es ist jene Haltung, die Thomas Mann einst als Grundtorheit des 20. Jahrhunderts bezeichnet hat. Dass ausgerechnet ein Konservativer wie Horst Köhler diese Phalanx der Stillosigkeit durchbrochen hat, macht die erbärmliche Haltung der Mehrheit der politischen Klasse nur umso deutlicher.