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Kommentar zu Anschlägen in Neukölln und Schöneberg: Herr Henkel, niemand ist auf dem linken Auge blind

Berlin-Neukölln, 7. Februar 2016: Aus einer größeren Gruppe von 30 bis 50 Vermummten heraus wurde in der Nacht zum Sonntag das Büro des Quartiermanagements in der Hobrechtstraße angegriffen und verwüstet. Mit Steinen und Farbbomben zerstörten die Täter die gesamte Front des Büros. Die Polizei prüft einen politisch motivierten Tathintergrund.

Berlin-Neukölln, 7. Februar 2016: Aus einer größeren Gruppe von 30 bis 50 Vermummten heraus wurde in der Nacht zum Sonntag das Büro des Quartiermanagements in der Hobrechtstraße angegriffen und verwüstet. Mit Steinen und Farbbomben zerstörten die Täter die gesamte Front des Büros. Die Polizei prüft einen politisch motivierten Tathintergrund.

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ABIX

Sind wir auf dem linken Auge blind? Innensenator Henkel scheint das zu glauben. Nach den Anschlägen auf Autos in der Flottwellstraße und im Reuterkiez dürften die Täter auch nicht "im Ansatz das Gefühl haben", dass sie politische Rückendeckung erfahren.

Man fragt sich, aus welchem Jahrhundert Herr Henkel diese Einschätzung zitiert. Die Zeiten, in denen es in nennenswerter Zahl so etwas wie "klammheimliche Freude" über Zerstörung und Aufruhr gab sind lange vorbei. Heute wird erfreulicherweise Gewalt auch Gewalt genannt. Und nichts anderes war es, was wir am vergangenen Wochenende in der Flottwellstraße und im Reuterkiez erlebt haben.

Das wird auch nicht dadurch anders, dass die Täter selbst behaupten, ihre Taten seien politisch, hätten etwas mit Arm und Reich und der Wohnungsnot in der Stadt zu tun.

Darauf aufmerksam zu machen, gehört derzeit zur Grundausstattung aller Parteien in der Stadt. Und darauf aufmerksam machen dürfen auch Linke, auch Linksradikale. Es gibt in diesem Land Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Die geringe Gegenleistung heißt: Jeder, auch der Linksradikale muss sich an die Gesetze halten, insbesondere die Strafgesetze. Autos zerdeppern und Steine in Wohnhäuser werfen gehören definitiv nicht zum tolerablen Handlungsrahmen in Deutschland.

Genauso wenig übrigens wie die Verteidigung "autonomer Zonen", die ja nichts anderes sind als rechtsfreie Räume. Und die stehen niemandem zu. Nicht Rechten und nicht Linken.

Wen oder was aber meint Henkel, wenn er unterstellt, es gebe so etwas wie politische Rückendeckung für Straftäter? Offenbar Leute, die nicht nur die linksradikale Gewalt, sondern auch ihn, den Innensenator kritisieren. Wenn das zutrifft, dann hätte auch Henkel die Demokratie nicht verstanden.


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